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[Fernsehtipp] Preisträger im ZDF

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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VolkiDU

[Fernsehtipp] Preisträger im ZDF

Beitragvon VolkiDU » 27. Juni 2005, 19:40

Hallo Spielerkommune,

soeben war in den 19-Uhr-Nachrichten im ZDF ein Zwei-Minuten-Beitrag über die Preisträger.

Dazu bietet das ZDF die Möglichkeit den Beitrag in der ZDF-Mediathek sich per Video anzusehen. Es fehlt lediglich im Vergleich zu dem Fernsehbeitrag der Kommentar von Uwe Petersen zu den Preisträgern.

Der Link ist:

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,2327506,00.html

Auf der rechten Seite dann auf Mediathek: "Spiel des Jahres" ausgezeichnet.

Den Rest kennt Ihr ja.

Gesehene Grüße

Volker

PS: Vielleicht wird der ganze Beitrag im heute-journal oder heute-nacht wiederholt

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DocFriese
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Beiträge: 183

Re: [Fernsehtipp] Preisträger im ZDF

Beitragvon DocFriese » 28. Juni 2005, 08:40

Hallo!

Bemerkenswert ist, dass (bei Niagara) ständig von Glück die Rede ist. Das war bei SdJ's auch schon mal anders.

Lars

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Steffen Brückner
Kennerspieler
Beiträge: 116

Die Kommentare der Spieler im ZDF

Beitragvon Steffen Brückner » 28. Juni 2005, 09:10

Hallo,

hab mir Grad das Video angeschaut und musste echt schmunzeln. Ob die Verlage so über alle Kommentare der Kinder und Mütter über ihre Spiele "glück"lich sein werden? ;-)

Aber egal, die Preise sind vergeben und das bedeutet ja nun erstmal durchatmen und vollere Kassen für neue Spiele.

Als denn...
STB (der froh ist, dass man heutzutage verpasste Fernsehberichte oft im Internet nachschauen kann)

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Marcel-André Casasola Merkle

Re: Autoren?

Beitragvon Marcel-André Casasola Merkle » 28. Juni 2005, 09:35

Hallo,

schön, dass das Spiel des Jahres im Fernsehen einen Platz hat.
Schade wie immer, dass die Autoren nicht genannt werden (auch im zugehörigen Online Artikel nicht). Das wäre bei Literaturauszeichnungen undenkbar.

Viele Grüße
Marcel-André

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Heinrich Tegethoff

Re: Autoren? - Autoren!!

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 28. Juni 2005, 09:59

Volle Zustimmung, zu beiden Punkten!

Das SdJ war auch im Logo ab 19:50 auf KIKA zu sehen, den Kindernachrichten.
Okay, falsche Zielgruppe hier im Forum.

Was die Autoren angeht, so kommt hier die Fehlleitung auf die Verlage
statt auf die Autoren sehr wohl von den Preisverleihern und nicht von den
Berichterstattern, die ja nur darauf zurückgreifen:
- beim DSP muß ich als Info neben dem Spielenamen den Verlag nennen, nicht
den Autor.
- Auf der SdJ-Homepage war es bis zur Renovierung üblich, primär den Verlag
zu nennen und dann den Autor. Jetzt ist es gleichwertig notiiert.
Und letztendlich sehe ich das Verlagslogo im Laden (und haüfig eine Verlags-
sortierung) und muß den Autorennamen suchen - bei Büchern wird meist
nach dessen Namen im Regal sortiert... Welcher Berichterstatter sieht den
Namen?

Irgendwann schrieb ich hier einmal "man stelle sich vor, ich würde fragen: >>hast
Du schon den neuesten DTV gelesen?<<". Ich kenne das nur mit "Konsalik" u.a.
Und ein Film ist bestenfalls von Peter Jackson gemacht und nicht von Miramax.

Servus,
Heinz (dessen Spieleliste auf der Homepage primär den Autor nennt (X von A.B.)
und unter sonstige Infos den Verlag)

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Immanuel

Eigene Nase?

Beitragvon Immanuel » 28. Juni 2005, 10:50

Hallo zusammen,

was die Autoren angeht, muss ich mich jetzt doch auch mal an die eigene Nase fassen - und Euch fragen, wem es sonst noch so geht:
Bei mir sind die Spiele im Regal klar nach Verlagen geordnet. Zwar weiß ich, weil es mich interessiert, meistens Bescheid, wer was erfunden hat, aber z.B. Klaus Teubers alea-Ausgabe von Adel verpflichtet neben seinem ASS-Barbarossa, KOSMOS-Siedler und dem alten Licht und Schatten aus dem Hause Herder wäre dann doch ein ziemliches Durcheinander. Und schätzungsweise ist dieser Aspekt gerade im Spielwarenhandel auch nicht von der Hand zu weisen.
Und es gibt immer noch einen Verlag (Hasbro-Parker, vielleicht gibt es auch noch andere), der die Autorennamen nicht mal angibt - was übrigens auch die meisten anderen Verlage noch nicht allzulange tun. In meiner überwiegend auf Flohmärkten zusammengetragenen Spielesammlung dürfte rund ein Viertel bis ein Drittel der Spiele keinen Autorennamen auf der Schachtel tragen. Insofern ist hier einfach noch viel Überzeugungsarbeit zur Überwindung der bequemen Tradition zu leisten.
Da fällt mir gerade was ein: neulich war im Dritten Programm (Südwest 3) in der Sendung "Sag die Wahrheit" ein Kandidat, der sich als Zahntechnikermeister Klaus Teuber vorstellte und dem sein Gegenüber nicht glaubte, dass er Spiele erfindet. :smile:
Vielleicht sollten wir ja mal Spieleabende veranstalten, auf denen nur die Spiele bestimmter Autoren gespielt werden. Oder ist das alles etwa gar nicht so wichtig und interessiert eh nur eine kleine Minderheit?
Ein wichtiger Unterschied zwischen Buch und Spiel ist imo, dass der Leser nur passiv das Produkt des Autors konsumiert, während er beim Spiel ja auch seinen eigenen Beitrag zum Gelingen des Werkes beiträgt - das noch dazu jedes MAl ganz anders ausfällt. Damit ist bei jeder Partie der homo ludens quasi Mit-Autor. Und bevor ich mir jetzt von Filosofen auf die Griffel klopfen lasse, die mehr davon verstehen, beende ich lieber diesen eh viel zu langen Fred.

Grüßle,
Immanuel

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Heinrich Tegethoff

Re: Eigene Nase - Kulturgut?

