Beitragvon Ralf Rechmann » 25. Juni 2005, 11:12
TimoHochfeld schrieb:
>
> und Ralf ? bekommen und bereits gespielt ?
>
> wie isses denn nun ? Mich interessiert das Spiel auch
> brennend, aber die Info's darüber halten sich ja doch sehr in
> Grenzen.
moin,
da es leider arg kurzfristig bei delayed reactions ausverkauft war - hätte ich mal doch eher bestellen sollen, bevor ich hier im forum gefragt habe ;) - habe ich dungeon twister erst gestern mittag bekommen. deshalb konnte ich es auch noch nicht spielen (erste partie heute nachmittag) und meine erfahrungen hier posten...
mein ersteindruck nach auspacken, auspöppeln und regeln lesen. ohne gewähr auf vollständigkeit, da das spiel viele nette, kleine details bietet, aber insgesamt recht gradlinig und ohne den typischen regelbalast typischer "non-german games" daherkommt.
*** spielmaterial ***
die ganze aufmachung von dungeon twister ist wirklich für fantasybegeisterte fans schön anzusehen: atmosphärische grafiken von karten, charakteren und dungeonräumen, die aber fast schon eine spur zu kräftig in den farben wirken und zumindest bei den countern eher unübersichtlich sein könnten, wenn dunkel-gelb-orange auf einer dunkel-rot-schwarz bodenplatte liegen.
die kartenqualität mit abgerundeten ecken ist ok, aber nicht vergleichbar mit typisch deutschen kartenspielen, dafür sind die karten etwas zu dünn. ob sich die grösse der karten (in kleiner-finger-länge) negativ beim spiel auswirkt, wird sich erst zeigen müssen.
zur charakterdarstellung gibt es papp-spielfiguren auf plastiksockeln und zusätzlich noch counter. die pappe der spielfiguren musste man vor dem ersten spiel noch in die plastiksockel quetschen. leider waren die arg eng und haben - bevor ich den kniff raus hatte - ein paar papp-spielfiguren unschön am unteren rand eingerissen, da sich die oberste pappschicht zu leicht ablösst. hier hilft es, wenn man die hartplastiksockel mittels einer papp-cd-hülle (richtige dicke dafür und endlich eine verwendung der ganzen aol-werbe-cds) erstmal etwas weitet und dann die papp-spielfigur beim einsetzen leicht um die haltestege des plastiksockels herumbiegt. weil wenn man die einfach so versucht, in die sockel zu quetschen, dann rippelt man sich die pappschicht an den haltestegen auf - unschön!
das spielbrett selbst setzt sich aus insgesamt 8 dungeonabschnitte aus dicker pappe in 4 verschiedenen grundfarbtönen zusammen, die jeweils auf einem 5x5 raster verschlungene wege zeigen - durch mauern und gittertüren abgetrennt. zudem gibt es ein als solches markiertes drehfeld pro dungeonabschnitt, dass dem spiel den namen gibt, da man dort den dungeonabschnitt auf dem man steht oder auch den farbgleiche andere dungeonabschnitt in vorgegebener richtung drehen kann und somit komplett neue wege schafft. was eben noch der schnellste weg zur gegnerischen startlinie war, endet nun in einer sackgasse. weiter gibt es noch fallen-felder (1 bis 3 pro dungeonabschnitt). der rest ist nur atmosphärische grafik, ob fakeln, kleine schlangen, totenschädel, schlammpfützen und und und, die aber keine spielerische beduetung haben und nur schön aussehen.
dann gibt es noch aktionsmarker aus pappe, damit man seine möglichen aktionenspunkte pro runde festhalten kann. man findet ferner zwei längliche startlinien, die an das 2x4 dungeonabschnittgrosse spielfeld an den kurzen seiten angelegt werden und auf der man zu spielbeginn verdeckt seine charakter-counter plaziert. dazu noch pappmarker für gitter in geöffneten und aufgebrochenen zustand, und noch ein paar objektcounter wie seil, schatz, geschwindigkeitstrank, rüstung, schwert und feuerball für jeden spieler. abgerundet durch schöne spielhilfen, die gleichzeitig als sichtschutz beim aufbau dienen und ein bebildertes, mehrfarbiges regelheft (16 seiten).
