Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 10. November 2005, 06:21
Marco Aschwanden schrieb:
> Mit Spielen hat sie sowieso nix zu tun.
Ich hingegen sehe das als "Wortspiel".
Da fällt mir die Geschichte von der Aussprache des Wortes "Hurrikan" ein:
Ursprünglich stammt das Wort aus der Sprache karibischer Indianerstämme, heißt soviel wie "Der Wegblasende" und sprach sich - vermutlich - etwa "Hörrikön" aus. Aber weil sie keine Schrift hatten (oder uns zumindest keine überliefert ist), schrieben sie es nicht auf.
Die Engländer und später die US-Bürger sprachen es, nachdem sie es in Expeditionsberichten ihrer Landsleute geschrieben gesehen, aber nicht von den mittlerweise umgebrachten Indianern ausgesprochen gehört hatten, "Harriken" aus.
Wie sollen wir es heute also korrekt sprechen? Die englische Aussprache ist ja bereits eine falsche Aussprache. Aber andererseits könnte man es niemandem als Fehler ankreiden, der es englisch ausspricht, weil Kenntnisse über die Phonetik untergegangener karibischer Indianerstämme kaum als zur Allgemeinbildung gehörig betrachtet werden können.
Also kann man bei Verwendung des Wortes in einem deutschen Satz genau so gut jede Silbe so sprechen, wie man sie bei einem deutschen Wort sprechen würde und tatsächlich "Huh-Rie-Kann" sagen: Wer eine Schreibweise aus einer anderen Sprache übernimmt, ist ja nicht gezwungen, dafür die Ausspracheregeln seiner eigenen Sprache abzugeben. (Mann KANN, aber man MUSS NICHT.)
Sagt man also englisch "Harriken", dann benutzt man ein englisches Wort, sagt man "Huh-Rie-Kann", dann benutzt man ein deutsches Lehnswort.
Der Rechtschreib-Duden (21. Auflage, S. 360, mittlere Spalte) gibt interessanter Weise zwei unterschiedliche Pluralformen für "Hurrikan" an, und zwar abhängig davon, welche Aussprache man wählt: Bei englischer Aussprache "Hurrikans", bei deutscher Aussprache "Hurrikane".
Und wie spricht man eigentlich die französische Hauptstadt aus?
Korrektes Französisch wäre "Parie", aber welcher Deutsche macht das konsequent? Selbst in der Tagesschau, wo nun wirklich ein enormer Aufwand im Hinblick auf die Identifizierung von korrekter Aussprache ausländischer Namen getrieben wird, sagt man entsprechend der deutschen Ausspracheregel für die Schreibweise "Paris".
Mein Fazit: Wenn es in Ordnung ist, "Paris" zu sagen, dann ist es auch in Ordnung ist, "Kai-Luss" zu sagen.
Und wenn jemand lieber "Keh-Lüss" sagen will, dann finde ich das auch in Ordnung.
Meistens gelingt es ja, sich mit anderen Leuten hervorragend zu verständigen, wenn man bei Verständnisproblemen einfach mal nachfragt, wie dies und jenes gemeint war, statt sofort dem Gesprächspartner zu unterstellen, dass er etwas nicht "richtig" gemacht hätte.
Mit einem lieben Gruß
Gustav