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 28. Juni 2005, 11:26

Hallo Immanuel et al,

Immanuel schrieb:
> Bei mir sind die Spiele im Regal klar nach Verlagen geordnet.
> ... Und schätzungsweise ist dieser Aspekt gerade im Spielwarenhandel
> auch nicht von der Hand zu weisen.

Bei kleinerer Sammlung reicht noch meine Sortierung nach Größe, was
aber häufig zur Sortierung nach Verlag führt. Auch meine Bücher
_zu Hause_ sind primär nach Höhe sortiert.
Die Sortierung nach Spieleautorennamen im Laden ist hier gar nicht
gefordert. Dafür fehlt die Masse. Und die Formate von Spielen sind weit
weniger kompatibel (stapelbar) als die von den viel kleineren Büchern.

Ich prangere einfach die mangende Präsens des Autorennamens im Sinne
von MACM an, in der Hoffnung, die Zukunft wird besser. Denn nach den
von Alex Randolph u.a. vorangetriebenen "Existenz" eines Autores für ein
Spiel blieb es doch wieder stehen oder geht gar in den Hintergrund zurück.

> Und es gibt immer noch einen Verlag (Hasbro-Parker,
> vielleicht gibt es auch noch andere),
Mein erster Gedanke: Jumbo

> der die Autorennamen nicht mal angibt - was übrigens auch die meisten anderen
> Verlage noch nicht allzulange tun.

IMHO 20 Jahre - lange genug, aber ich habe nur ein Parker mit Namen außen
auf der Schachtel - Alex Randolph's Spion & Spion.

> Vielleicht sollten wir ja mal Spieleabende veranstalten, auf
> denen nur die Spiele bestimmter Autoren gespielt werden.

Aus dem Forum weiß ich, das es einige so machen.

> Ein wichtiger Unterschied zwischen Buch und Spiel ist imo,
> dass der Leser nur passiv das Produkt des Autors konsumiert,
> während er beim Spiel ja auch seinen eigenen Beitrag zum
> Gelingen des Werkes beiträgt - das noch dazu jedes MAl ganz
> anders ausfällt.

Die Sicht ist korrekt, führt aber dazu, daß ein Spiel wieder vom Kulturgut
zum Gebrauchsgegenstand degradiert wird - auf meiner Waschmaschine
steht ja auch nicht der Ingenieur drauf, und die Entwicklernamen eines
Digitalchips stehen zwar dort drauf, aber ohne Mikroskop kann ich es nicht
lesen.

Der Punkt ist doch, dass ich das Spiel als Kulturgut fördern will, und nicht,
wie das autorenlose Verlagsspiel (heißt das so?) beweist, den Gebrauchs-
gegenstand Spiel. Zentraler Unterschied in der Wahrnehmung ist dabei
der Autor, der hinter dem [b]Werk[/b] steht.

Die Story mit dem Zahntechniker kennen vielleicht ein paar Tausend
Menschen, aber nicht die 50 Millionen als Quelle für Probanten im Fernsehen.

Die Wahrnehmung des Autors ist ein wichtiger Schritt zum Kulturgut Spiel!

Servus,
Heinz

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Dirk Piesker
Kennerspieler
Beiträge: 950

Re: Eigene Nase - Kulturgut?

Beitragvon Dirk Piesker » 28. Juni 2005, 13:28

Hallo Heinz,


> Auch meine Bücher
> _zu Hause_ sind primär nach Höhe sortiert.

Meine Frau hat _ziemlich_ viele Bücher und als wir letztens neu
sortiert haben, da wurde mein Ansinnen, nach Autor zu sortieren mit
vernichtend strafenden Blicken abgeschmettert.
Natürlich wurden die Bücher nach Erscheiningsdatum bzw literarischer
Epoche sortiert.


> Der Punkt ist doch, dass ich das Spiel als Kulturgut fördern
> will, und nicht, wie das autorenlose Verlagsspiel (heißt das so?) beweist, den
> Gebrauchsgegenstand Spiel.

> Die Wahrnehmung des Autors ist ein wichtiger Schritt zum
> Kulturgut Spiel!

Eine gewagte Annahme. Meines Erachtens kann eine sorgsame
Verlagsarbeit (Als Beispiel sei hier mal alea genannt) dies genauso erreichen.
Letztendlich steht doch nicht der Autor im Fokus, sondern sein Werk. Erst durch (möglichst mehrere) gute Leistungen, kann auch der Name der Autors
hier ein Gewicht erlangen.

Nicht missverstehen, ich will den Namen der Autoren nicht in den Hintergrund
drängen, aber ist es nicht häufig so, dass ein Name sehr gezielt Erwartungen und
Hoffnungen bei einer Neuerscheinung weckt, die eher selten eingelöst werden?

Carcassonne, Puerto Rico und selbst Siedler sind Beispiele dafür. Top-Titel, aber danach kam nix wirklich weltbewegendes von den jeweiligen Autoren hinterher. (Bei Siedler setze ich mich wohl grad in die Nesseln, aber ich bin wirklich dieser Meinung).

Dirk

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Marcel-André Casasola Merkle

Autoren, Identifikation, öffentliche Wahrnehmung

Beitragvon Marcel-André Casasola Merkle » 28. Juni 2005, 13:57

Hallo,

> > Die Wahrnehmung des Autors ist ein wichtiger Schritt zum
> > Kulturgut Spiel!
>
> Eine gewagte Annahme.

Wer die öffentliche Wahrnehmung des Spiels als Kulturgut stärken will, muss sich hinter die Autoren stellen. Sie sind die Menschen, die einem Spiel ein Gesicht verleihen können. Wir leben schließlich in einer Mediengesellschaft, in der Personen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Ein emotionales Band knüpft man am leichtesten über Identifikation. Das ist sehr schwer, wenn die kreativen Köpfe im Hintergrund bleiben.

>Meines Erachtens kann eine sorgsame
> Verlagsarbeit (Als Beispiel sei hier mal alea genannt) dies
> genauso erreichen.

Ich möchte hier nicht die Leistung der Verlage, insbesondere der Redakteure, in Abrede stellen. Gerade an der Auszeichnung von "Niagara" merkt man, dass innovative Konzepte (Mut zur thematischen, haptisch interessanten Ausstattung) belohnt werden. Ein kluger Schritt in die richtige Richtung, der die Verlage auffordert auch Risiken einzugehen.

Ich hoffe jedenfalls, dass sich Klaus Teuber in der nächsten Sendung als Spieleautor vorstellt, dem man partout nicht abnimmt, dass er sich mit Zahntechnik beschäftigt.