fazit: für 36 euro bekommt man schon einiges an spielmaterial, das nicht nur atmosphärisch aussieht, sondern auch eine brauchbare gesamtqualität hat. für ein importspiel aus frankreich gerade noch ok, wenn auch an der grenze zu überteuert!
*** sprachbarriere französisch ***
das spiel ist komplett in französich - vom regelheft über die spielhilfen bis zu den spielkarten und den counterbezeichnungen.
zum glück gibt es eine wirklich gelungene deutsche regelübersetzung, die allerdings nicht 1:1 das regelheft wiedergibt, sondern aus verschiedenen offiziellen quellen zusammengestellt ist und auch faq-bemerkungen und regelklarstellungen berücksichtigt, danke an den autor jörg hansen für so eine mammutarbeit und danke an delayed reactions, die diese regel auf 27 farbig bedruckten seiten dem spiel beigelegt haben. so werden auch zu fast jedem regelabschnitt weitergehende erklärungen gegeben oder auch strategie-tipps und die erweiterungen von dungeon twister sind ebenso schon berücksichtigt und als solche gekennzeichnet für alle, die bisher nur das grundspiel zu zweit besitzen.
die spielkarten sind - das glück hält an - nicht textlastig, so dass "combat+2" oder "5 actions" oder selbst "saut" (=springen) verständlich sind, da immer auch eine grafik die auswirkungen verdeutlicht. da es sowieso nur 3 typen von karten gibt (4 aktionskarten mit werten von 2 bis 5 /// 9 kampfkarten von +0 zum bluffen bis +6 /// 3 sprungkarten), sollte das keine verständnisprobleme geben.
die counter haben neben der objektbezeichnung wie "épée" (=schwert) ebenfalls immer eine kleine grafik, so dass man notfalls auch davon auf die bedeutung schliessen kann.
einzig die spielhilfe auf der rückseite des sichtschirms hätte ich gerne in deutsch (oder notfalls englisch), da dort nicht nur alle spezialfähigkeiten der 8 unterschiedlichen charaktere kompakt erläutert werden, sondern auch die anwendung der 6 verschiedenen objekte im grundspiel. die deutsche regelübersetzung erklärt das zwar alles auch, eine 1:1 übersetzte spielhilfe im original-layout gibt es hingegen noch nicht.
fazit: dank der phantastischen deutschen regel (leider arg textlastig und nicht so schön gelayoutet wie das original, dafür aber weit ausführlicher und genauer!) gelingt der spieleinstieg und bis auf die spielhilfe gibt es auch keinen grund, bis zur englischsprachigen version irgendwann im august (laut boardgamegeek) zu warten.
*** das spiel ***
grundidee für das reine 2-spieler-spiel (erst durch erweiterung für 3 bis 4 spielbar, aber dann nicht in kombination mit allen anderen erweiterungen zu viert!) ist, dass man mit einer gruppe von unterschiedlichen charakteren im verlies eines mächtigen zauberers gefangen wurde und nun versucht zu entkommen bzw. spieltechnisch ausgedrückt, zuerst 5 siegpunkte zu erreichen. siegpunkte gibt es dabei für jeden getöteten gegnerischen charakter, für jede gelungene flucht auf die gegnerische startlinie (sogar 2 wenn es der eigene, eher schwachbrüstige goblin schafft), und noch einen mehr, wenn man dabei eine schatzkiste trägt.
