Anzeige

Preisentwicklung

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Bernd

Preisentwicklung

Beitragvon Bernd » 2. November 2005, 16:13

Hallo,

mir sind in Essen die Spielepreise (Geld) aufgefallen.
Nachdem es in den letzten Jahren (Jahrzehnten) bei Spielen kaum eine Preiserhöhung gab, wurde mir diese Tatsache in Essen doch ziemlich bewußt (oder habe ich das in den letzten Jahren nur erfolgreich ignoriert?)

Große Spiele waren fast nicht mehr unter 30 Euro zu haben. Dabei war die unterschiedliche Ausstattung auffällig. Kartenspiele meist um die 8 - 10 Euro (wobei die Ausstattung kein Maßstab für den Preis zu schein schien.) :)

Besonders bitter "fühlte" sich die Preiserhöhung im Vergleich zu den reduzierten Spielen an. Da wurden große Spiele (aus dem Vorjahr) für 10 Euro oder weniger verramscht :(
Oft habe ich solche Kommentare gehört: "Nee, für 25 Euro kauf ich mir das nicht - lass uns lieber bei den Angeboten schauen).

Wo sind euch besonders positive bzw. negative Beispiele aufgefalle.

Positiv war für mich "Sheer Panic". Super tolle Figuren unter 20 Euro.
Auch die Arche von Doris&Frank ist mir positiv im Gedächtnis geblieben.
Negativ ist mir "Indonesia" aufgefallen. Über 60 Euro für einen Spielplan und Counter.

Wobei ich wirklich nur die Ausstattung und nicht den Spielspaß als Maßstab nehme.

Gruß

Bernd
PS:
Bedrohlich finde ich den Preisunterschied zwischen Neuheiten und Angebote.
Ich befürchte, dass diese Entwicklung auf die Dauer den Spielemarkt schädigt.
Wer (außer uns Spielefreaks) kauft schon ein Spiel für 30 Euro, wenn er ein vergleichbares reduziertes Spiel für 10 Euro bekommt?
Aus Verlagsseite kann ich mir fast nicht vorstellen, dass die reduzierten Spiele kostendeckend angeboten werden (und wenn doch, fühle ich mich als Kunde - der ein Jahr zuvor 30 Euro gezahlt hat - doch ein wenig "verarscht")

Benutzeravatar
Bernd Schlüter

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Bernd Schlüter » 2. November 2005, 16:48

Hallo Namensvetter,

bei den Spielen "großer deutscher Hersteller" ist mir ehrlich gesagt keine Preissteigerung aufgefallen! Elasund habe ich für 20 Euro gesehen, ebenso Hazienda und Helden in der Unterwelt.

Es gab allerdings große Preisspannen. So habe ich z.B. Drachenreiter für 25 Euro gekauft, hätte es aber auch für 33 Euro haben können :-) Man muss halt Ruhe bewahren und Preise vergleichen.

Spiele von Kleinverlagen sind immer "etwas teurer", wobei ich z.B. den Preis von Antike als angemessen, wenn nicht sogar günstig, bezeichnen würde.

"Komisch" fand ich lediglich die Preisvorstellungen einiger amerikanischer Verlage, die für Ihre Spiele Euro=Dollar haben wollten. Naja, da wartet man dann ein paar Wochen und bekommt sie im Versandhandel signifikant günstiger...

Bernd
(Muss sich bzgl. Regalpreisen informieren)

Benutzeravatar
peer

Re: Preisentwicklung

Beitragvon peer » 2. November 2005, 18:30

Hi,
gerade dieses Jahr fand ich die Preisgestaltung sehr verwirrend:
Marquis in einer Holzbox für nur knapp über 20 EUR (Kommentar von diversen Kleinverlegern: "Wie schaffen die das nur?") , Shear Panic mit diesen toll modulierten Schafen sogar für knapp 20 auf der einen Seite...

... und auf der anderen Seite dann so Spiele wie Daymos (40 EUR) und im Prinzip auch Caylus (30), Cash & Guns (35) und Indonesia (60).

Sagte ich bei ersteren "Man das ist ja endlich wieder günstig (Doris und Frank, Cwaliund Gigfantoskop diesmal* übrigens auch), fand ich letztere recht teuer - zumindest im Vergleich. Bei Daymos und Indionesia hat der Preis trotz guter Kritiken (bei daymus) bzw. Eindruckes (bei Indonesia) mich davon abhalten mich in irgendeinerweise mit dem Spiel zu beshäftigen.

Insofern: Es war schon ein diffuses Bild in Essen - die Preisgestaltung bleibt unberechenbar.

ciao
peer

* das "diesmal" bezog sich auf Gigantoskop die ich letztes Jahr unverhältnismässig teuer fand.

Benutzeravatar
TRH
Kennerspieler
Beiträge: 647

[OT] Kartenmenge

Beitragvon TRH » 2. November 2005, 19:46

peer schrieb:

> * das "diesmal" bezog sich auf Gigantoskop die ich letztes
> Jahr unverhältnismässig teuer fand.

Moin!

Naja, letztes Jahr gabs doppelt soviel Karten zum knapp doppelt so hohen Preis. So gesehen sehe ich nicht so einen drastischen Unterschied (gut: dieses Jahr gabs noch die Goldmünzen dabei, aber da die nicht aus echtem Gold sind, wirds wohl nicht sooo entscheidend sein ;-) ).

Gruß Tom
der sowohl in diesem als auch im letzten Jahr bei Gigantoskop eingekauft hat und sich auch über die diesjährigen 8 Euro gefreut hat.

Benutzeravatar
Gerd Hebbinghaus

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Gerd Hebbinghaus » 2. November 2005, 20:20

Hallo
Mich wundert das Preis / Austattungsverhältnis bei Big Kini und Antike.
Beide Spiele gefallen mir sehr gut, und sind damit ihr Geld wert, aber wenn ich das Material vergleiche....

Antike - 38,- € (35,- im Versandhandel)

Spielmaterial für 6 Spieler:
410 große Holzteile (Häuser, Tempel, Schiffe, Scheiben, Spielsteine),
über 100 Pappmünzen,
47 Karten,
1 doppelseitiger farbiger Spielplan ca. 80x50 cm,
4 Kurzregeln,
1 Regelheft,
1 Infoheft mit 30 Seiten.

