Beitragvon Günter Cornett » 23. März 2006, 09:25
Martin L. Beiwerk schrieb:
> > Ich habe halt mehr interesse am SPIEL als am Material.
>
> Und ich habe genauso viel Interesse am Spiel wie am Material.
Natürlich sollte das Material auch Mindeststandards entsprechen (s.a. Diskussion barrierefreie Spiele), besser noch: selbst ein Genuß sein, zum Spielen verführen.
Aber welches Spiel würdest du im Zweifel spielen:
1. ein ansonsten gutes Spiel aus schlecht produziertem Material
2. ein ansonsten schlechtes Spiel aus gut produziertem Material
3. nur gute Spiele aus gutem Material
Zwar hat man genügend Auswahl, dass man sich für 3. entscheiden kann. Hat man aber nur die Wahl zwischen 1 und 2 werden wohl mehr Spieler für 1. tendieren.
> > Und das in den USA "fast nur noch billig Produziert" wird,
> > ist ja wohl auch nur eine wilde Behauptung.
>
> Ich bleibe dabei. Meine Erfahrung: Verlage aus den USA, die
> in China produzieren (und das sind einige) haben
> Plastikfiguren und billigen Karton (Spielbrett) in einer
> Schachtel mit billigem oder völlig fehlendem Schachteleinsatz.
Laut Morgenpost werden auch deutsche Spiele/deutsches Spielzeug überwiegend in China hergestellt:
...
drei Viertel aller Spielwaren auf dem deutschen Markt stammen aus dem Ausland ...
Stolz verkündete das Hongkong Trade Development Council zum Auftakt der diesjährigen weltweit größten Fachmesse, die am Dienstag zu Ende geht, dass inzwischen 75 Prozent aller Spielwaren der Welt aus China kommen.
Ich weiß jetzt nicht, wieviel sich davon auf Spiele bezieht (es ist immer von Spielwaren die Rede), wie glaubwürdig das HTDC in diesem Punkt ist und ob manche Aussage in dem Artikel mit daher kommt, dass eine Berliner Zeitung ein Berliner Unternehmen porträtiert, aber es scheint so, dass Spiele Berliner Unternehmen im Gegensatz zu ihrer auch deutschen Konkurrenz ganz überwiegend nicht in China produzieren lassen. Also sind Spiele aus Berlin, insbesondere Neukölln (Schmidt-Spiele, Bambus*) grundsätzlich von guter Materialqualität ... :)))
Nein, das Kriterium deutscher oder ausländischer Verlag ist nicht aussaggekräftig.
Es steht nicht immer drauf wo produziert wird, ob die Teile in Deutschland nur konfektioniert wurden.
Und auch das ist nur bedingt ein Kriterium für Qualität. Ich habe vor kurzem eine Nürnberg-Neuheit mit dem Aufdruck 'made in Germany' gespielt und die Karten waren so dünn, dass selbst mir das spontan aufgefallen ist. Wirklich gestört hat das aber nicht.
Zur Frage der Qualität gehört aber auch die nach sozialen und Umweltstandards bei der Produktion. Unter diesem Gesichtspunkt ist 'Made in China' mit Vorsicht zu genießen:
http://www.woek.de/fair-spielt/index.htm
Hier gibt es Angaben zu einzelnen Verlagen:
http://www.woek.de/fair-spielt/dt/fairspielt_icti-umsetzung.htm
Positive Angaben (auf Selbstauskünften beruhend) gibt es da neben Schmidt-Spiele auch für Hasbro und Mattel
Hier noch ein paar Zahlen:
Seit Jahren steigen die Importe von Spielwaren gegenüber der Inlandsproduktion nahezu kontinuierlich an. Im Jahr 1983 betrug der Anteil der Importe an der Summe beider Größen knapp 40 Prozent, im Jahr 2003 waren es knapp 70 Prozent.
...
Die deutschen Spielwarenimporte 2004 nach Lieferländern:
China 1.395,9 Mio. € = 53,00%
Niederlande 229,4 Mio. € = 8,72%
Dänemark 193,1 Mio. € = 7,34 %
Schweiz 123,9 Mio. € = 4,71%
Japan 122,5 Mio. € = 4,65%
Italien 51,4 Mio. € = 1,95%
Tschechien 35,3 Mio. € = 1,34%
Hongkong 34,4 Mio. € = 1,34%
...
Gruß,
Günter Cornett (Bambus Spieleverlag)
*Bambus lässt bekannterweise überwiegend am Messestand in Essen oder direkt beim Kunden** produzieren
** = vom Kunden