Beitragvon Mac » 1. November 2005, 16:48
Hallo Ralf,
das ist ne Menge Holz, ich will mal eine Antwort versuchen.
1. Antike ist ja ein Spiel um Persönlichkeiten, nicht um Territorien.
Die Frage ist also: Wie komme ich am schnellsten zu Siegpunkten?
- der erste König kostet 6 Ressourcen (2 Städte mit 2 von jeder Sorte gründen)
- der zweite König kostet schon 15 Ressourcen PLUS genügend Militäreinheiten PLUS Zeit, um diese in Position zu bringen (Zeit ist Geld: In der gleichen Zeit könnte man auch andere Ressourcen produzieren)
- dagegen kosten ein einfacher Fortschritt nur 7 Ressourcen (Gold)
- ein höherer Fortschritt kostet 10 Ressourcen (Gold)
- Ein Seefahrer kostet 7 Ressourcen (Galeeren) plus evtl. Zeit zum Umherziehen, wenn man keine 7 Hafenstädte zum Aufstellen hat.
- Ein Bürger kostet zwar auch 15 Ressourcen (Marmor für 3 Tempel), ist aber immer noch billiger als der zweite König, denn er kostet weniger Züge (und gibt einer Stadt auch noch einen Verteidigungsbonus und höhere Rüstungskapazität)
Hinzu kommt: Wie kann man am schnellsten wachsen?
Mit einer Investition von 15 Ressourcen in Tempel wächst die Produktion um 6, mit einer Investition von 15 Ressourcen in das Gründen neuer Städte nur um 5.
FAZIT: Die territoriale Ausbreitung mit dem Gründen von Städten ist die LANGSAMSTE Art und Weise, zu Siegpunkten zu kommen! Jemand, der versucht, ZUERST möglichst viele Städte zu haben, und DANACH die anderen Persönlichkeiten zu bekommen, spielt suboptimal und wird vermutlich gegen erfahrene Spieler verlieren. Anders sieht es natürlich aus, wenn ALLE Völker diese gleiche (suboptimale) Strategie verfolgen, dann könnte ich mir eine Situation wie von Dir geschildert gut vorstelllen. Ich kenne natürlich die von Euch verfolgten Strategien nicht, wie war es bei Euch?
Wie war es in unseren Testrunden? Hier ist es oft vorgekommen, dass zum Schluss noch unbesiedelte Städte und auch Könige übrig geblieben sind. Und wer zuerst alle 8 Fortschritte hat, der kann plötzlich mit seinem gesamten Gold und Marmor rüsten und ist dazu auch noch sehr gut beweglich. Da ist es schwer gegenzuhalten!
2. Deine zweite Frage: Ist ein Volk in der Mitte im Nachteil oder im Vorteil?
Natürlich hat ein Volk in der Mitte mehr Nachbarn und kann daher öfter bedroht werden. Ein Volk in der Mitte wird daher vermutlich häufiger eine militärische Strategie verfolgen.
Aber die Mitte hat auch Vorteile:
- Beim Ausbreiten hat das zentrale Volk mehr Optionen. Jemand, der am Rand sitzt, und sich z.B. auf Gold spezialisieren möchte, hat einfach weniger Goldstädte in Reichweite. (Spezialisierung auf ein oder zwei Ressourcen ist aber das A und O: Produktionszüge einer Ressource, von der man jeweils am wenigsten produziert, sollte man getrost auslassen, damit man im Durchschnitt einfach mehr produzieren kann. Städte mit einer Ressource, die man nicht braucht, sollte man nur im Notfall gründen. Und wenn man sich z.B. auf Marmor konzentriert, wird man auch schneller 15 Marmor zusammenhaben (für einen Bürger) als 15 Ressourcen aus drei Sorten (für einen zweiten oder dritten König), d.h. Spezialisierung fördert das Wachstum zusätzlich)
- In der Endphase kommt es darauf an, feindliche Tempel in Reichweite zu haben, die man zerstören kann. Da ist ein Volk in der Mitte dann deutlich im Vorteil.
Ich persönlich spiele daher lieber mit einem zentralen Volk. Für mich ist es ein wenig mit Schach vergleichbar, wo auch die Figuren am stärksten sind, die in der Mitte stehen. Ich bin mir aber offen gestanden nicht sicher, ob ein zentrales Volk tatsächlich stärker ist, oder ob ich das nur so empfinde?
Z.B. in meinem letzten Spiel (deutsche Seite): Da war Griechenland angegriffen worden und hatte nur noch drei Städte übrig, aber hätte das Spiel um ein Haar trotzdem gewonnen, wenn der Karthager nicht aufgepasst hätte. Ich selbst stand als Phönizier sicher in der Ecke, war aber im Hinblick auf Persönlichkeiten weit abgeschlagen!
3. Bin ich gezwungen gegenzuhalten, wenn der Gegner alles auf Angriff setzt?
Das muss nicht notwendigerweise so sein. In der Endphase braucht man vielleicht nur noch ein bis zwei Persönlichkeiten. Da kann man völlig lockerbleiben, wenn der Gegner einem Städte ohne Tempel abnimmt, solange man gleichzeitig an eigenen Siegpunkten basteln kann. Den Bau von Tempeln für Bürger oder von Galeeren für Seefahrer oder die Produktion von Gold für Gelehrte wird man oft ungerührt fortsetzen können. Städten mit Ressourcen, auf die ich mich nicht konzentriere, weine ich keine Träne nach, ich würde diese Stadt ohnehin nicht produzieren lassen, so what? Als ich das letzte Mal gewann, war ich regelrecht dankbar, dass sich mein Gegner an meinen eigenen Städten aufgerieben hatte. Danach konnte ich einen schnellen Gegenschlag starten und stand in zwei Manöverzügen plötzlich im Zentrum seines Gebietes, wo 4 Tempel = 4 Siegpunkte lockten. Hätte ich den Fehler gemacht, seine Frontstädte zu erobern, statt nur an ihnen vorbeizuziehen, hätte ich nicht gewinnen können! Er konnte seine Tempel nicht mehr alle gleichzeitig verteidigen. Während meiner beiden Manöverzüge hatte er nur die Wahl, entweder viele Militäreinheiten zu rüsten (und sie danach nicht mehr zum Abtausch bewegen zu können), oder die wenigen vorhandenen zu bewegen (was zahlenmäßig nicht ausreichte). Da nützte es auch nichts mehr, dass er eigentlich mehr Eisen produzieren konnte als ich. Im Hinblick darauf hast Du völlig recht, dass das timing ziemlich wichtig ist!
Meine Empfehlung für die Kriegsführung lautet daher: Den Gegner totlaufen lassen, und dann im rechten Moment (wenn er gerade kein Eisen hat oder nicht auf das Rüstungsfeld kommt) mit schnellen Schlägen beherzt in seinem Zentrum zupacken. Und vor allen Dingen keine Zeit und Ressourcen damit verschwenden, Städte ohne Tempel zu erobern (es sei denn, der Gegner hat noch keine Verteidigungsfortschritte, aber gegen Demokratie ist mir das einfach zu teuer.
Allenfalls im Einzelfall, wenn nur noch eine Stadt zum König fehlt.)
Ein starrer Frontenkrieg führt in der Tat zu nichts.
Vielleicht helfen diese Überlegungen ein wenig?
Gruß
Mac