Beitragvon Peter Thienhaus » 15. Juni 2005, 10:12
Hallo!
Ich möchte hier einmal eine Gegenmeinung vertreten. Ich bin selbst seit 20 Jahren mehr oder weniger regelmäßig mit Brettspielen als Konsument beschäftigt. Da ich nicht weiß, wie man diese lustigen Gesichter hinbekommt, gibt es hier den Hinweis: Alles ist konstruktiv gedacht und soll niemanden beleidigen, also auch nicht Dich Peer.
Rezensionen sind in meinen Augen primär dazu da, um auf ein mir unbekanntes Spiel AUFMERKSAM zu machen. Für mich als Leser ist es daher sehr wohl nötig, die Spielregeln relativ genau und umfassend darzulegen, damit ich mir selbst einen genauen Überblick verschaffen kann und schon eine Ahnung bekomme, ob die Mechanismen und das Thema für mich interessant genug sind. Es spielt sicherlich keine Rolle, die Startaufstellung zu kennen, aber Zugmechanismen, Auktionsmechanismen und Wertungen im Spiel sind für mich relevant. Kenne ich das Spiel bereits, liest man eh nur das Fazit oder den Schlußkommentar. Der INFORMATIONSGEHALT muß in meinen Augen daher immer im Vordergrund stehen und entsprechend viel Platz innerhalb des Berichtes einnehmen (in meinen Augen durchaus 80%). Je ungenauer so ein Bericht ist, desto mehr bin ich auf die Benotung und den Kommentar des Schreibers (dessen Vorlieben, Tagesform etc.) angewiesen. Ich möchte mir aber gerne auch selbst ein Bild machen und verstehe die Bewertung/Benotung nur als Anreiz/Gedankenansatz.
Ob Rezensionen unterhaltsam sein müssen ?
Nein, wenn jemand betont witzig/bissig bei einer Spielebeschreibung ist, habe ich eher den Eindruck, daß er Schwächen kaschieren will, persönliche Aversionen gegen Autor/Verlag hat oder einfach nur noch einige Zeilen füllen muß (ein Beispiel sei hier die Fairplay, die mir persönlich da oft zu dick aufträgt). Das ist Geschmackssache, aber ich mag eher formalistische Berichte (wie Du so schön geschrieben hast: "Stiftung Warentest")
Zum Thema Vergleiche:
Ich hab es nicht gerne, wenn man Spiele untereinander vergleicht, denn diese Vergleiche hinken in den meisten Fällen sehr stark. Bei einer Neuauflage ist das kein Problem, aber ich erinnere mich z.B. an einen Vergleich "Adel verpflichtet -> Die Glücksritter" in der Spielbox oder auch die "Tipps" bei Reich der Spiele. In den meisten Fällen sind diese Tipps unbrauchbar, weil sie zu stark vom Ausgangsspiel differieren (was nützt mir eine Empfehlung anderer Spiele des gleichen Autoren? Der Spielmechanismus in Verbindung zum Thema ist doch entscheidend für ein gutes Spiel) oder zu stark eingeengt, weil ein ähnlicher/gleicher Mechanismus fokussiert wird. Daher sollte man mit Vergleichen immer vorsichtig sein.
Zur Zielgruppenmischmaschorientierung:
Hier widersprichst Du dir doch selbst... Auf der einen Seite findest du solche Bemerkungen für nicht gelungen, forderst aber andererseits eine Angabe bei einer "klaren" Zielgruppe. Was verstehst Du unter einen "klaren" Zielgruppe ? Primärspielzeug bei 3-Jährigen... Das ist bei Brettspielen wohl kaum durchführbar. Bei unseren privaten Spieleabend gibt es tatsächlich Leute, die gerne diese Partyspiele machen und entsprechend motiviert sind, wenn solche Spiele auf den Tisch kommen. Wenn ich dagegen ein Taktikspiel wie "Kreta" auf den Tisch bringe gibt’s dann schon lange Gesichter... Solche Sätze sind in meinen Augen eine normale Orientierungshilfe, wie "gehaltvoll" der Leser sie findet, ist doch seine eigene Ansicht... Ich denke auch kaum, daß so ein Satz alleine im Raum steht ohne weitere Begründung.
Schreibweise:
Bei Tippfehlern gebe ich Dir recht. Ich finde es schade, wenn viele Rezensionen gerade im Internet einfach online gestellt werden, ohne nach dem Schreiben noch einmal eine fremde Person zum Korrekturlesen gebeten zu haben. Ich brauche einen Text nicht 2 Wochen nach Erscheinen des Spiels auf dem Markt, ich kann auch zwei weitere Wochen warten, wenn dafür der Text in einigermaßen fehlerfreiem Deutsch (alte oder neue Rechtschreibung) kommt. Aber die Webseiten sind hat Hobby, auch wenn ich bei Hall, Reich der Spiele und Spielphase.de einen professionellen Ansatz dahinter erkenne.
Zum Thema feste Struktur/freies Schreiben:
Ich persönlich mag feste Strukturen lieber. Dies hat nichts damit zu tun, daß man schneller durchlesen kann bzw. sich auf das "wesentliche" Fazit konzentriert (habe ja oben bereits geschrieben, daß ich Rezensionen eigentlich nur über mir unbekannte Spiele lese), aber es hilft ungemein. Zeitschriftenlektüre ist bei mir eher etwas nebenbei (Toilette, Fernsehen, selten intensives Studium auf dem Sofa), bei Internet-Texten bin ich aktiv und konzentriert beim Text (kostet schließlich Online-Zeit).
Mich stören aber bei vielen Internet-Auftritten die vielen Bilder. Hall hat meistens gute Texte und mir gefallen die Mehrfachbewertungen, aber wenn der Browser immer 4 Bilder lädt, wird dies nervig, weil die Webseite unruhig wird. Dies ist in den meisten Fällen bei Reich der Spiele und Spielphase.de besser gelöst, da man sich hier überwiegend auf ein oder zwei Bilder beschränkt.
Was mich am Schluß sehr interessieren würde, wären eigene Texte von Dir. Wenn Du deinen Schreibstil verbessern/ändern willst, bräuchte man vielleicht einige Vorlagen, an denen wir weiterdiskutieren können. Über "fremde" Magazine oder Webseiten als Testbericht-Schreiber herzuziehen (überspitzt gesagt), kann jeder.
Jetzt muß ich erst einmal weiterarbeiten,
Peter Thienhaus
Werbekaufmann Thienhaus & Partner