Big Kini 2-4 Spieler - 28,95 € + Erweiterung - 9,95 €

Spielmaterial für 4 Spieler:
80 kleine Holzwürfel,
9 Holzsteine,
2 (?) Startspielerplättchen,
18 Hexfelder,
4 Infokärtchen,
16 runde Pappmarker,
45 mini Pappmarker,
75 Geldscheine,
1 Spielplan 20x15 cm,
1 Regel.

Wenn ich davon ausgehe, das der Preis für Big Kini eine Kleinauflage (?) noch ok ist, frage ich mich nur wie sich dann die Ausstattung bei Antike für den Verlag rechnet??

Antike Grüße
Gerd

Benutzeravatar
Braz
Kennerspieler
Beiträge: 6431

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Braz » 2. November 2005, 21:38

Bernd schrieb:
> Negativ ist mir "Indonesia" aufgefallen. Über 60 Euro für
> einen Spielplan und Counter.
>
> Wobei ich wirklich nur die Ausstattung und nicht den
> Spielspaß als Maßstab nehme.


..das ist auch gut so, denn Indonesia zählt für mich zu den Messehighlights und wie schon Atti richtig schrieb ist das Spiel weitaus interaktiver als Roads`n Boats oder Antiquity.

Komisch bei Roads`n Boats oder Antiquity fanden die Leute den Preis zwar auch recht teuer, aber noch ok...wahrscheinlich wegen der großen Schachtel. Bei Indonesia hingegen ist ebenfalls sehr viel drinne, jedoch aufgrund des kleineren Spielplans ist die Verpackung eben komprimierter......

Nichts desto trotz gebe ich dir Recht, daß 60€ mE doch a`weng viel für ein solches Spiel an sich und solches sind, dennoch......ich find`s klasse und von daher hat sich die Kohle bei mir gerechnet.....zum Glück ;)


Gruß
Braz

Benutzeravatar
ferdinand köther

Re: Preisentwicklung

Beitragvon ferdinand köther » 2. November 2005, 22:12

Ein Thema, über das man endlos diskutieren kann ...

Ein ganz anderer Aspekt ist die Tatsache, daß viele Leute (viel viel viel zu viele mehr als solche, die Brettspiele kaufen) und vor allem auch Jugendliche ohne mit der Wimper zu zucken locker 40,-/50,- € und mehr für ein PC-oder Konsolenspiel ausgeben (erlebe ich befufsbedingt täglich zig- bis hundertfach) - um damit allein vor'm Gerät zu hocken, oder eventuell noch online Gebühren zu zahlen (WoW z. B.) und das Ding meist nach einmaligem Durchspielen in die Ecke zu stellen. Nix gegen digitale Spiele, auch da gibt es gute und spannende, keine Frage, aber zumindest für mich immer die zweite Wahl gegenüber einem "richtigen" Spiel (zum Glück werde ich selten vor diese Wahl gestellt).

Und wir, ich nehme mich da eigentlich gar nicht aus, meckern, wenn ein Spiel 30,- € oder mehr kostet, das man immer wieder mal spielt, in geselliger Runde, und viel Spaß dabei hat.

Wie kommt das? KA, ein seltsames Phänomen, vielleicht hat ja jemand darüber schon mal eine Dissertation geschrieben ...

Möglichst preiswerte (nicht billige!) Grüße ;-)
Ferdi

Benutzeravatar
Michael Weber

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Michael Weber » 2. November 2005, 22:25


Ich hatte dazu mal einen Beitrag geschrieben, der in den Grundzügen noch aktuell ist:
http://www.reich-der-spiele.de/specials/Preispolitik.php
Das Thema ist nicht so neu ...

Was man bei Spielen nicht machen sollte ist,
a) nur das Material zu bewerten. Es geht ja auch um die Spielidee, die idealerweise Spielspaß bedeutet!
b) die fixen Entstehungskosten zu vergessen. Siehe Diskussion um gefaltete Spielpläne usw.
c) den Verlagspreis (gerade kleiner Hersteller) mit denen von Händlern zu verwechseln. Verlage geben grundsätzlich teurer ab, als sie müssten, um dem Handel keine Konkurrenz zu machen (und bei der nächsten Order nicht berücksichtigt zu werden).
d) ein "Verramschen" auf den Verlag zu schieben. Meist geht es um Lagerräumung bei Händlern.
e) Preise unabhängig von der Auflage zu sehen. Eine kleine Auflage kann ein "schmales" Spiel teurer machen als ein reichhaltig ausgestattetes in großer Auflage.

Michael

Benutzeravatar
Roman Pelek

Preiswahrnehmung bei Brettspielen

Beitragvon Roman Pelek » 3. November 2005, 02:14

Hi Ferdi,

ferdinand köther schrieb:

> Ein ganz anderer Aspekt ist die Tatsache, daß viele Leute
> (viel viel viel zu viele mehr als solche, die Brettspiele
> kaufen) und vor allem auch Jugendliche ohne mit der Wimper zu
> zucken locker 40,-/50,- € und mehr für ein PC-oder
> Konsolenspiel ausgeben (erlebe ich befufsbedingt täglich zig-
[...]
> Und wir, ich nehme mich da eigentlich gar nicht aus, meckern,
> wenn ein Spiel 30,- € oder mehr kostet, das man immer wieder
> mal spielt, in geselliger Runde, und viel Spaß dabei hat.
>
> Wie kommt das? KA, ein seltsames Phänomen, vielleicht hat ja
> jemand darüber schon mal eine Dissertation geschrieben ...

Hm, ich glaube, es gibt eine Erklärung, die nicht unbedingt ein Psychologiestudium erfordert: bei digitalen Medien (Musik-CDs, Film-DVDs, Computer- oder Konsolenspiele hier als Beispiel) hat sich mittlerweile jeder dran gewöhnt, dass es

a) Nur einen lächerlichen Materialwert (derzeit meist Alu im Polycarbonatmantel, Centbereich) für's Geld und
b) Eine relativ homogene, verlässliche Preisgestaltung (ca. 15 Euro für CDs, 20-30 für DVDs, 40-50 für Computer/Konsolenspiele), unabhängig vom produktionstechnischen Aufwand dahinter

gibt.