Viele Grüße
Marcel-André

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Franz-Benno Delonge

Spielautoren, Buchautoren

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 28. Juni 2005, 14:21

Liebe Marktbeobachter,
es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß der Spieleautor gegenüber dem Verlag nicht das gleiche Gewicht hat wie der Buchautor. Folgende Unterschiede fallen ins Auge:

- Der Buchautor erhält einen ungefähr doppelt so hohen Anteil am Erlös wie der Spielautor.
- Der Buchverlag schreibt dem Buchautor in den Vertrag in aller Regel die Verpflichtung hinein, sein nächstes Buch wieder dem gleichen Verlag anzubieten. Dem Spielverlag hingegen ist das völlig egal.
- Buchverlage haben ihre Stammautoren, von denen sie immer wieder neue Werke bringen. Spieleverlage nehmen, was kommt, und von wem es kommt.
- Der Buchverlag bittet den Autor allenfalls, das eine oder andere zu kürzen oder vielleicht nochmal zu überarbeiten. Der Spielverlag hingegen ergänzt den Spielentwurf in der Testphase nach Herzenslust um eigene Ideen, auch wenn diese natürlich mit dem Autor diskutiert werden.

Das kann man natürlich beklagen. Aber man muß auch Folgendes berücksichtigen:

- Der Buchautor bietet dem Verlag ein im Prinzip fertiges Werk an; die grafische Gestaltung, die der Verlag noch zuschießen muß, bezieht sich allein auf das Cover. Der Spieleverlag hingegen muß die komplette gestalterische Umsetzung leisten; dies ist ein großer Kostenfaktor und für den Erfolg des Spieles oft wichtiger als die eigentliche Spielqualität, weil sehr viele Exemplare rein über die Optik und den Titel verkauft werden.
- Es gibt praktisch keine Spieleautoren, die über Jahre hinweg regelmäßig Werke in immer gleichbleibender Qualität abliefern. Selbst die absoluten Profis liefern neben Spitzenspielen auch viel Durchschnittsware. Zumindest für Laien fehlt es sogar an jeder erkennbaren "Handschrift" eines bestimmten Autors. Deshalb ist dem Publikum der Name des Autors schlicht egal. Der Autorenname verkauft, wenn es hoch kommt, vielleicht drei zusätzliche Exemplare.
- Die "etablierten" Spieleautoren haben einen oft geradezu erstaunlichen Output. Kein Buchautor könnte fünf oder gar zehn Werke pro Jahr publizieren. Der Buchautor investiert in ein vernünftiges Buch ein Mehrfaches an Zeit, als es der Spieleautor tut, und zwar auch dann, wenn das Spiel echte Qualität hat.

Per Saldo sehe ich also als Spieleautor keinen Grund zur Klage. Auch wenn es meinen sofortigen Ausschluß aus der SAZ zur Folge haben sollte: Ich meine, daß der Spielautor ein angenehmeres Leben hat als der Buchautor, auch wenn ihn keine Sau kennt.
Aber wieviel Prozent aller Buchautoren sind schon wirklich berühmt...?.
Schönen Gruß
Benno

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Dirk Piesker
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Beiträge: 950

Re: Autoren, Identifikation, öffentliche Wahrnehmung

Beitragvon Dirk Piesker » 28. Juni 2005, 14:25

Hallo Marcel-André,

findet eine solche Identifikation denn nicht viel leichter über
die Marke (sprich Verlag) als über den Autor statt?
Der Autor is nur ein Name, vielleicht noch ein Foto auf dem
Klappentext (ähh, in der Regel).
Dagegen steht der visuelle Eindruch etwa des blauen Dreiecks von
Ravensburger.

Bei Büchern ist es doch auch eher so, dass Autoren und Verlage
eine längerfristige Bindung eingehen, insbesondere wenn die
Bücher erfolgreich sind. (Ich bin hier Laie und lasse mich gerne eines besseren belehren)
Bis auf Teuber, der bei Kosmos "unter Vetrag" steht, scheint mir
die Bindung Autor - Verlag im Spielebereich sehr lose. Vielleicht
ein Nachteil? Immerhin gibt es für die Verlage keinen Grund einen
Autor zu promoten, der 90% seiner bisherigen Spiele bei der
Konkurrenz veröffentlicht hat.

Dirk

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fritz gruber

Ein Lanzenbruch für die Preisverleiher

Beitragvon fritz gruber » 28. Juni 2005, 23:03

Schönen Abend erstmal.

Ich möchte hier einen kleinen Beitrag zum Thema "Warum wurden die Autoren im Fernsehen unterschlagen" leisten. Es trifft ganz bestimmt nicht zu, daß hier ein Versäumnis seitens der Preisverleiher zu bemäkeln ist. Vielmehr widmeten die bei der Pressekonferenz vertretenen Fernsehteams den Autoren sehr viel Dreh- und Interviewzeit. Daß diese Interviews später bei der Ausstrahlung sehr knapp oder gar nicht kamen liegt in der Verantwortung derer, die im Sender darüber entscheiden, welche Bilder man für den Beitrag letztendlich verwendet.

Hoffe der Diskussion hiermit gedient zu haben.

Fritz Gruber

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Marcel-André Casasola Merkle

Marke <-> Menschen

Beitragvon Marcel-André Casasola Merkle » 29. Juni 2005, 01:43

Hallo Dirk,

> findet eine solche Identifikation denn nicht viel leichter über
> die Marke (sprich Verlag) als über den Autor statt?

Eine Marke kann natürlich einige Bekanntheit erreichen. Aber hinter der Marke vermutet man immer eher das industriell hergestellte Massenprodukt.

> Der Autor is nur ein Name, vielleicht noch ein Foto auf dem
> Klappentext (ähh, in der Regel). Dagegen steht der visuelle Eindruch etwa des blauen Dreiecks von Ravensburger.

Die Präsenz von echten Menschen verleiht einem Kulturgut auch eine emotionale Qualität. Sie schafft das Bewusstsein, dass Spiele einem schöpferischen Akt entspringen und weckt gleichzeitig das Interesse an den Hintergründen. Wo kommen die Spiele her? Was war die Motivation des Autors? Gibt es vielleicht doch eine Handschrift? Uups, Spiele sind ja doch nicht alle gleich…

> Immerhin gibt es für die Verlage keinen Grund
> einen Autor zu promoten, der 90% seiner bisherigen Spiele bei der
> Konkurrenz veröffentlicht hat.

Alles, was die Präsenz des Spiels in der Öffentlichkeit stärkt, wirkt positiv auf den Markt (und damit auch die Verlage) zurück. Aber die jetzige Präsenz ist immer noch ziemlich bescheiden. Verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Herz der weltweiten Brettspielszene in Deutschland schlägt. Eigentlich eine Nachricht, die Journalisten mit Begeisterung aufnehmen sollten. Gerade in heutiger Zeit.

