Beitragvon Günter Cornett » 21. Dezember 2005, 16:18
ode schrieb:
>
> Hallo,
>
> ich fand den Unterton auch leicht unangemessen. Besonders,
> weil nicht geklärt wurde, wer hier konkret angesprochen ist.
Jo, er beschreibt den Fehler eines Autoren und bezieht das Ergebnis auf die Arbeitsweise aller.
> Es könnte also jeder gemeint sein. Ich glaube allerdings,
> dass es tatsächlich auch ein paar Leute gibt, die schlechte
> Spiele unters Volk schmeissen und versuchen damit nen Rubel
> zu machen. Ich weiß aber nicht wer das ist. Ich muss auch
> gestehen noch keinen getroffen zu haben. Aber irgendwo...
>
> Das mit dem Warscheinlichkeiten war doch glasklar erklärt.
Sachlich falsch, auch wenn er das richtige gemeint hat.
"Die Frage in diesem Zusammenhang ist, wie oft muss man würfeln um mit hoher Wahrscheinlichkeit, z.B. 99%, jede Zahl gleich oft zu erhalten?"
Tatsache ist doch: Je öfter man würfelt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass jede Zahl exakt gleich oft gewürfelt wird.
> Fand das nicht schlecht. Gut erklärt und auch leicht
> aufklärerisch, denn viele Spieler wissen bestimmt nicht, was
> es damit auf sich hat.
>
> Leider ist mir auch nicht ganz klar, was dieser Artikel denn
> jetzt bezwecken soll. War das ne Kritik? An wem? War das ein
> Aufsatz über Wahrscheinlichkeiten? Auch nicht richtig, denn
> dazu nun wirklich nicht ausführlich genug.
Ich denke, der Artikel enthält zwei wesentliche Aussagen:
1. Der Autor des Artikels kennt einen Spieleautor, der sich mit der Wahrscheinlchkeitsrechnung nicht auskennt
2. Der Autor des Artikels findet die Würfelei bei Siedler zu glücksabhängig
Der Autor verknüpft die beiden Fakten zu der Schlußfolgerung: der Autor von Siedler kennt sich mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht aus.
Der Autor des Artikels nennt als Korrektiv zur vermeintlichen Glückslastigkeit die Unberechbarkeit der 'irrationalen' Spielzüge der Mitspieler. Er übersieht, dass Möglichkeiten wie das Versetzen des Räubers ganz bewußt eingebaut wurde, um den Spielern die Möglichkeit zu geben, das Glück in die eigene Hand zu nehmen. Auch werden durch den Handel (die Möglichkeit Waren für den vom Glück begünstigten Spieler zu verteuern) ganz andere - auch nichtmathematische - Fähigkeiten gefordert.
Ich finde, es ist ein Manko, dass viele Spiele zu mathematisch sind. Dieses Manko liegt IMHO darin begründet, dass viele Spieleautoren mathematisch begabt sind und eben das machen, was sie können (ich nehme mich da nicht aus).
Siedler ist ein sehr schönes Beispiel für ein Spiel, dass (auch) auf Mathematik basiert, aber nicht von Rechnerei beherrscht wird.
Und ein Punkt, den viele Mathematiker ausklammern, weil er so unberechenbar ist:
Ein wenig glücksabhängiges Spiel, wird umso glücksabhängiger, je weniger sich die Fähigkeiten der Spieler unterscheiden. Sind die Fähigkeiten der Spieler sehr unterschiedlich, wird auch bei einem sehr glücksabhängigem Spiel der stärkere Spieler häufiger gewinnen.
Ein ausschließlich von Mathematikern optimal gespieltes St.Petersburg entwickelt sich zum Glückspiel, weil derjenige gewinnt, der das meiste Glück bei der Kartenauslage hat. Allerdings halte ich St.Petersburg generell für nicht so glücksabhängig. In einer etwas unbedarfteren Spielerunde gewinnen da häufig die selben Leute.
Was wäre, wenn Mathematiker [die ja keine irrationalen Züge machen, sondern optimal spielen ;-)] Siedler mit Karten spielen, also das Glück gleichmäßig verteilt sein würde? Die Spieler, die zuerst neue Karten ziehen und schon so einsetzen können, dass sie eine neue Siedlung bauen können, bevor die anderen Siedlungen genügend Karten einbringen, müssten das Spiel gnadenlos gewinnen (gäbe es nicht Handel und Räuber). Denn sie können sich früher entwicklen als ihre Gegner und sowohl von den zuerst gezogenen Zahlen als auch von den später gezogenen zahlen profitieren. Das Spiel hätte die Tendenz, den frühen Abstand zu zementieren. Beim Würfelsiedler sind die Möglichkeiten offen: Der Abstand bleibt gleich, wird größer, wird kleiner.
Entscheiden ist aber in jedem Fall, was die Spieler daraus machen. Da hat Klaus Teuber genug Möglichkeiten eingebaut, die der Auto des Artikels nicht zur Kenntnis nimmt, weil sie - so unterstelle ich mal - nicht mathematischer Natur sind..
Gruß, Günter