Beitragvon Christiane F. » 9. April 2006, 18:11
Hi Matthias und alle anderen,
nachdem ich den Sonntag Nachmitta nutze, um mal wieder Forum nachzulesen, hier auch von mir ein paar Gedanken zum Thema.
Ich denke, dass für die Entscheidung, ob Ladengeschäft oder Internethandel, verschiedene Aspekte wichtig sind.
Ein Vielspieler, der sich ohnehin in Spielezeitschriften und im Internet informiert, kann gut im Internet kaufen, da er in der Regel weiss, was er will und keine Beratung nötig hat (wobei ich auch schon von Herrn Adam gesagt bekam: 'Frau Freikamp, ich glaube nicht, dass dieses Spiel was für sie ist' - also auch da ist Beratung durchaus vorhanden.).
Die Oma oder Tante, die für Enkel/Nichte/Neffe ein Geschenk sucht, versteht aber in der Regel nichts vom Thema, und ist darauf angewiesen, beraten zu werden - und da sind dann die kleinen Läden in der Regel der kompetente Ansprechpartner. Wobei es sie leider nicht überall gibt.
Die Alternative sind dann Kaufhauf, Karstadt, Müller, Vedes - und von der Qualität der Beratung da bin ich nicht wirklich überzeugt. Wenn ich mich da mal umschaue und höre, was den Kunden so gesagt wird, bin ich in der Regel ziemlich gefrustet - meistens habe ich das Gefühl, dass ich selber sehr viel mehr davon verstehe, als die Leute, die da arbeiten.
Wobei mir in einem Laden auch schon explizit gesagt wurde, dass der Laden früher die Spielbox abonniert hatte, damit die MitarbeiterInnen sich informieren können, dass aber der neue Inhaber das Abo aus Kostengründen gekündigt hätte - und dann wundert mensch sich, wieso die Angestellten uninformiert und unmotiviert sind.
Wobei viele, die in einem solchen Laden arbeiten, selber nicht wirklich spielen, sondern nur mehr oder weniger zufällig dort gelandet sind, es hätte auch jede andere Branche sein können. Und das ist ein wichtiger Unterschied zu den kleinen Läden: Jemand, der einen solchen aufmacht, ist in der Regel selber Spieler und weiss daher wirklich, wovon er/sie redet. Und dann macht es mir persönlich eben auch Spass, dahinzugehn zum Stöbern und Fachsimpeln. Wobei das eben auch auf die meisten Internetversender zutrifft.
Ich habe das Glück, einen von Spielern geführten Laden in unmittelbarer Nähe zu haben (5 Minuten zu Fuss :) ), und ich gehe da wirklich gerne hin, um mit den Leuten zu plaudern.
Eine Zeit lang hatten sie sich ein wenig wegbewegt vom klassischen Brettspiel und sich mehr auf Rollenspiel und Tabletops konzentriert, in der Zeit habe ich auch im Internet gekauft. Inzwischen haben sie sich wieder dem klassischen Brettspiel zugewendet, und bieten auch wieder Spieleabende an. Und da gibt es für mich keine Frage, ein Spiel, das ich bei ihnen ausprobiere, kaufe ich auch bei ihnen, und nicht im Internet.
Ich kann übrigens nur bestätigen, was Frank weiter oben schon geschrieben hat - wenn mensch in einem solchen Laden in ähnlicher Grössenordnung kauft wie bei einer Internetbestellung, ist durchaus ein gewisser Rabatt drin, und der Preisunterschied ist nicht mehr so gross. Und ich kann die Spiele direkt mitnehmen und hatte noch ein angenehmes Gespräch obendrauf.
Leider höre ich immer wieder, dass die Leute bei manchen Verlagen Probleme haben, beliefert zu werden - die grossen Ketten und die Internetversender werden bevorzugt bedient, und wenn dann noch was übrig ist, kommen die Einzelhändler an die Reihe. Manche Spiele sind daher erst spät oder im Extremfall gar nicht im Spieleladen meiner Wahl erhältlich - verstehen kann ich die Verlage zwar, aber freundlich finde ich das nicht. Und das treibt mich dann natürlich doch wieder ins Internet.
Wobei ich insgesamt durchaus einiges im Versandhandel via Internet kaufe - ein wichtiges Argument dafür ist, dass ich dazu jeder beliebigen Tageszeit einkaufen kann und die Sachen bequem nach Hause geliefert bekomme. Und da ich zum einen oft sehr viel arbeiten muss, zum anderen nicht Auto fahre, ist dieser Aspekt nicht zu vernachlässigen.
Fazit: Soll doch jedeR da kaufen, wo er/sie will - es gibt sowohl für den Fachhandel, als auch für die Internetversender gute Argumente. Und letztendlich muss es doch jedeR für sich entscheiden, wie er/sie das handhabt.
Die moralische Keule 'Ihr müsst aber den kleinen Fachhändler unterstützen' finde ich auf jeden Fall unangebracht, schliesslich hängen auch am Internethandel Arbeitsplätze, und es stehen Menschen dahinter, nur, dass mensch die in der Regel nicht zu sehen kriegt. (Wobei ich gerne zugeb, dass ich es schade finde, dass in den grösseren Städten die Innenstädte so allmählich alle gleich aussehn - eine Kette neben der anderen, kaum noch schöne kleine Läden. Aber die Verödung der Innenstädte ist ein anderes Thema.)
So, das war ein langer Erguss. Ich wünsch Euch noch ein schönes Restwochenende und vorsichtshalber auch schon mal schöne Ostertage,
Christiane
(die vorhin Thurn und Taxis in ihre BSW-Resi genommen hat und das auf jeden Fall heute noch ausprobieren will). :)