Manchmal stehen wir uns selber im Weg, wenn wir uns künstlich kleinmachen.

Gruß
Marcel-André

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Helmut Lehr

Re: Ein Lanzenbruch für die Preisverleiher

Beitragvon Helmut Lehr » 29. Juni 2005, 06:52

fritz gruber schrieb:
> Daß diese Interviews später bei
> der Ausstrahlung sehr knapp oder gar nicht kamen liegt in
> der Verantwortung derer, die im Sender darüber entscheiden,
> welche Bilder man für den Beitrag letztendlich verwendet.

Ja, und diese Redakteure haben die eigentliche Macht und Veranwortung zu entscheiden, was die Zuschauer letztlich sehen, und was nicht.
Da wird sehr viel gedreht, und dadurch werden im aufgenommenen Publikum falsche Hoffnungen erweckt, weil als Ergebnis manchmal nur Sekundenbeiträge herauskommen. Bei dem vielen Schwachsinn in den Kanälen ist es ärgerlich, dass Beiträge in Informationssendungen meistens bis zur Unkenntlichkeit gekürzt werden.

SG
Helmut

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Heinrich Tegethoff

Re: Ein Lanzenbruch für die Preisverleiher

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 29. Juni 2005, 08:53

Hallo Herr Gruber,

das die Autoren nicht am Bildschirm gezeigt wurden, wird viele Gründe
haben, die allesamt auf der Fernsehseite liegen, und sei es nur, dass die
Autoren falsch belichtet wurden oder der Fragen/Antworten-Block nicht ins
Zeitschema passte.

Zwei Punkte bleiben aber kritisch:
- Das SdJ wurde von einem Kind erklärt - sowohl im KIKA (normal) als auch
im ZDF - vielleicht nur kostensparender gleicher Beitrag, vielleicht aber auch
die "übliche" Sicht Spiel=Kind. Nicht kritisch, aber schade.

- Wie MACM anmerkt: auch im Internet fehlen die Autoren. Da fehlen sie
wirklich, und darauf ging ich hier ein. Sowohl die Pressekonferenz als auch
eine Webrecherche hätte beim ZDF einen Fokus auf die Autoren ergeben
sollen, und das ist nicht geschen. Dabei wollen Format-Medien doch vor allen
Dingen die Leute hinter den Dingen zu Wort kommen lassen.

Ergo stimmt was nicht, und dass zu hinterfragen lohnt sich - wer weis, man
könnte ja was ändern...

Servus,
Heinz

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Dirk Piesker
Kennerspieler
Beiträge: 950

Re: Marke <-> Menschen

Beitragvon Dirk Piesker » 29. Juni 2005, 10:21

Hallo Marcel-André

> Die Präsenz von echten Menschen verleiht einem Kulturgut auch
> eine emotionale Qualität. Sie schafft das Bewusstsein, dass
> Spiele einem schöpferischen Akt entspringen und weckt
> gleichzeitig das Interesse an den Hintergründen. Wo kommen
> die Spiele her? Was war die Motivation des Autors? Gibt es
> vielleicht doch eine Handschrift? Uups, Spiele sind ja doch
> nicht alle gleich…

Zustimmung. Aber das von Dir gesagte gilt nicht generell für alle Spiele
und die gesamte Spielindustrie. So wie es wöchentliche Liebes-Groschenromane
bei Büchern gibt, habe ich auch bei vielen Spielen das Gefühl, dass hier schnell
mal ein paar Mechanismen zusammen geschmissen werden, ohne das dies jetzt
als "Akt der Schöpfung" bezeichnen zu können. Das ist aber zugegebenermaßen seltener der Fall.

Mein Ansatz ist eher: Qualität fördern statt generell die rosa Brille aufzusetzen. (Das ist jetzt sehr überspitzt). Aber mach Kritiker scheint dem Kulturgut Spiel dienen zu wollen, indem er möglichst noch dem letzten "Mist" (-spiel) eine
wohlwollende Wertung zugute kommen lässt.

> Manchmal stehen wir uns selber im Weg, wenn wir uns künstlich
> kleinmachen.

Darum kann es in der Tat nicht gehen.

Ich wollte aber der These "Mit dem Autor wird alles gut" mal einige Gedanken dagegen setzen.


Dirk

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Hartmut

RE: Marke <-> Menschen

Beitragvon Hartmut » 29. Juni 2005, 10:33

> Die Präsenz von echten Menschen verleiht einem Kulturgut
> auch eine emotionale Qualität. Sie schafft das Bewusstsein,
> dass Spiele einem schöpferischen Akt entspringen und weckt
> gleichzeitig das Interesse an den Hintergründen. Wo kommen
> die Spiele her? Was war die Motivation des Autors? Gibt es
> vielleicht doch eine Handschrift? Uups, Spiele sind ja doch
> nicht alle gleich…

Alles richtig. Und da haben es die Verlage selbst in der Hand, dem Produkt Spiel weitere Beigaben hinzuzufügen, die dieses Bewusstsein fördern. Mit der Nennung des Autoren allein ist es eben nicht getan. So finde ich es z.B. gut und richtig, wenn man bei Franjos am Ende der Regeln mehr und ausführlicher über den Autor und sein Spiel berichtet. Aber welche anderen Verlage praktizieren das? Selbst die meisten kleinen ignorieren das mögliche Interesse. Ein bischen mehr Text in der Schachtel, mehr Informationen in diese Richtung auf der Verlagshomepage verschlingen keine Unsummen und machen nicht mehr Arbeit, als mühsam lancierte Artikel für das eine oder andere Lokalblatt, das die Zielgruppe um 99% verfehlt. verglichen mit Büchern erreichen Spiele hier meistens nicht einmal Klappentext-Niveau.

Fürchtet man womöglich kontraproduktive Effekte beim "normalen" Spielekäufer? Kann ich mir nicht vorstellen. Nehmt mal zum Vergleich den DVD-Markt. Würde es Special Editions geben, wenn kaum jemand sich für die Hintergründe einer Story und den Entstehungsprozess des Films interessieren würde? Sicher nicht, vom reinen Sammelinteresse mancher Kunden mal abgesehen, aber diese seltene Spezies begründet keinen Markt, weder bei DVDs noch bei Spielen, bestenfalls bei Briefmarken! Nun kosten solche Special Editions bei DVDs auch oft mehr als normale Produktionen mit "nur Film" drauf, das lässt sich so im Spielemarkt nicht oder nur selten anwenden (*). Es muss aber auch nicht gleich das ganze Füllhorn an möglichen Extras mit Video der Redaktionssitzungen, Replikas von Prototypen, Interviews mit Materialzulieferer und Familie das Autoren ("Papa hat immer nur Würfel im Kopf!") usw. ausgeschüttet werden ;-) Ich denke, es ist klar, dass ich hier einen kleineren, weitestgehend kostenneutralen Maßstab meine, verglichen mit DVDs eben ein paar "Featuretten", die dem nackten Produkt (bei DVDs sowieso oft) beigegeben werden und die "Seele" hinter dem Produkt Spiel erkennen lassen.