Es existieren bei digitalen Unterhaltungsmedien beim Kauf schlichtweg kaum Kriterien, die vom Wesentlichen, also dem künstlerischen Inhalt und dem eigenen Gefallen daran ablenken. Oder präziser gesagt: hier kommt direkt die zweite Stufe zum Tragen, nämlich inwieweit der Inhalt mit Äußerlichkeiten glänzt, aber immerhin ist man dann schonmal beim eigentlichen Inhalt, der verkauft werden will, angelangt :-)

Bei Brettspielen ist das perfiderweise anders - da ist die Materialfülle und -beschaffenheit das erste, was zu Hause nach dem Öffnen der Schachtel als Reiz das menschliche Gehirn erreicht. Und die überwiegende Preisgestaltung in der Brettspielszene verleitet ja auch nachgerade dazu, solche Maßstäbe anzulegen, weil sie sich selbst in weiten Strecken daran orientieren muss, was "in der Schachtel liegt" (die "Luft in der Schachtel" bei einem anderen Spiel desselben Verlags ist dann halt der Tribut an die unabdingbare Mischkalkulation).

Und dieser Eindruck überlagert anscheinend dann halt häufig erstmal alle vermeintlich sekundären Tugenden, z. B.:

- Wieviel Spaß bringt das Spiel, wieviele Stunden verbringt man damit (und hier muss eigentlich die Spielzeit mit der Mitspieleranzahl multiplizieren, da ja nur einer pro Runde ein Exemplar des Spiels braucht, ganz im Gegensatz zur weit überwiegenden Nutzung von CDs, DVDs, Computer-/Konsolenspielen)?
- Wieviel Entwicklungsaufwand seitens Autor(en)/Redaktion steckt hinter der Spielidee?
- Wie ansprechend und zugleich spieldienlich ist die grafische Präsentation geraten?
- Wie sauber ist die Spielanleitung ausgearbeitet?

Deswegen erscheinen Brettspiele m. E. auch so teuer: weil man sie im öffentlichen und selbst szeneinternen Bewusstsein im "im Kilo" verkauft, während andere Branchen, die Inhalte, Ideen vermarkten, sich schon seit langem davon lösen (und seitdem auch noch mehr dafür verlangen) konnten. Wobei eines zudem fast jedes Mal vergessen wird: für jedes der anderen Medien bedarf es einer separaten (kostspielige) Abspielplattform, wir liefern sie bei jedem Spiel auch noch mit. Was Brettspiele eigentlich nur umso preiswerter erscheinen lassen müsste.

Das einzig wirklich Dämliche und Kostspielige für leidenschaftliche Hobbyisten oder gar Sammler wie uns ist eigentlich: genau deshalb nehmen 100 Brettspiele auch mehr (mietrelevanten) Raum ein als 1000 CDs, DVDs, Computerspiele plus Abspielplattform zusammen, was natürlich die Folgekosten wieder erhöht :-))

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Martin M.

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Martin M. » 3. November 2005, 09:00

Ich sehe es immer so: Was könnte ich für 30 Euro machen, anstatt mir ein Spiel zu kaufen?
- zweimal zusammen mit meiner Liebsten ins Kino gehen
- Einmal essen gehen (reicht evtl. nicht)
- zwei CD's kaufen
- zwei Bücher kaufen
- Einmal ins Konzert gehen etc.
- Ein Computerspiel kaufen

Da ich davon ausgehe, daß ich ein Spiel mehrmals spiele, habe ich daher viel mehr Nutzen von einem Spiel als von vielen anderen Freizeitmöglichkeiten. Ich spiele es normalerweise viel länger als ein Computerspiel - wenn ein Spiel gut ist, bleibt es bei mir bis zum Ende meiner Tage, ich kann es noch mit meinen Kindern, Enkelkindern etc. irgendwann spielen.
Bei dem Gesichtspunkt finde ich, daß sich der Preis von 30 Euro schon wieder ziemlich relativiert.

Benutzeravatar
Eric

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Eric » 3. November 2005, 09:56

ferdinand köther schrieb:
>
> Ein ganz anderer Aspekt ist die Tatsache, daß viele Leute
> und vor allem auch Jugendliche ohne mit der Wimper zu
> zucken locker 40,-/50,- € und mehr für ein PC-oder
> Konsolenspiel ausgeben um damit allein vor'm Gerät zu hocken
> oder eventuell noch online Gebühren zu zahlen (WoW z. B.) und
> das Ding meist nach einmaligem Durchspielen in die Ecke zu
> stellen.

Meistens wird das Spiel anschliessend auf Ebay verkauft, was den "bezahlten Preis" üblicherweise dann auch schonmal um die Hälfte reduziert.

Und an dem Spiel haben dann, anders als bei Brettspielen, 10-100 Leute für 2 Jahre und länger (ausschliesslich) drangesessen, die entsprechend entlohnt werden müssen.

> Und wir, ich nehme mich da eigentlich gar nicht aus, meckern,
> wenn ein Spiel 30,- € oder mehr kostet

Weil 30 Euro bei den astronomisch gestiegenen Lebenskosten eben trotzdem eine Stange Geld sind.

Das ist auch der Grund, warum
- kaum jemand mehr ins Kino geht
- kaum jemand PC-Spiele zum Vollpreis kauft, wenn er 6 Monate später es zur Hälfte kaufen kann
- kaum jemand Brettspiele zum empfohlenen Verkaufspreis mehr kauft, sondern entweder bei Online-Händlern kauft oder wartet, bis es das zum Budgetpreis gibt

Und ich denke wir haben durch unsere Erziehung noch eine etwas andere Vorstellung vom Wert des Geldes, was bei vielen Jugendlichen (fehlende Erziehung?) leider verlorengegangen zu sein scheint, siehe Handykosten oder das 100€ Paar Turnschuhe, was bei Jugendlichen offensichtlich als "normal" gilt.

Benutzeravatar
Attila
Kennerspieler
Beiträge: 4715

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Attila » 3. November 2005, 10:39

Bernd schrieb:

> Aus Verlagsseite kann ich mir fast nicht vorstellen, dass die
> reduzierten Spiele kostendeckend angeboten werden (und wenn
> doch, fühle ich mich als Kunde - der ein Jahr zuvor 30 Euro
> gezahlt hat - doch ein wenig "verarscht")

Wieso? - Bei DVDs, CDs, PC-Spielen ist das doch ganz normal. Wenn sie neu (also noch "hipp") sind, dann kosten sie 20-30 Euro (DVDs) und nach einem Jahr bekommt man sie für 9,99 Euro ...

