Beitragvon Roman Pelek » 30. März 2006, 02:37
Moin zusammen,
Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> Lol Margue schrieb:
>
> > Ein mMn (meiner Meinung nach) würde ich aber passender
> finden.
>
> Ich frage mich nur, warum nicht das eigentlich bekannte m.E.
> (meines Erachtens) verwandt wird. Das findet sich sogar im
> Duden (im Gegensatz zu IMHO).
Hm, vielleicht ist das schlicht wie so vieles als "historisch gewachsener Unfug" einer gewissen Altersschicht (wie z. B. meiner :-) ) zu sehen? Wer mit DFÜ a la Fido- und Usenet groß geworden ist, ist ein IMHO schlicht als Floskel gewohnt, ich meine damit Leute, die folgende Erfahrung kennen:
Erziehungsberechtigter (E): "Was'n das da am Telefon?"
Minderjähriger Untergebener (MU): "Ein Akustikkoppler "
E: "Der sieht fies aus. Und was macht der da?"
MU: "Daten übertragen."
E: "Ich sehe die wirren Zeichen auf'm Fernseher. Aber wohin tut er das?"
MU: "Nach so ziemlich überall"
E: "'Ziemlich überall' klingt für mich nach 'ziemlich teuer'."
MU: "Hm, vielleicht...? Also..."
E: "Und besteht da ein tieferer Sinn darin, ist das besser als Telefonieren?"
MU: "Ähm, aktuell nicht so richtig.."
E: "Dann nimm das bitte nur sehr eingeschränkt wahr oder verrate mir wenigstens, wo der Spaß liegt. In letzterem Fall: sag' Deiner Mutter nix davon."
MU: "Schon klar."
Sehr interessant in diesem Kontext finde ich übrigens, wie unterschiedlich selbst ein "m.E." oder "meines Erachtens" jenseits von Freakforen, in denen man einfach vor sich hin IMHOtept, wahrgenommen wird (habe ich mich schon etliche Male um Male gefragt).
Für mich ist "m. E." schlicht das deutsche Pendant zu "IMHO", einfach eine halbwegs angenehme, nicht zu strenge, nicht zu verlotterte Art zu sagen: "Das ist meine Meinung, sie muss nicht richtig sein, aber bis auf Widerlegung habe ich sie ganz lieb". Ein "m. E." verwende ich übrigens durchaus auch in der E-Mail-Korrespondenz im Job. Wenn man bei mir allerdings einem ausgeschriebenen "meines Erachtens" jenseits eines breitenwirksamen Textes, der rigide Formalien einfordert, begegnet, war ich entweder ziemlich gedankenverloren oder ziemlich sauer ;-)
Interessant ist eigentlich auch die Schizophrenie, dass ich in der BSW oder BSW-Foren jederzeit mit englischen Kürzeln um mich schlagen würde, im sb-Forum aber nie. Obwohl ich nicht selten mit den selben Leuten rede. Manchmal muss man sich wohl wirklich fragen, welche der parallel existierenden, situationsabhängigen Verhaltensweisen eigentlich die wirklich eigene ist. Wenn ich zu mir selbst ehrlich sein müsste: definitiv keine von beiden. Kommunikation ist manchmal so eine elendige Scharade, auch wenn man weder die zwischenmenschliche Notwendigkeit zur Kommunikation noch diejenige zur Scharade ernsthaft in Frage stellen kann. Vielleicht sollte man manchmal wirklich ernshaft und immer in Chiffren reden :-))
Ciao,
Roman ("What'ya gonna do, Katie? You're a sweet, sweet girl, but it's a cruel, cruel world [...] And my safety pins are not too strong" / Pete Doherty über Kate Moss)