(*): Als Ausnahme betrachte ich z.B. das im Herbst erscheinende 3D-Siedler. Vermutlich wird hier zwar auch "nur" das Spiel selbst drin sein, andererseits kennen wohl die meisten Siedler-Fans eh vieles über die Geschichte hinter dem Spiel. Aber eine Chance bietet sich hier in jedem Fall.

Also, liebe Verlage, egal ob Ravensburger oder Lookout: nehmt Eure Kunden ernst und gebt ihnen Futter! Schaden kann es kaum, vielleicht aber langfristig nützen.

Hartmut
- www.hiespielchen.de -

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Roman Pelek

...und nehmen wir mal Drehbuchautoren

Beitragvon Roman Pelek » 30. Juni 2005, 01:43

Hi Benno,

eine sehr schöne sachliche Gegenüberstellung der Unterschiede zwischen Spiel- und Buchautoren - mein Kompliment. Ich möchte dazu gerne noch ein paar Takte beisteuern, primär, was die verschiedene Außenwirkung verschiedener Positionen in unterschiedlichen Branchen und deren Übertragbarkeit auf unsere Rahmenbedingungen angeht:

Man nehme z. B. mal Kinofilme. Wer fragt eigentlich außer in Ausnahmefällen (z. B. Buchvorlage wie bei "Herr der Ringe" oder jüngst meinetwegen "Per Anhalter durch die Galaxis") eigentlich nach dem Drehbuchautoren bzw. der Vorlage, die für's Kino umgearbeitet wurde? Oder wen interessiert dort wirklich, welches Studio das nun finanziert hat? Ich denke, in diesem Bereich ist die Sache wieder anders gelagert: hier sind Regisseure und Hauptdarsteller die "Marken", mit denen sich Produkte verkaufen.

Machen wir doch mal ein konkretes Gedankenspiel, wie in etwa eine Übertragung beider Brachen (Literatur und Kino) in die Spieleszene von der Außenwirkung her aussehen "könnte", und was die Probleme dabei wären:

Literatur -> Spiele: Der Autor wäre die prominente Persönlichkeit, der Verlag noch öffentlich wahrnehmbar und der "Redakteur" wäre - so zumindest die öffentliche Meinung - primär für's Redigieren von "technischen Details" im Hintergrund zuständig. In der Spieleszene könnten sicher Autor und Verlag damit leben, in vielen Fällen wäre aber dem Redakteur damit reichlich wenig gedient, für das, was er leistet. Der Grafiker hingegen würde sich beim Buch sehr oft auf's Cover beschränken müssen, während er beim Spiel immer einen deutlichen Einfluss auf Cover und Inhalt hat. Was seine Außenwirkung angeht - er ist in beiden Branchen ziemlich gekniffen.

Kino -> Spiele: In diesem Bereich steht der, der das eigentliche Grundgerüst erfindet, oft im Hintergrund. Sprich: der (Drehbuch-/Vorlagen-)Autor wäre ein namentlich genannter, aber häufig ignorierter Kopf. Derjenige, der etwas aus seinem Stoff macht, ist hingegen sehr präsent. Also stünde in Zukunft der Redakteur (als Regisseur) auf der Spieleschachtel und würde hoch gehandelt werden. Da wir bei Spielen keine menschlichen Hauptdarsteller haben, müsste wohl der Grafiker dafür einspringen, um den Inhalt ansprechend zu verkaufen, und somit sein Name mehr Gewicht haben. Den Verlag würde all dies vermutlich wenig kümmern, solange beim Jahresabschluss die Bilanz stimmt - der Verlagsname wäre sicher auch bekannt, aber niemand außer Insidern könnte zuordnen, welches Werk welchem Verlag entspringt.

Insofern halte ich Analogien zu anderen Branchen und ihren ureigenen Gegebenheiten in Anknüpfung an Bennos Argumentation für kritisch, weil sich die Verhältnisse nicht eben 1:1 übertragen lassen. Dies sollte in meinen Augen allerdings keinen Anlass dazu geben, sein Licht unter den Scheffel zu stellen - das wäre m. E. auch grundfalsch - sondern eher ein Denkanstoss sein, ob eine Argumentation aus den Umständen der eigenen Branche heraus nicht ein weitaus zugkräftigeres Pferd ist. Um die Analogie zum Kino nochmal zu bemühen: hier wären z. B. Redakteure Stars. In nicht wenigen Fällen wäre ebendieses auch in der Spieleszene eigentlich recht fair - nur dass die Autoren dann kaum etwas zählen, wäre doch merklich "neben der Kappe" :-))

Summa summarum gibt's bei dem ganzen Gedankenspielchen eigentlich nur eine bislang unerwähnte Konstante über die genannten Branchen hinweg: die Kritiker haben's relativ gleich: Sie sind immer Schuld, sei's weil sie die häufig sehr arbeitsintensiven künstlerischen Bemühungen anderer nicht wertschätzen oder weil sie mit Empfehlungen der anderorts arbeitenden Bevölkerung ihre Freizeit vermiesen, wenn diese ihre Einschätzung nicht teilen. Zumindest hier scheinen Analogien zu funktionieren, also halten wir uns vorerst mal an diesem dünnen Fädchen fest und nennen diese Spezies einfach hassliebevoll "einen (der vielen) Multiplikatoren" ;-)

Ciao,
Roman

P.S.: Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass in der Musikszene die Künstler natürlich auch sehr präsente "Markennamen" sind und das ganze Gefüge wieder etwas anders gelagert ist. Aber das wäre mir - bei aller Fairness - etwas langwierig geworden :-)

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Roman Pelek

Re: Marke <-> Menschen

Beitragvon Roman Pelek » 30. Juni 2005, 03:17

Hallo Marcel,

Marcel-André Casasola Merkle schrieb:

> Eine Marke kann natürlich einige Bekanntheit erreichen. Aber
> hinter der Marke vermutet man immer eher das industriell
> hergestellte Massenprodukt.

