Beitragvon Joshua » 16. September 2005, 09:54
Hallo Rogo,
Ohne jetzt (noch dazu so kurz vor dem am Sonntag auf uns alle wartenden Großereignis) den deutschen Standort in Frage stellen zu wollen, aber was genau ist so schlimm daran, wenn ein Spiel in China produziert wird? Der Verlag ist amerikanisch, so daß man eine deutsche Fertigung von ihm wohl sowieso nicht erwarten dürfte.
Wie du ja selber anmerkst, wären die Kosten gegebenenfalls doppelt so hoch, was ja ohne Zweifel bei einem solchen Projekt bedeuten würde, daß es gar nicht produziert würde. Insofern reden wir im konkreten Fall mit ziemlicher Sicherheit also über eine kostengünstige China-Lösung mit, meiner subjektiven Meinung nach, beachtenswerten Ergebnis und der Alternative des Verzichts auf das gesammte Spiel (ich unterstelle jetzt einfach mal, daß ein Dungeoncrawler nur mit Pappmarkern keine echte Alternative darstellt).
Im übrigen gibt es ja neuere Beispiele wie z.B. die beiden aktuellen Alea Neuheiten, die eben auch nicht mehr in Deutschland gefertigt werden. Ich finde beide was die Preis-Leistung, genauso wie das Spiel selber, angeht vollkommen in Ordnung, die Materialqualität allerdings bleibt meilenweit hinter dem zurück, was ich von deutschen Produkten, wie auch vonden chinesisch produzierten Amerikanischen gewohnt bin.
Die Brettspielwelt wird genausowenig eine Insel in der globalen Wirtschaft darstellen, wie alle anderen Zweige auch, und auch hier werden Produzenten, die dies glauben über kurz oder lang sicherlich eines besseren belehrt werden. Das heisst aber nicht automatisch, daß Produktion im Ausland auch kostengünstiger UND besser sein muß, denn ich denke schon, daß die deutsche Produktionsqualität in den letzten Jahren nicht nur einen Standard gesetzt hat, sondern auch zu einem erheblichen Teil zum nachhaltigen Erfolg des Hobbys Brettspielen beigetragen hat. Aber wenn Spritzguss in China billiger ist (meines Wissens ist hier auch auf dem Baltikum ein guter Preis zu erzielen, nur damit China nicht als einzige Alternative dasteht), wenn man dort bemalte Miniaturen zum Preis von europäisch produzierten unbemalten bekommen kann, so what? Ich möchte weiterhin solche Monster wie Twilight Imperium 3rd Edition, Descent oder das angekündigte World of Warcraft auf den Tisch bekommen, und ja, ich habe dabei auch eine klare Schmerzgrenze was den Preis angeht.
Ich darf zum versöhnlichen Abschluß hinzufügen, daß ich sowohl TomTube, als auch Lost Valley mein Eigen nenne und bei beiden Materialqualität und -umfang als ausgesprochen gut bezeichnen würde. Ich hoffe selbstverständlich auch, daß möglichst viele Hersteller sich den hiesigen Qualitätsstandard (Ludofakt?) als Messlatte nehmen und man nicht eine Rückwärtsbewegung wie bei Louis XIV. oder noch deutlicher bei den letzten Goldsieber Veröffentlichungen in Gang setzt.
Gruß Joshua