Beitragvon Roman Pelek » 23. Dezember 2005, 12:07
Hi Marten,
Marten Holst schrieb:
>
> Wobei sich natürlich die Frage stellt: können wir es groß
> anders. Nicht jeder, und auch hier werfe ich mit Granit durch
> die Gärtnerei, kann "mal so eben" einen anderen Stil an
> Rezension runterreißen. Passiert doch mal was anderes, wird
> es oft als "unqualifiziert" oder "zu subjektiv" behandelt.
> Man vergleiche Artikel eines Michael Jim Knopf.
Nachdem ihr schon auf einem "stockpile of first stones" (Peter Hammill, "Comfortable", 1982, im übrigen ein wunderbares Lied darüber, wie man Religion als gesellschaftlichen Habitus leben kann ohne die Inhalte zu berücksichtigen, aber das führt hier sicher zu weit) steht, möchte ich mich auch mal kurz einmischen.
Zum Thema "Können": m. E. können es einige in der Spieleszene schon anders, sie machen es nur bewusst nicht, dazu weiter unten:
> Es entspann sich eine
> freundliche und interessierte Diskussion, deren Quintessenz
> war, es hat nicht geschmeckt, weil er etwas bestellt hatte,
> von dem sich herausstellte, dass es nicht seine
> Geschmacksrichtung war. Das Essen per se war tadellos
> zubereitet. Nicht jede Kellnerin ist da so souverän, wie die
> in besagter Verköstigungsstube. Einige würden fragen, warum
> man etwas bestellt, was man nicht einsortieren kann, andere
> echauffieren sich eh schon, wenn man "nein" sagt.
Nun, das macht ja eine gute Kellnerin aus: Souveränität und ein gewisses seelsorgerisches Talent. Leider ist der Job so schlecht bezahlt und dennoch viel nachgefragt, so dass man nicht davon ausgehen kann, diese Fähigkeiten allerorten anzutreffen. Ich persönliche ärgere mich über Bedienungen maximal dann, wenn ich zur Abwechslung mal in einem Luxusetablissement speise und ich merke, dass die Servierdame sich zwar die Arroganz, aber mitnichten die Kommunikationsfähigkeiten angeeignet hat, die ihr Beruf erfordern würde. Wobei ich ja Anhänger der These bin, dass man die besten Kellnerinnen in den vermeintlich miesesten Spelunken trifft. Die sind nämlich "viel menschliches Leid gewohnt" und deswegen gerne mal außerordentlich patente Zeitgenossen ;-)
> Das einzig "objektive" an einem Spiel ist nun mal das Rezept.
> Schon ein "Dill sollte man aber mögen" ist ein Geschmack, den
> man sich vielleicht nicht traut - außer in extremen Fällen.
> Und dann fragt man sich, warum jemand ohne erotisches
> Verhältnis zu Gartenkräutern überhaupt Lachschnitzel in
> Dillsoße isst.
Naja, im Nachgang kann man wohl nur sagen: "Selbst Schuld". Das Interessante ist aber ist doch das Prozedere vorher. Um mal beim Bild einer guten Kellnerin zu bleiben: Wenn ich merke, dass jemandem etwas vermutlich nicht schmecken wird, versuche ich vorher, sanft auf ihn respektive sie einzuwirken, um die Marotte auszutreiben, mit der er/sie sich selbst vermutlich in die eigene Unzufriedenheit begibt, oder?
> Ich denke, es ist ein Wechselspiel. Es ist schwer genug,
> "objektiv" zu schreiben, schon gar bei etwas subjektivem wie
Ich würde mal behaupten, eine "objektive Schreibweise" ist nahezu unmöglich zu realisieren. Dass, was so tituliert wird, ist oftmals lediglich ein Versuch, den kleinmöglichsten Nenner bei größtmöglicher Langeweile zu finden.
> Geschmack. Oder Assoziationen. Wenn man es dann ein, zwei
Assoziationen sind sowieso das größtmögliche öffentliche Tretminenfeld m. E. Nichts ist so stark abhängig vom Auge des Betrachters wie eine Assoziation (okay, vielleicht Satire, aber die basiert ja mitunter stark auf Assoziationen). Machst Du eine, wirst Du seltenes Schulturklopfen von Gleichdenkenden erfahren - aber noch sehr viel mehr Kritik von Leuten, die den Gedankensprung und seine Hintergründe nicht mitbekommen haben.
> Male tut, und mit Bratpfanne und Nudelholz beworfen wird,
> dann lässt man es vielleicht.
Meist wird es gelassen, würde ich behaupten. Die Problematik, die dem innewohnt, ist, dass es nirgendwo im Leben irgendwie weitergeht, ohne sich zwischenzeitlich mit Pfannen und Nudelhölzern bewerfen zu lassen. Nur ist in solchen Situation halt kaum jemand anderes da, der einen bestätigt; es ist immer ein Blindflug in der Hoffnung, dass am Ende etwas 'rauskommt, was weitreichendere Akzeptanz erringt. Und notfalls muss man sich selbst, um im Verköstigungsjargon zu bleiben, wieder vom Küchenboden aufkratzen, wenn's mal wieder "nicht geschmeckt" hat.
> Aber ein "Was der Bauer nicht
> kennt, das frisst er nicht" wird sicherlich auch dabei sein.
> Dennoch, ich kann zwar Bohnen oder Reis kochen, aber ich
> traue mich auch selten an Poularden a la Chateaubriand de
> Dingeldongel mit gefilte Gewürzgurke. Warum soll man sich
> viel Mühe machen, wenn es nachher oft nicht entscheidend
> besser schmeckt als Schnitzel Wiener Art?
Da bliebe dann die Fragen offen: wie bereitet man eigentlich ein Schnitzel richtig gut zu?
Ciao,
Roman