Beitragvon Martin » 27. Juli 2005, 10:49
Ich denke, daß es durchaus Spiele des Jahres gibt, die heute überholt oder sogar vergessen sind. Beispiele: Wer kennt / spielt z.B. noch Drunter & Drüber, Heimlich & Co., Um Reifenbreite, Barbarossa oder Adel verpflichtet? Aber selbst die Sieder von Catan sind in meinem Augen (und denen meiner Mitspieler) schon wieder veraltet; ich sehe dieses Spiel mittlerweile als Klassiker an, ähnlich wie Monopoly, der einen Meilenstein in seiner Zeit darstellte, gut geeignet auch für Spielanfänger (z.B. Kinder), aber für Vielspieler überholt.
Ich glaube nicht, daß King Arthur eine Tendenz darstellt. Das mag daran liegen, daß ich es furchtbar langweilig fand, oder auch daran, daß es in seiner Art nicht neu war. Es gab in den 80er Jahren mal ein Spiel namens Atlantis, das bereits einen integrierten Computer hatte, das einige Ähnlichkeiten zu King Arthur hat (habe ich übrigens gestern für 200 Euro auf ebay gesehen).
Eher denke ich, wie es auch schon in anderen Beiträgen gesagt wurde, daß Genres und Mechanismen weiter ausgefeilt werden. Als Beispiel für die Optimierung eines Genres sei Wallenstein genannt, das sich in zwei Stunden spielt, aber die ganze Spannung, schwierigen Entscheidungen und Konflikte eines Kriegsspiels wie Axis & Allies oder Twilight Imperium bietet, das in früheren Zeiten locker 4 Stunden gedauert hätte. Ein Beispiel für die Optimierung von Mechanismen sehe ich z.B. in der flexiblen Rollenverteilung, der aus Verräter (oder war es Meuterer?) stammt und dann in Ohne Furcht und Adel, Puerto Rico und Twilight Imperium 3 aufgenommen wurde.
Ich glaube nicht, daß es eine engere Verstrickung von Brettspielen und Computerspielen geben wird. Wenn man weiterspinnt, wie so etwas aussehen könnte, fällt mir folgendes ein:
- Der Computer steht mit am Tisch und übernimmt Verwaltungsaufgaben; sehr unpraktisch, wer hat schon den PC neben dem Spieltisch stehen?
- Die Idee von Atlantis oder King Arthur, in dem der Computer ins Spiel mit eingebaut wird, leidet im Moment noch an der schlechten Sprachausgabe und der unpraktischen Benutzerführung. Verbessert man diese, wird das Spiel evtl. wesentlich teurer
- Vielleicht hat sogar jeder irgendwann ein kleines Display vor sich; dann artet das Ganze wie eine LAN-Party aus, wo sich zwar viele Leute treffen, aber nicht miteinander reden - der genaue Gegensatz zu einem Brettspiel also.
Im übrigen gab es in den 80ern noch ein Hybrid-Spiel namens Robot Rascals. In diesem Spiel wurden im Brettspielteil Aufgaben verteilt, so daß man etwas suchen mußte. Die Suche erfolgte dann auf dem Computer (einem C64), wo man seine Figur über ein Spielfeld führte. Soweit ich weiß, war das Spiel nicht sonderlich erfolgreich, und das Brettspiel wurde auch hauptsächlich hinzugefügt, um es den Raubkopierern schwerer zu machen.
Natürlich hoffe ich auch auf Innovationen, aber wenn ich wüßte, wie die aussehen, hätte ich sie schon längst selbst entworfen ;)