Ich sehe dein Problem da nicht. Das ist halt die Welt in der wir leben.

Atti

Benutzeravatar
Attila
Kennerspieler
Beiträge: 4715

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Attila » 3. November 2005, 10:57

Hiho,

FÜr 30 Euro bekommt man auch eine ganze Menge Taschentücher!

Die kann ich dann benutzen um reinzuweinen, weil die Spielepreise ja ach-so-teuer sind.

Atti

Benutzeravatar
Rolf Mihm

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Rolf Mihm » 3. November 2005, 11:29

Moin,

ich glaube, das ganze hat auch was mit der allmählich auch die Spielebranche (verspätet?) erfassenden "Schnelllebigkeit" zu tun - ein Produkt muß möglichst bald seine Investitionen erwirtschaften, denn schneller als dem Hersteller wahrscheinlich lieb ist, ist es dann vielleicht schon weg vom Fenster. Und bis jetzt ist es ja wohl immer noch so, daß es "zu viele" Spiele gibt - bei der Menge an Spielen, die nach wie vor Jahr für Jahr auf uns losgelassen werden, ist es für einzelne Produkte bestimmt schwierig, in die Gewinnzone zu kommen (vermute ich mal). In dieser Situation ist es dann für die Hersteller sicherlich nicht hilfreich, wenn von Großhändlern die Lagerkapazitäten schon nach weniger als vielleicht einem Jahr auf den Markt geworfen und verramscht werden - da kommt es dann zu dem beschriebenen Phänomen, weshalb man denn für ein Spiel im Fachhandel EUR 30,-- ausgeben woll, wenn man es

1. über das Internet wesentlich billiger bekommt,man
2. die Schnäppchenpreise, die ja auch hier im Forum gelistet werden, beachtet und
3. bei den Großhändlern (Toys 'R' Us z.B.) viele Spiele nach kurzer Zeit "ausgelistet" werden.

Viele Spiele kommen in die Läden, stehen da unter günstigen Umständen ein paar Monate und werden schließlich aussortiert - wer es in dieser Zeit nicht schafft, Gewinn zu erwirtschaften, hat schlechte Karten. Und ich glaube nach wie vor, um einen anderen Gedanken noch einmal aufzunehmen, daß immer noch ein großer Teil des Verlagsumsatzes mit sogenannten "Wenigspielern" gemacht wird, die dann eher mal zum "neuen" Carcassone" oder einem Siedler-Klon greifen, als sich auf ein neues Spiel als "unbekannter" Größe einzlassen.

Benutzeravatar
peer

Re: [OT] Kartenmenge

Beitragvon peer » 3. November 2005, 13:52

Hi,
TRH schrieb:

> Moin!
>
> Naja, letztes Jahr gabs doppelt soviel Karten zum knapp
> doppelt so hohen Preis. So gesehen sehe ich nicht so einen
> drastischen Unterschied (gut: dieses Jahr gabs noch die
> Goldmünzen dabei, aber da die nicht aus echtem Gold sind,
> wirds wohl nicht sooo entscheidend sein ;-) ).

Naja, ich bezog das mehr auf Kablamo. Das hat letztes Jahr noch 35 Euro gekostet, und das fand ich überteuert -sowohl vom Spielwert als auch vom Materialwert...

ciao
peer

Benutzeravatar
ferdinand köther

Re: Preiswahrnehmung bei Brettspielen

Beitragvon ferdinand köther » 3. November 2005, 14:08

Hallo Roman,

danke für diese "mini-Dissertation" ;-) - sehr gut durchdacht und sinnvoll!

... und der Platzbedarf, genau - wann erfindet eigentlich jemand mal gezipte Spielchachteln, Ziptüten gibt's ja schon :lol:

Tschüß
Ferdi

Benutzeravatar
Marten Holst
Kennerspieler
Beiträge: 1787

RE: Preisentwicklung

Beitragvon Marten Holst » 3. November 2005, 16:11

Moin Martin,

nicht böse nehmen, ich greife Dich mal exemplarisch heraus für ein Argument, das hier öfters kommt :-) Es geht um den Zeit-Nutzen-Vergleich. Abgesehen davon, dass ich den oft so einfach zu führen nicht finde...

> Da ich davon ausgehe, daß ich ein Spiel mehrmals spiele,
> habe ich daher viel mehr Nutzen von einem Spiel als von
> vielen anderen Freizeitmöglichkeiten. Ich spiele es
> normalerweise viel länger als ein Computerspiel - wenn ein
> Spiel gut ist, bleibt es bei mir bis zum Ende meiner Tage,
> ich kann es noch mit meinen Kindern, Enkelkindern etc.
> irgendwann spielen.
> Bei dem Gesichtspunkt finde ich, daß sich der Preis von 30
> Euro schon wieder ziemlich relativiert.

Ist das so? Ich erzähl mir das ja auch immer. Aber... sehr viele Spiele spiele ich dann doch nur 1-2 Mal. Einfach, weil ich auch nicht nur "sichere Kandidaten" kaufe, weil ich auch zu viele habe. DVDs/Videos sehe ich oft auch nicht öfter, aber manchmal schon, das Leben des Brian zum Beispiel. CDs hören? Einige bestimmt hundertfach. Ein gutes Computerspiel? Kann ich mich tagelang vorsetzen. Civilisation 2 werde ich in der Summe bestimmt einige hundert Stunden gespielt haben. Ich bin ja überall etwas Sammler, habe also auch CDs, Videocassetten, Computerspiele, die ich nicht oder kaum nutze, die nicht hielten, was sie versprachen, die zu voreilig, zu blind gekauft wurden. Aber abgesehen vom immer wieder zu ersetzenden abgengniddelten Kartensatz "Tichu" fürchte ich, kommen im "Preis-Zeitvertreib-Verhältnis" Spiele nicht in die Topplatzierungen.

Und auch mit Konzerten oder Theater lässt es sich nur schwer vergleichen, erinnert man sich doch gerne daran, erzählt davon - und oftmals sind ja auch das Gemeinschaftserlebnisse.

Ich will nicht sagen, dass die Argumente oben falsch sind, aber lügen wir uns nicht etwas selber in die Tasche dabei? Sicher würde das alles gelten, wenn wir nur 3 Spiele im Haushalt haben. Aber wir haben mehr, oder?