Nun ja: Menschen können auch persönliche Bindungen an Marken entwickeln, hinter denen keine Persönlichkeiten (mehr) stecken. Aber es hilft sicher ungemein, wenn einer Marke zumindest eine Persönlichkeit vorausgeht, auch wenn sie später nicht mehr Einfluss auf die Marke ausübt. Wir haben mittlerweile viele Markennamen in Deutschland, die auf ihre Gründer zurückgehen und die deshalb Vertrauen genießen - in Wahrheit stecken dahinter aber mittlerweile multinationale Konzerne, denen die Marke gerade soviel wert ist, wie sie den Aktionären Ertrag bringt. Von der - manchmal - noblen Idee des Gründers, auf den dieses Vertrauen fußt, ist dabei häufig nicht mehr viel übrig. Das Problem ist: wie etabliert man erfolgreich eine "neue persönliche "Marke", ohne gegen etablierte, mittlerweile durchaus inhaltsleere Namen, zu verlieren?

> Die Präsenz von echten Menschen verleiht einem Kulturgut auch
> eine emotionale Qualität. Sie schafft das Bewusstsein, dass
> Spiele einem schöpferischen Akt entspringen und weckt
> gleichzeitig das Interesse an den Hintergründen. Wo kommen
> die Spiele her? Was war die Motivation des Autors?

Diesen Gedanken teile ich vollkommen, aber...

> Gibt es
> vielleicht doch eine Handschrift? Uups, Spiele sind ja doch
> nicht alle gleich…

...zwei Gedanken meinerseits möchte ich noch anmerken:

1.) Spieleautoren springen sehr häufig zwischen Genres hin- und her. Dies machen Buchautoren sehr selten, und im Film- und Musikgewerbe liest man immer wieder die (mit Verlaub: volldämliche und zudem Midlife-Crisis-verdächtige) Entschuldigung: "Es war einfach mal an der Zeit, etwas Neues zu versuchen" - gerade so, als ob nicht jeder, der etwas Kreatives macht, ungerne auf der Stelle tritt. Spieleautoren machen es insofern der Öffentlichkeit sehr schwer, sie "einfach" in "Schubladen" einzuordnen. Sicher sind wir szeneintern in der Lage, jemandem notfalls zwangsweise ein "Profil" aufzudrücken (und auch das stimmt häufig nicht), aber wie wollen wir das stringent nach außen tragen?

2.) Wenn wir "Handschriften" im Spieldesign gelten lassen, gehören in einigen Fällen die Redakteure als Co-Autoren mit auf die Schachtel. Vielleicht bin ich damit in der Minderheit, aber bei manchen Werken kann ich eher die Redaktion erkennen als den Autoren. Letzteres liegt natürlich auch darin begründet, dass Autoren an diejenigen Redakteure/Verlage versenden, bei denen sie sich eine gewisse gemeinsame Basis und Zielgruppe erhoffen, insofern verwischt das. Aber wie geht man dann damit um, also den Situationen, wo der Autor "nur" ein Konzept vorlegt, und der Redakteur sich den A... aufreißt, um was Gutes draus zu machen? Wäre es dann nicht auch fair zu sagen: wir müssen den Redakteur als kreativen Kopf auch in die Öffentlichkeit tragen?

> Manchmal stehen wir uns selber im Weg, wenn wir uns künstlich
> kleinmachen.

Dein Statement ist sehr richtig, aber man sollte es einerseits erweitern als auch konkretisieren. Es geht an sich nicht darum, welche Fraktion (Autoren, Redakteure, Grafiker, Kritiker, Verlage etc. pp.) innerhalb der Szene mehr Gewicht bekommt bzw. welche Fraktion wir an die Öffentlichkeit tragen. Es geht vielmehr darum, dass alle Fraktionen sich einig sind, dass wir etwas an die Öffentlichkeit tragen - und was es sein soll. Wir brauchen sicherlich das innere Regulativ, dass wir uns gegenseitig etwas begutachten, bemosern und über uns selbst lästern, um uns weiterzuentwickeln.

Unser Problem ist allerdings, dass wir genau das - oft unbewusst - auch nach außen tragen, damit zerfahren auftreten und selbst die besten Produkte in den Sand setzen. Das Problem des "Kleinmachens" haben wir deshalb m. E. nicht darin, dass einzelnen Personen oder Gruppen das Selbstvertrauen bzw. die Fähigkeit fehlt, "zum Spiel an sich" zu stehen, sondern eher darin, dass wir uns allzuoft gegenseitig die Kompetenzen dazu abstreiten bzw. - wirtschaftlich betrachtet - teils sinnlose Regalplatzkämpe führen.

Wir können uns sicher weiter damit trösten, wirtschaftlich noch in bester Gesellschaft zu sein (und notfalls Produktionsressourcen nach China oder Tschechien auslagern zu können), aber für eine weltweit anerkannte Einzigartigkeit wie unserer Spieleszene bröckelt uns doch ein bisschen zuviel substanzieller Boden weg. Wir haben (noch) genug Talente, genug Nachwuchs, um zu überleben - was nicht jeder Branche vergönnt ist - nur zermahlen wir sie in Grabenkämpfen. Und vielleicht hat genau deshalb bald keiner mehr Lust, irgendwas an Ideen beizusteuern, wenn er anderswo eine Familie bei gleichem Ärger besser ernähren kann. Das ist, in meinen Augen, das, womit wir uns wirklich im Wege stehen.

Ciao,
Roman

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Peter Gustav Bartschat

[OT] Flotte Buchautoren, fiktive Buchautoren

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 30. Juni 2005, 06:32

Franz-Benno Delonge schrieb:
> Kein Buchautor könnte fünf oder gar
> zehn Werke pro Jahr publizieren.

Hierzu möchte ich - weil´s ja zufällig das Gebiet ist, in dem ich meine Brötchen (bzw. Semmeln, wie man in meiner Wahlheimat sagt) verdiene - ein paar Punkte ergänzen:

1. Fünf Bücher pro Jahr sind für einen hauptberuflichen Autor eine realistische und erreichbare Größe. Dass meist weniger neue Bücher eines Autors pro Jahr veröffentlicht werden, hat folgende Gründe:

1.1. Die meisten Buchautoren (und zumindest da haben wir eine klare Parallele zu den Spielautoren) schreiben "nebenbei", also in ihrer Freizeit und zusätzlich zu einem Hauptberuf. Das bedeutet wiederum, dass Autoren überwiegend aus Berufsgruppen stammen, in denen man entweder viel Freizeit hat oder zumindest die Möglichkeit, sich seine Arbeitszeit weitgehend frei einzuteilen. Aber selbst Lehrer, die eine große Gruppe unter den Autoren stellen, haben natürlich insgesamt nur einen geringen Teil ihrer potenziellen Zeit wirklich zum Schreiben zur Verfügung, so dass die Anzahl der tatsächlich pro Jahr fertiggestellten Manuskripte sich in Grenzen hält.