verdeckt baut man 4 seiner charaktere, die alle unterschiedliche spezialfähigkeiten haben und sich somit ergänzen bzw. für bestimmste spielstrategien besser oder schlechter geeignet sind, auf seiner startline auf und legt auch die 8 räume verdeckt gemischt aus. das ist dann auch der einzige echte zufallsaspekt im spiel, da man die genaue raumverteilung mit ihren wegen nicht kennt. aber offizielle varianten (teils erst mit den ausbausätzen spielbar) schaffen auch da abhilfe bzw. verändern das spiel durch szenarien. die restlichen 4 eigenen charaktere legt man für den gegner verdeckt auf die räume - die starten also schon mitten im dungeon, was auch wieder unterschiedlichste spielstrategien ermöglicht. sechs gegenstände pro spieler (man kann nur seine eigenen nutzen!) werden ebenso verteilt und fertig ist der spielaufbau.
es wird abwechselnd - einer am zug, der andere schaut zu - gespielt, wobei sich ein spielzug in zwei phasen aufteilt: aktionskarte auswählen und spielen + aktionen ausführen. die aktionskarten bestimmen dabei, wieviele aktionspunkte man in diesem spielzug zur verfügung hat - von 2 bis 5. die erhält man auch erst wieder, wenn man alle nach 4 spielrunden ausgespielt hat.
an aktionen hat man 6 unterschiedliche zur auswahl, die fast schon selbsterklärend sind: raum erkunden = verdeckten raum aufdecken // raum drehen = am drehrad den aktuellen oder den farbig passenden anderen raum in 90grad schritten drehen // bewegen = wobei die charaktere unterschiedliche bewegungsweiten haben und man nicht an unverwundeten gegnern vorbeiziehen kann // kämpfen = kampfwert des charakters zu einer ausgespielten kampfkarte addieren. der verlierer ist verwundet und aktionsunfähig, kann aber getragen und auch geheilt werden // spezialfähigkeit eines charakters nutzen = wie gittertüren durchbrechen oder fallen entschärfen oder heilen ... // spezialfähigkeit eines getragenen objektes benutzen = geschwindigkeitstrank trinken oder feuerball benutzen ...
durch die kombination unterschiedlicher charaktere mit unterschiedlichen objekten und unterschiedlichen vorgehensweisen (defensiv wartend oder nach vorne preschend zur gegnerischen startline und und und ...) und dem drehmechanismus der dungeonabschnitte und den unterschiedlichen siegpunkten ergibt sich ein - aus meiner sichtweise vor der ersten spielpartie - komplexes spielgeschehen ohne jedoch in den regeln unnötig kompliziert zu sein. also mehr eine art fantasy-schach mit verdeckten elementen und absolut kein glücksabhängiger dungeon-crawler wie hero quest und co. wer also letzteres sucht, wird enttäuscht sein!
fazit: ich freu mich schon auf die erste spielpartie und werd dann berichten, ob sich dungeon twister wirklich so gut spielt, wie es den anschein hat. :)
cu/ralf
ps: es gibt noch etliche regelfeinheiten wie "counterverteilung bei aufgedeckten raum" oder "einsatz von sprungkarten, um hindernisse zu überwinden" oder "die wahl, ein objekt oder doch eher einen verwundeten charakter zu tragen" oder "der gruppenkampf wenn mehrere charaktere zusammenstehen" oder "verwundete charaktere als vorstufe zum tot", die ich hier nicht erwähnt habe. also nicht wundern, falls das spiel auf dem ersten blick meiner beschreibung zu einfach erscheint...
besonders durch die varianten und die szenarien, die dann noch neue elemente ins spiel bringen, erreicht das spiel einen komplexitätsgrad, der auf gelegenheitsspieler fast schon abschreckend wirken dürfte. aber da eh nicht zu erwarten ist, dass 08/15-spieler (nicht abwertend gemeint!) zu einem französischen importspiel greifen, hat dungeon twister mit spielefreaks, die eine strategische herausforderungen ohne würfelglück zu zweit im fantasygewand gehüllt nicht scheuen, seine zielgruppe gefunden! :)