Tschüß
Marten

Benutzeravatar
TRH
Kennerspieler
Beiträge: 647

Re: [OT] Kartenmenge

Beitragvon TRH » 3. November 2005, 17:23

Moin!

peer schrieb:
>
> Hi,
> TRH schrieb:
>
> > Moin!
> >
> > Naja, letztes Jahr gabs doppelt soviel Karten zum knapp
> > doppelt so hohen Preis. So gesehen sehe ich nicht so einen
> > drastischen Unterschied (gut: dieses Jahr gabs noch die
> > Goldmünzen dabei, aber da die nicht aus echtem Gold sind,
> > wirds wohl nicht sooo entscheidend sein ;-) ).
>
> Naja, ich bezog das mehr auf Kablamo. Das hat letztes Jahr
> noch 35 Euro gekostet, und das fand ich überteuert -sowohl
> vom Spielwert als auch vom Materialwert...
>
> ciao
> peer

Ah, so. Dann stimme ich uneingeschränkt zu. Hatte das auf die andere Gigantoskop-Veröffentlichung bezogen, die einige im letzten Jahr auch zu teuer fanden.

Gruß Tom

Benutzeravatar
Wolfram Püchert alias WeePee

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 3. November 2005, 17:25

Hmmm, alle Tage wieder dieselbe Diskussion *g

Leider habe ich das Gefühl, dass hier fast nur aus der Sicht der sogenannten "Fanbois" / "Fanboys" diskutiert wird.

Ich will mal meine Sicht der Dinge vermitteln und erst einmal 2 Argumenten widersprechen:

1) Argument, dass PC - Spiele sooooo viel teurer sind
Nun, die PC-Spiele-Hersteller können diese Spiele teurer anbieten, weil eine Nachahmung eines Spieles durch einen anderen Produzenten meist 9-12 Monate dauert.
Ein (Brett-)spielehersteller muss damit rechnen, dass seine Idee innerhalb kürzester Zeit nachgeahmt wird, wenn sein Verkaufspreis zu hoch ist. Also muss er als Anbieter eines Spieles den Preis knapp kalkulieren, damit die Einstiegshürde für Konkurrenten hoch ist.
2) Argument, dass man mit Brettspielen viel Zeit verbringt und damit der Preis gerechtfertigt ist
Nun, ich habe mir WoW gekauft (44 Euro) und bezahle monatlich 12 Euro, spiele aber mindestens 100 Stunden / Monat WoW ... Preis-Leistung ist super ..... Was sagt ihr nun?


Nun meine Sicht der Dinge:
Brettspiele bewegen sich auf/in einem freien Wettbewerbsmarkt und konkurrieren sowohl untereinander als auch mit anderen Artikelgruppen (Filme, Musik, PC-Spiele, etc.) um die Gunst der Käufer. Somit bildet sich in einem funktionierenden Markt (viele Anbieter, viele Käufer) ein reeler Preis, zu dem die Anbieter bereit sind, Waren anzubieten und die Käufer bereit sind, diese abzunehmen.

So leicht erklärt sich der Preis. Punkt.

Gruß W.

Benutzeravatar
peer

RE: Preisentwicklung

Beitragvon peer » 3. November 2005, 19:19

Hi,
danke Marten, dass hab ich auch immer wieder gedacht - auch und gerade beim Vergleich mit Kino und Computerspielen (auch da gibts übrigens den "kleinen" und den "großen" Markt und wenn man sieht, wie hoch die Produktions- und Entwicklungskosten sind... Ich lass mal den Satz "Die Frage ist nicht warum Computersoftware so teuer ist, sondern warum sie so günstig ist).
Und vergleichen wirs doch mal mit was anderem: Der Wocheneinkauf für unseren Zweipersonenhaushalt beläuft sich (mit allem was man so noh nachkaufen muss, wie z.. Milch) so auf ca. 35-40 EUR. Das ist so viel wie ein Spiel - mit dem Preis eines Spieles mag ich also eine Woche leben können...

Abgesehen davon gibts die gleichen Argumente unabhängig vom Preis. Ich bin nun keiner, der über die Preise meckert (schon gar nicht die von Kleinverlagen) und mir ist auch bewusst, dass die Produktionskosten gestiegen sind. Aber: ein gutes Spiel kostet jetzt so fast im Schnitt 25-35 EUR, dass sind 50-70 DM. Wenn ich mir mal alte Preislisten ansehe, gabs damals nicht viel in dem Preissegment - nur absolute Luxusware eben.
Und wo fangen jetzt die teuren Spiele an? Bei 40 EUR? 50? oder 60? (wie Indonesia?) oder (wieder) erst im Zweistelligen Bereich?
Ich hatte -wie schon geschrieben - letztes Jahr eher das Preisschock-Gefühl als dieses Jahr. Subjektiv würde ich sagen: Die preise beruhigen sich wieder und sind relativ stabil (bei kleinen Ausnahmen). Und das ist auch gut so - inwieweit ich eine Preissteigerung mitmachen kann, vermag ich nicht zu sagen.

ciao
peer

Benutzeravatar
erik

RE: Preisentwicklung

Beitragvon erik » 3. November 2005, 22:05

peer schrieb:

viel richtiges und dann noch das:

> Aber: ein gutes
> Spiel kostet jetzt so fast im Schnitt 25-35 EUR, dass sind
> 50-70 DM. Wenn ich mir mal alte Preislisten ansehe, gabs
> damals nicht viel in dem Preissegment - nur absolute
> Luxusware eben.

Wann damals meinst Du? Ich habe eben mal die 2000er-Tabelle
aufgemacht (also noch zu DM-Zeiten vor dem "Teuro"). In der
Region liegen da u.a. Andromeda (Abacus), Tadsch Mahal (alea),
Vinci (Eurogames), Alcatraz & Torres (FX), Vino (Goldsieber),
Blaumilchkanal (Kosmos), Stephensons Rocket (Pegasus),
Bus (Splotter), Sumera (Witt), Frischfleisch (2F)

In meinen Augen (in der großen Mehrzahl) durchaus preiswürdige,
gute Spiele, aber in keinem Fall Luxusware.

Das dieser Preis dann nicht der spätere Straßenpreis auf Dauer
war, ist klar. Aber das passiert den Neuheiten dieses Jahres ja
auch (noch).