1.2. Es gibt eine fest verwurzelte Vorstellung bei den Buchverlagen, dass das Publikum nicht mehr als ein oder zwei Bücher eines Autors pro Jahr kaufen würde. Darum benutzen Autoren, die mehr pro Jahr schreiben, ein oder mehrere Pseudonyme, unter denen sie einen Teil ihrer Arbeiten veröffentlichen. Der einzige dieser Fälle, der einigermaßen populär geworden ist, ist der Fall mit den Büchern eines gewissen Richard Bachmann, der in Wirklichkeit Stephen King war. Tatsächlich sind diese Fälle aber überhaupt keine Seltenheit; auch wenn man viele davon in der Branche kennt, plaudert man sie natürlich nicht aus. Hingewiesen sei daher hier nur auf zwei historische Fälle, die heute kein Geheimnis mehr sind: Agatha Christie hatte eine komplette Parallel-Karriere unter dem Namen Mary Westmacott mit romantischen Frauenromanen, Karl May schrieb unter wechsenden Pseudonymen (z.B. Ramon Diaz de la Escosura) eine schier unendliche Menge an romantischen Schnulzen, erheblich mehr, als er je an Reiseabenteuern verfasste.

2. Es gibt - und auch das ist nicht so selten, wie "Otto Durchschnittsleser" glaubt - ganze Autoren-Teams, die gemeinsam Bücher schreiben, die dann unter anderen Namen veröffentlicht werden.

2.1. Meist passiert das, wenn ein Autor nach einem guten Start, der ihm eine gewisse Popularität verschaffte, überhaupt nicht oder nicht in angemessener Qualität weitermachen kann. Früher waren diese Fälle die wirklich am besten gehüteten Geheimnisse der Branche, inzwischen sind immer wieder einige davon bekannt geworden, so dass die eigentlich ungenannten Co-Autoren (die Presse nennt sie "Ghostwriter", in der Branche sagt man umgangssprachlich meist "Neger") bei späteren Auflagen manchmal klein unter dem Names des populären Autors genannt werden. Bei angeblichen "Autobiographien" von Prominenten macht man das jetzt oft gleich von Anfang an.

2.1.1. Alexandre Dumas der Ältere begann seine Karriere als ungenannter Co-Autor für verschiedene Boulevardtheater-Autoren. Später beschäftigte er selbst ein ganzes Team von Co-Autoren, die zum Teil Spezialisten für bestimmte Aspekte (z.B. Ortsbeschreibungen) waren. Namentlich bekannt aus diesem Team ist u.a. Auguste Maquet, der große Teile von "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo" für Dumas schrieb.

2.2. Es gibt aber auch Autoren, die gibt´s gar nicht - und zwar von Anfang an nicht. Dazu gehört der fleißige Krimi-Autor Ellery Queen, dessen Bücher und Kurzgeschichten anfangs abwechselnd von Frederic Dannay und Manfred Lee geschrieben wurden; nach Lees Tod kamen wechselnde Autoren dazu.

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Was sagt uns das nun eigentlich?

Abgesehen davon, dass ich ein bisschen aus der Schule geplaudert habe, sagt es uns, dass die tatsächliche Beziehung zwischen Autoren und Werken eine ganz andere sein kann, als die Öffentlichkeit vermutet.

Sollte die Verbreitung von Autoren-Namen in der Spielbranche dem Medium Spiel nützen, dann habe ich überhaupt nichts dagegen. Ob dadurch aber mehr Information über Spiele an die Öffentlichkeit getragen würde, scheint mir fraglich, denn ich vermute, dass dann etwa folgendes passieren würde:

- Reiner Knizia müsste die meisten Spiele unter Pseudonymen zu veröffentlichen, und nicht mehr als ein Spiel pro Jahr erschiene unter seinem Namen.

- Autorenteams, die heute in Einzelfällen bewusst leicht durchschaubare Pseudonyme wie "Kara Ben Hering" benutzen, würden dem Publikum fiktive Einzelautoren vorspielen müssen, für die vielleicht sogar komplette Biografien erfunden würden.

Insgesamt, vermute ich mal, wäre die Welt auch dann immer noch dieselbe, die sie heute ist. Aber wer weiß das schon?

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Roman Pelek

Gar nicht [OT]: Pseudonyme

Beitragvon Roman Pelek » 30. Juni 2005, 13:39

Hi Gustav,

vorab herzlichsten Dank für dieses "Nähkästchen" - das waren in der Tat Überlegungen, die bislang vollkommen fehlten. Ich persönlich find's schön, dass man auch hier im Forum ernsthaft über Grundsatzfragen diskutieren kann - wenn man nur will :-) Damit straft das Forum einige Kritiker Lügen, was ich nicht sonderlich schade finde :-))

Peter Gustav Bartschat schrieb:

> Abgesehen davon, dass ich ein bisschen aus der Schule
> geplaudert habe, sagt es uns, dass die tatsächliche Beziehung
> zwischen Autoren und Werken eine ganz andere sein kann, als
> die Öffentlichkeit vermutet.

Bzw. werden wir - wie in anderen Branchen - eine andere daraus machen (teils auch machen müssen). Auf jeden Fall ist bedenkenswert, dass man mit einem "Mehr an Prominenz" immer Seiteneffekte auf den Plan ruft. Und da muss man ganz klar abwägen: "Was will ich haben und was nicht". Ein reines Wunschkonzert ist das Leben leider nur allzu selten *seufz*

> Sollte die Verbreitung von Autoren-Namen in der Spielbranche
> dem Medium Spiel nützen, dann habe ich überhaupt nichts
> dagegen. Ob dadurch aber mehr Information über Spiele an die
> Öffentlichkeit getragen würde, scheint mir fraglich, denn ich
> vermute, dass dann etwa folgendes passieren würde:
>
> - Reiner Knizia müsste die meisten Spiele unter Pseudonymen
> zu veröffentlichen, und nicht mehr als ein Spiel pro Jahr
> erschiene unter seinem Namen.

Reiner wäre sicher der erste, ja. Auch wenn seine Spiele nicht jeder mag: wir haben derzeit keinen verlässlicheren und vielseitigen Autoren als ihn. Ich zumindest könnte keinen anderen Autoren der Szene benennen, der sich so offenkundig weiterentwickelt und ständig selbst neu erfindet, auch wenn er bei seinem Output zwischenzeitlich auch mal gestandenen Mist drunter hat - wo gehobelt wird, fallen halt auch mal Späne.

