Beitragvon Franz-Benno Delonge » 16. Januar 2006, 11:20
Liebe Spieltechnologen,
der Entertaible wurde ja unten schon ausgiebig diskutiert. Ich will das Thema nochmal aufgreifen, und zwar in Form eines ganz konkreten "Anforderungsprofils". Tatsächlich warte ich auch schon seit Jahren darauf, dass etwas in der Richtung auf dem Markt erscheint und der Brettspielszene neue Perspektiven eröffnet.
Kleine Stoffsammlung:
1. Grundlegende Vorteile
a) Verbindung von Computertechnik mit dem Erlebnis echter Mitspieler, die gemeinsam um einen Tisch sitzen
b) Bequeme Übernahme nerviger "technischer" Spielfunktionen wie Aufbau, Berechnungen, organisatorischer Ablauf. Manche Spiele könnten damit zum erstenmal überhaupt ihre eigentlich einfache Struktur zeigen und im vergnüglichen Sinn "spielbar" werden
c) Endgültige Abschaffung des Betrugs und der unsinnigen Regeldiskussionen
d) Möglichkeit exakter Grübelzeitlimits
2. Grundlegende Nachteile
a) Im Vergleich zum klassischen Brett deutlich höhere Kosten
b) Reduzierung des haptischen Vergnügens
c) Reparaturanfälligkeit
d) Fundamentale Einwände der Jute-statt-Plastik-Fraktion.
Ohne den Entertaible in natura erlebt zu haben, resultiert daraus für mich folgendes "Anforderungsprofil" als Voraussetzung für einen dann aber wohl durchschlagenden Erfolg:
1. Ein quadratischer, flacher Bildschirm in der Tischmitte in den Abmessungen eines typischen, größeren Spielbretts.
2. Möglichkeit der problemlosen Eingabe einzelner Spiele durch transportable Datenträger (CD o.ä.)
3. Möglichkeit der Wiedergabe perfekter, von Spiel zu Spiel total unterschiedlicher Grafik.
4. Vollständige Übernahme aller Berechnungen und spieltechnischer Fieseleien durch den Rechner mit jeweils umgehender und exakter Anzeige auf dem Brett.
5.
Alternative a):
Eingabe der Spielzüge und Entscheidungen der einzelnen Spieler durch reale 3D-Figuren und Karten, die auf dem Brett bewegt bzw. auf dieses gelegt werden, wobei das Brett alle relevanten Einzelheiten exakt erkennt und umsetzt.
(Problem: Dies erfordert wohl unterschiedliches 3D-Material für jedes unterschiedliche Spiel. Die jetzt offenbar vorgesehenen vier Spielsteine scheinen mir nicht sehr variabel.)
Alternative b) (gefiele mir per Saldo besser):
Für jeden Spieler eine eigene Tastatur mit kleinem separatem Bildschirm. Der Spieler gibt seinen Spielzug über die Tastatur ein; das Brett setzt sofort und für alle Mitspieler sichtbar um. Was nur der einzelne Spieler sehen darf, zB Handkarten, taucht nur auf seinem "privaten" kleinen Display auf der Tastatur auf.
6. Und das alles für den Preis eines handelsüblichen Fernsehers der oberen Mittelklasse.
Sobald 1-6 funktioniert, kann man bei mir Umsatz machen, und ich denke, dass dann auch Millionen von bisher brettspieldesinteressierten PISA-Opfern plötzlich mit um den Tisch sitzen.
Wer weiß, wie weit es da beim real existierenden Entertaible noch fehlt?
Bzw. wie würdet ihr das Anforderungsprofil abändern?
Schönen Gruß
Benno