> Ich hatte -wie schon geschrieben - letztes Jahr eher das
> Preisschock-Gefühl als dieses Jahr. Subjektiv würde ich
> sagen: Die preise beruhigen sich wieder und sind relativ
> stabil (bei kleinen Ausnahmen). Und das ist auch gut so -
> inwieweit ich eine Preissteigerung mitmachen kann, vermag ich
> nicht zu sagen.

Sehe ich ähnlich. Vielleicht wollen wir auch jetzt immer zu viel auf
einmal kaufen und die Masse macht dann den Teuereindruck.

Gruß,

Erik

Benutzeravatar
Gregor Breckle
Kennerspieler
Beiträge: 648

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Gregor Breckle » 3. November 2005, 23:50

Hallo,

Bernd schrieb:

> Große Spiele waren fast nicht mehr unter 30 Euro zu haben.
> Dabei war die unterschiedliche Ausstattung auffällig.
> Kartenspiele meist um die 8 - 10 Euro (wobei die Ausstattung
> kein Maßstab für den Preis zu schein schien.) :)

Ich empfand dieses Jahr eigentlich ein sogar ein wenig Entspannung bei den Preisen. Besonders auffällig waren dabei z.B. Oltre Mare mit gesehenen 17 Euro, die großen Pegasus-Spiele (ja gut, Illuminati hat zwar eine große Schachtel ...) mit Preisen zwischen 20 und 25 Euro. Von Il Principe weiß ich den Preis nicht mehr, war aber sicher auch nicht über 30. Das Ende des Triumvirats zwischen 20 und 25...
Ich habe dieses Jahr bspw. in Essen kein Spiel über 30 Euro gekauft (obwohl doch einige Große dabei waren, wenn auch (noch :-) nicht alle oben genannten).

Viele Grüße

Gregor

Benutzeravatar
Roman Pelek

Re: Preisentwicklung

Beitragvon Roman Pelek » 4. November 2005, 00:30

Hi Wolfram,

Wolfram Püchert alias WeePee schrieb:
>
> Hmmm, alle Tage wieder dieselbe Diskussion *g

Hm, bring' doch mal ein ganz neues Thema ein - viele hier, auch ich, wären Dir dankbar :-)

> Leider habe ich das Gefühl, dass hier fast nur aus der Sicht
> der sogenannten "Fanbois" / "Fanboys" diskutiert wird.

Naja, ich meine mich dunkel zu erinnern, dass diese Thematik in den vergangenen Jahren schon deutlich unrealistischer bzgl. des Massenmarktes und wirtschaftlicher Notwendigkeiten geführt wurde als im vorliegenden Thread.

> Ich will mal meine Sicht der Dinge vermitteln und erst einmal
> 2 Argumenten widersprechen:
>
> 1) Argument, dass PC - Spiele sooooo viel teurer sind
> Nun, die PC-Spiele-Hersteller können diese Spiele teurer
> anbieten, weil eine Nachahmung eines Spieles durch einen
> anderen Produzenten meist 9-12 Monate dauert.

Nun, die "Nachahmung" ist da meiner Meinung nach nicht das Problem:

PC-Spiele-Entwicklung bedingt mittlerweile nicht selten ein Budget, das an manche Hollywoodproduktionen heranreicht. Dafür besteht das eklatante Risiko der Verluste durch Raubkopien, die sich teilweise vor dem Release über das Internet rasend schnell verbreiten.

Dazu altern PC-Spiele technisch sehr schnell, wenn sie keinen originellen Inhalt haben. Wen interessiert in 6 Monaten der rein technisch wegweisende Ego-Shooter von heute? Der ist so oder so "out of date".

Und zu Nachahmung an sich: Wen will wer denn überhaupt groß nachahmen, wenn die PC-Spieleszene zu vielleicht 95% (aus der hohlen Hand in den Raum geworfen) aus den Genres Ego-Shootern, Sport- und Rollenspielen besteht und sich die Inhalte sowieso schon hundertfach ähneln? Es geht doch immer mehr um technische Perfektion, um eine handwerklich saubere Umsetzung häufig gleichen Inhalts. Das ist ja auch gewollt: zum einen fördern sich Hard- und Softwarehersteller damit gegenseitig (Neue Hardware -> brauche neues Spiel dafür, Neues Spiel -> brauche bessere Hardware), zum anderen wird aufgrund des hohen Budgets immer mehr auf "safety" gespielt, was Absatzchancen angeht. Kein Softwarehersteller kann "mal eben so" ein Millionbudget auf einen innovativen Flop verbraten, deswegen stagniert dieser Bereich ideentechnisch ja auch in weiten Teilen, und nur wenige sind so mutig, neue Wege zu gehen.

Siehe dazu auch ein Interview mit Satoru Iwata, Präsident von Nintendo zum Thema (und seiner Position gegenüber Sony und Microsoft, die o. g. Ziele weitertreiben):

http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,375121,00.html

> Ein (Brett-)spielehersteller muss damit rechnen, dass seine
> Idee innerhalb kürzester Zeit nachgeahmt wird, wenn sein
> Verkaufspreis zu hoch ist. Also muss er als Anbieter eines
> Spieles den Preis knapp kalkulieren, damit die Einstiegshürde
> für Konkurrenten hoch ist.

Mag sein, dass ich da etwas übersehe, was Du im Hinterkopf hast. Wenn ich persönlich ein Spiel "klauen" wollte, würde ich mir aber eher eins aussuchen, dass sich eh schon "wie geschnitten Brot" verkauft. Zumindest sind die mir bekannten Fälle eines dreisten Plagiats in der Szene genau so gelagert. Und Brettspiele sind immer noch schwerer zu plagiieren als 'ne Billion Bytes ihres Kopierschutzes zu berauben und über das Internet zu verbreiten sind.

> 2) Argument, dass man mit Brettspielen viel Zeit verbringt
> und damit der Preis gerechtfertigt ist
> Nun, ich habe mir WoW gekauft (44 Euro) und bezahle monatlich
> 12 Euro, spiele aber mindestens 100 Stunden / Monat WoW ...
> Preis-Leistung ist super ..... Was sagt ihr nun?