Andererseits könnte ihm ein Pseudonym auch zum Vorteil gereichen: nämlich die reichlich stereotypen Stigmata abzuschütteln, die seiner Arbeit immer noch anhängen, ihm aber längst nicht mehr gerecht werden. Und ich wette meine Altersvorsorge darauf, dass es die meisten mittlerweile nicht mehr merken würden, wenn ihnen ein Knizia unter anderem Namen untergejubelt werden würde ;-)

> - Autorenteams, die heute in Einzelfällen bewusst leicht
> durchschaubare Pseudonyme wie "Kara Ben Hering" benutzen,
> würden dem Publikum fiktive Einzelautoren vorspielen müssen,
> für die vielleicht sogar komplette Biografien erfunden würden.

Sehr richtig. Derzeit gereichen Pseudonyme primär der Spaßbringung der Erfinder und Beobachter. Aber ich zweifle nicht daran, dass wir notfalls den Schalter auch ganz spontan von "Spaß" auf "Ernst" schalten können. Ich habe diese Ereignisse eh als Hinweis gedeutet: "Hey, Jungs und Mädels, wenn wir wollen, können wir das auch in richtig. Dann erzählen wir's euch einfach nicht, und dann schaumermal, was passiert."

Auch ich habe des öfteren mit diesem Gedanken (Pseudonym) gespielt, ihn aber verworfen, weil ich mir dachte: "Okay, mit dem was Du tust, machst Du Dich zwischenzeitlich durchaus sehr angreifbar. Langfristig schadet es aber nicht, wenn jeder weiß, dass Du viele Spielchen mal namentlich mitgespielt hast.". Das ist eigentlich auch der einzige Grund, warum ich (und einige andere) hier noch öffentlich unter Realnamen schreiben: die vage Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es durchaus noch Leute gibt, die konstruktiv mitarbeiten möchten - und dass die Nachteile hoffentlich die Vorteile aufwiegen. Sicher bin ich mir bei letzterem Punkt auch nicht, aber wenn ich mir schon nicht sicher bin, kann ich wenigstens ehrlich sein - die Ehrlichkeit geht uns im Leben mittlerweile allzu oft verlustig, weil wir alle um unsere Pfründe kämpfen müssen.

> Insgesamt, vermute ich mal, wäre die Welt auch dann immer
> noch dieselbe, die sie heute ist. Aber wer weiß das schon?

Wenn das Früchte trägt, was Du gedanklich als Option durchspielst, wäre unsere Welt sicher deutlich verlogener. Am Inhalt würde es vermutlich wenig ändern, aber der Umgang miteinander wäre empfindlich anders. Wir würden von ehrlichen Statements (wie z. B. von Marcel-André oder Franz-Benno) hinüberdriften in eine Welt, die mehr von anonymen "Ankotzereien" geprägt wäre, die kein Außenstehender mehr versteht.

Ich schätze es rein menschlich sehr hoch ein, dass Marcel und Benno hier Charakter beweisen und sich öffentlich bekennen. Beide haben es nicht nötig und könnten andere Wege gehen. Ich persönlich bin sehr froh, dass ich mich mit ihnen hier noch öffentlich streiten kann, so dass es jeder sieht und jeder die Chance hat, sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen.

Es gibt zu viele "elitäre" Kreise in der Szene. Und dass wir mittlerweile auf's Riff gelaufen sind und deutlich Schlagseite zeigen, belegt nicht unbedingt, dass dieser Ansatz zu einer Problemlösung führt. Stille Kämmerlein sind sehr geeignet, um persönliche Gedanken vorzusortieren, aber ein sehr schlechtes Medium, um diese zu transportieren.

Ciao,
Roman

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Franz-Benno Delonge

Aus dem Nähkästchen des Bären

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 30. Juni 2005, 13:44

Hallo Herr Bär,
da sieh mal einer an!
Ich hatte dich ja immer schon im Verdacht, daß du den Großteil deiner Werke unter den wechselnden Pseudonymen "Henning Mankell", "Gustavo Coelho" und "Joanne Rowling" unters Volk bringst. Aber das mache ich ja mit meinen Alter-Egos "Wolfgang Kramer", "Klaus Teuber" und "Alan Moon" ganz ähnlich.
Mit kollegialen Grüßen
Benno

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Peter Gustav Bartschat

Re: Aus dem Nähkästchen des Bären

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 30. Juni 2005, 14:43

Die höchsten Auflagen hatte ich allerdings unter meinem Pseudonym "Zweckform".

Liebe Grüße
Gustav

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der drei

Re: Marke <-> Menschen

Beitragvon der drei » 30. Juni 2005, 21:34

Ich habe damit so meine Probleme. Für mich sollte immer das Werk im Vordergrund stehen und nicht deren Schöpfer. Es kann nämlich dahin kommen, dass der Autor gern gemocht wird, aber nicht dessen Spiele und Produktionen. So entstehen Promis, wo man nicht weiß, was die eigentlich machen.

Ganz ehrlich, ich würde mir manchmal wünschen, die Personenkult in anderen Medien tritt etwas zurück und dagegen kommen wieder Aussagen, Theorien, Gedanken und Geschichten mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

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Heinrich Tegethoff

Re: Personenkult - meilenweit entfernt!?

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 30. Juni 2005, 22:09

Hallo "der drei",

im Prinzip hast Du sehr wohl recht: dies ist ein von Roman angesprochener
negativer Nebeneffekt, eben der Personenkult jenseits der Leistung.

Aber dieser trifft auch nur auf Bereiche zu, die im Zentrum öffentlichen
Interesses sind. Davon sind wir weit entfernt, und wir wollen hier in
der Diskussion das Thema Spiel ja überhaft erst einmal ernsthaft in
die Öffentlichkeit rücken. Ich mache mir noch keine Sorgen darüber,
und selbst bei 10fach gestiegenen Absatzzahlen wäre noch nicht der
Personenkult erreicht. Aber eine beständige Präsenz in den Medien.
Ob dann nur noch der Autor da steht und weniger sein Werk (Spiel),
ist jetzt nur - aber berechtigte - Spekulation.

Servus,
Heinz (der sich unwillkürlich an sein Auflauern auf einen Spieleautor
erinnert, welcher angekündigt zum Spieletreff kam, und dann dieses
"Komm, Leo, einmal wie ein Popstar fühlen!" - und drückte Stift und Spiel
in die Hand. Tja, wir lachten beide, aber die dann signierten SJ und PR
"thronen" heute im Vorzugsregal... -- bin ich schon soweit?
Vielleicht, denn Leo lacht jedesmal, wenn er mich sieht)


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