Natürlich gibt's tolle Computer- und auch Konsolenspiele, die ihr Geld mehr als wert sind, das hat ja auch niemand ernsthaft bestritten (ich persönlich würde selbst sonst kaum seit 23 Jahren Computer- und Konsolenspiele als Dauerhobby betreiben :-) ). Und wenn ich die Zeit hätte - wie zwei regelmäßige (Brettspiel-)Mitspieler hie vor Ort - würd' ich auch WoW zocken. Nur müsste ich dazu zu viel anderes neben dem Job zurückstellen (andere Hobbies, Schlafbedürfnis, Ehefrau) :-)) Da gilt für mich der gleiche Grundsatz, warum ich nie in Magic und Doppelkopf ernsthaft gestiegen bin: ich will lieber in weniger Zeit eine größere Vielfalt genießen, die mindestens so lohnend ist ;-)

> Nun meine Sicht der Dinge:
> Brettspiele bewegen sich auf/in einem freien Wettbewerbsmarkt
> und konkurrieren sowohl untereinander als auch mit anderen
> Artikelgruppen (Filme, Musik, PC-Spiele, etc.) um die Gunst
> der Käufer. Somit bildet sich in einem funktionierenden Markt
> (viele Anbieter, viele Käufer) ein reeler Preis, zu dem die
> Anbieter bereit sind, Waren anzubieten und die Käufer bereit
> sind, diese abzunehmen.
>
> So leicht erklärt sich der Preis. Punkt.

Einspruch zum "Punkt.": M. E. geht's in der Diskussion nicht um die markttechnischen Gegebenheiten, die eh aus dem Stehgreif keiner ändern kann oder will. Es geht in meinen Augen eher darum, festzustellen, dass wir bei Brettspielen immer noch einen guten Gegenwert für's Geld bieten können und uns vom Inhalt her auch anno 2005 nicht hinter anderen Konkurrenzprodukten verstecken müssen.

Mein persönliches Fazit ist deswegen ein anderes: Wir haben gute Produkte, wir sind auch kalkulatorisch noch nicht komplett dem Wahnsinn verfallen, also brauchen wir etwas anderes: mehr Öffentlichkeit, mehr Marketing, mehr allgemeines Bewusstsein, dass es sowas wie Brettspiele überhaupt gibt (und dass die nebenbei auch Spaß machen).

Dass so etwas prinzipiell geht, beweisen das SdJ und die Zahl der Spin-Offs, Erweiterungen etc. zu SdJ-Spielen wie Siedler oder Carcassonne durchaus eindrucksvoll. Oder auch manche Merchandising-Produkte (der schönste Spaß dieses Jahr war ja eigentlich, zu raten, wie viele Sudoku-"Brettspiele" zu Essen nun rauskommen). Wir kriegen's nur - salopp gesagt - nicht sonderlich gebacken, diesen Focus sinnvoll so zu erweitern, dass die Öffentlichkeit mit Brettspielen nicht nur Siedler, Carci und Monopoly meint, sondern die ganze Bandbreite wahrnimmt.

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Roman Pelek

Hinkende Vergleiche und anregende Diskussionen

Beitragvon Roman Pelek » 4. November 2005, 01:51

Huhu Marten,

Marten Holst schrieb:

> > Bei dem Gesichtspunkt finde ich, daß sich der Preis von 30
> > Euro schon wieder ziemlich relativiert.
>
> Ist das so? Ich erzähl mir das ja auch immer. Aber... sehr
> viele Spiele spiele ich dann doch nur 1-2 Mal. Einfach, weil
> ich auch nicht nur "sichere Kandidaten" kaufe, weil ich auch
> zu viele habe.

Klar, weil wir alle hier, die darüber diskutieren, als Spieleliebhaber natürlich auch immer "ein klein wenig voreingenommen und bekloppt sind", wenn ich das hier so selbstkritisch äußern darf ;-)

> DVDs/Videos sehe ich oft auch nicht öfter,
> aber manchmal schon, das Leben des Brian zum Beispiel.

Geht mir ähnlich. Ich liebe Filme, aber es gibt nur sehr wenige, die ich mehrfach sehen will und deswegen wirklich kaufe, statt sie notfalls ein zweites Mal auszuleihen (hier stehen grade mal "Herr der Ringe Trilogie", "Star Wars Trilogie" und "The Big Lebowski" nebst zig Cover-DVDs von diversen TV-Zeitschriften rum).

> CDs
> hören? Einige bestimmt hundertfach.

Jo, aber das ist doch ähnlich. Ich habe ca. 600 CDs und 200 Platten - drei Dutzend davon höre ich 100 Mal oder mehr, vielleicht hundert weitere 20, 30 Mal, der Rest: nach 3-4 Mal hat's gereicht. Bei meinen Brettspielen sieht's nicht so viel anders aus, nur saßen dabei noch andere am Tisch. Bei Musik jenseits von Parties oder Konzerten verbietet sich sowas ja eigentlich :-) Oder wie hat Matt Johnson von "The The" im Nachwort der "Mind Bomb" anno 1989 mal so schön unter Verwendung von vielen "Verys" in Kapitallettern geschrieben und nebenbei einen elementaren Verwendungszweck von Musik jenseits des Gemeinschaftserlebnisses umrissen:

"To obtain maximum pleasure & effect from this album, please play VERY LOUD!, VERY LATE, VERY ALONE... & with the lights turned VERY LOW!"

(und wenn ich mich richtig an meine Zeit als Hifi-Verkäufer erinnere, war genau das die Klientel, die auch wirklich richtig Zeugs gekauft hat, egal ob sie Klassik-, Jazz- oder Pop-/Rockjunkies waren)

> Ein gutes Computerspiel?
> Kann ich mich tagelang vorsetzen. Civilisation 2 werde ich in
> der Summe bestimmt einige hundert Stunden gespielt haben. Ich
> bin ja überall etwas Sammler, habe also auch CDs,
> Videocassetten, Computerspiele, die ich nicht oder kaum
> nutze, die nicht hielten, was sie versprachen, die zu
> voreilig, zu blind gekauft wurden.

100% D'Accord. Aber was wir hier ja im Eigentlichen betreiben, um diverse Unterhaltungsmöglichkeiten gegeneinander zu halten, ist häufig zu sagen "Hallo, die besten Exemplare von Unterhaltungsmöglichkeit X schlagen den Schnitt von Unterhaltungsmöglichkeit Y". Aber damit werden wir im Jahr 2050 nicht fertig und drehen uns im Kreis :-))

> Und auch mit Konzerten oder Theater lässt es sich nur schwer
> vergleichen, erinnert man sich doch gerne daran, erzählt
> davon - und oftmals sind ja auch das Gemeinschaftserlebnisse.

Klar doch - deswegen fahre ich ja kommenden Samstag mal einfach 500km hin und zurück zum Leverkusener Jazzfestival, um mit "Van der Graaf Generator" 'ne Band zu erleben, die sich an sich aufgelöst hat, als ich grade mal zarte fünf Jahre alt war. Eklatanter wirtschaftlicher Nonsens aus Privatmenschensicht, sicherlich - aber es muss sein, no doubt about it. Aus Leidenschaft und weil ich gerne nochmal selbst die Band live sehen will, die den schizophrenen Spagat geschafft hat, in den 70ern Genesis, Pink Floyd, David Bowie und auch noch die Sex Pistols mit zu inspirieren. Vielleicht kann man von denen noch was für's Leben lernen :-))

Aber Abschweifung beiseite: Dass man sich persönlich mal objektiv irrationalen Luxus gönnt, weil es einem subjektiv das Erlebnis wert ist, ist ja aber auch keine wirkliche Gegenthese wider irgendwas. Das macht jeder Mensch, und wer's nicht tut, versäumt in diesem Leben wohl einiges :-)

> Ich will nicht sagen, dass die Argumente oben falsch sind,
> aber lügen wir uns nicht etwas selber in die Tasche dabei?
> Sicher würde das alles gelten, wenn wir nur 3 Spiele im
> Haushalt haben. Aber wir haben mehr, oder?

Das wirklich schöne an dieser Diskussion finde ich, dass die "Taschenlügen" von beiden Seiten nachvollziehbar sind, sich eine Balance einstellt. Damit sind wir schonmal einen Schritt weiter als in manch anderen Diskussionen und verzapfen zumindest keinen offenkundigen Unsinn, sondern Dinge, die etwas mehr Nachdenken erfordern, um Position zu beziehen, etwas Streitkultur. Ich zumindest genieße das, endlich ist das Forum mal wieder im positiven Sinne "anstrengend", auch wenn wir auf 'nem alten Hut wie Spielepreisen rumreiten müssen dafür ;-)

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Roman Pelek

Die Eltern von heute

Beitragvon Roman Pelek » 4. November 2005, 04:01

Hi Eric,

Eric schrieb:

> Und ich denke wir haben durch unsere Erziehung noch eine
> etwas andere Vorstellung vom Wert des Geldes, was bei vielen
> Jugendlichen (fehlende Erziehung?) leider verlorengegangen zu
> sein scheint, siehe Handykosten oder das 100€ Paar
> Turnschuhe, was bei Jugendlichen offensichtlich als "normal"
> gilt.

Ich glaube nicht dran, dass wir besser waren, das ist so ziemlich dasselbe, worüber unsere Eltern in meiner Jugendzeit schimpften. Die finanziellen Zwänge und Notwendigkeiten im Leben lernt man erst mit der Zeit kennen und einschätzen; Statussymbole, zwischenmenschlichen Konkurrenzkampf und Sexualität hingegen kriegt man spätestens in der Pubertät auf brutalste Weise innerhalb von ein, zwei Jahren vor Augen geführt - das ist für jederfrau und -mann ein Schock. Da ist halt eine Dilatation zu verzeichnen, die schon die alten Griechen bewegt hat, über ihre Jugend zu schimpfen. Aber wenn's wirklich wahr wäre, was wir immer über die Jugend sagen, wären wir als Menschheit in logischer Konsequenz schon seit Jahrtausenden ausgestorben.

Ich persönlich schimpfe derweil lieber über meine Elterngeneration, die, wenn man sich das momentane Geschehen auf der politischen Bühne in Deutschland ansieht, reichlich dilettantisch, nachgerade amateurhaft agiert. Nicht nur, dass nirgendwo ein Konzept, eine Idee für die Zukunft im Raume steht, sie demontieren sich auch ohne Not noch öffentlich gegenseitig selbst. Bis vor kurzem war wenigstens noch eine machtstrategische Hybris am Start, davor jemand, der sich selbst in die Geschichtsbücher ausgesessen hat, und nun, ja jetzt ist gar nix mehr da, was man irgendwie greifen kann...

Insofern, als beispielhafter Gedankengang: man kann den Spieß argumentativ auch mal umdrehen. Es wird nur viel zu selten gemacht, in der "großen Welt" genausowenig wie in unserem kleinen Refugium "Spieleszene". Dabei haben wir nur eine Chance, eine Zukunft: den Nachwuchs. Und der ist bei allen Eskapaden manchmal besser als wir glauben, allzu häufig besser als wir selbst. Er stellt nur gerne mal unsere verrosteten Gedanken auf den Kopf, und er lebt in der Gegenwart, während wir unsere eigene Vergangenheit verklären - aber das ist die gottverdammte Pflicht jeder Jugend.

Ich jedenfalls wäre enttäuscht, wenn sich die Jugend nicht mehr über ihre Eltern beklagen würde, denn das wäre für mich ein Indiz dafür, dass wir uns nicht mehr weiterentwickeln. Wenn sich die Eltern sich hingegen nicht mehr (pauschal) über ihre Jugend beklagen würden, wäre das für mich ein Zeichen der Reife. Letztere Einsicht tritt jedoch historisch betrachtet lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit, die einem Lottogewinn gleich kommt, ein.

Ach so, ja, wer den Bezug zur Spieleszene vermisst oder sich fragt, warum der Pelek gesellschaftspolitischen Sarkasmus im Forum lebt - das oben gesagte gilt 1:1 für uns und unsere Denke. Wir haben in der Szene sogar Nachwuchs, allzuoft übersehen wir ihn nur oder machen es ihm unnötig schwer. Und nur die wenigsten sind gewillt, sich auf unsere Eitelkeits- und Machtspielchen einzulassen - darüber tröstet auch nicht der Fakt hinweg, dass diejenigen, die es tun, dann zu nahezu 100% überleben, weil sie genau wissen, auf was sie sich einlassen.

Aber wir verschrecken einfach zu viele, wo wir stattdessen anlocken sollten.

Ciao,
Roman ("We're still crazed enough to drive forever / I swear that I can stay awake forever" / New Model Army)


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 10 Gäste