Beitragvon Marten Holst » 11. April 2006, 14:32
Moin,
In einem Buch von Umberto Eco (ich meine, es war das Focaultsche Pendel, weiß es aber nicht, da es nie von mir selber gelesen wurde) wurde die Kunst angesprochen, ein Haar in vier genau gleiche Teile zu spalten. In meinem Freundeskreis wurde mir eine Ehrendoktorwürde in dieser Disziplin verliehen. Von daher fühle ich mich mal angesprochen :-)
> Nun zu Marions Postings. Diese sind natürlich wirklich
> daneben, wie ich finde. Allein der erste Satz:
>
>> Dann spielt doch lieber gleich ZuZ oder Funkenschlag, statt Thurn und Taxis kaputt zu regeln.
>
> Das allein ist schon ein direkter Angriff an Frank. Erstens
> darf jeder so viele Houserules erfinden, wie er will und
> sich sein Spiel "kaputt regeln" wie er möchte. Ihm das
> Spielen und Erfinden zu untersagen, wie der zitierte Satz
> suggeriert, ist vollkommen daneben.
Hier tust Du allerdings - in meinen Augen - das, was Du später anderen vorwirfst, nämlich interpretieren. Für sich zu Hause darf jeder alles tun (also zumindest alles, was hier sinnvoll erwähnt werden könnte), aber wer hier in die Öffentlichkeit tritt und Meinungen hören will, der kann auch Meinungen zu hören bekommen.
Und wenn ich jetzt mal Marions Meinung interpretiere, komme ich in etwa auf: "TuT ist an Dir (Frank) vorbei entwickelt. Es ist nun allerdings wohl erfolgversprechender, ein Spiel zu spielen, das von vornherein Deinen Erwartungen eher entspricht, als in einem Spiel, das dies nicht tut, an ein paar Schrauben zu drehen, da so etwas (fast immer) an anderen Ecken die Balance eines Spieles aushebelt."
Abschließend finde ich Marions direkte Angriffe weniger deftig, als Franks Ausgangsposting in diesem Thread (was, um das klar zu stellen, natürlich auch noch locker von so manchem Post in anderen Foren getoppt wird).
> Schließlich komme ich nun zum Titel des Threads und seiner
> eigentlichen Aussageabsicht, dass hier im Forum zu viel
> Haarspalterei betrieben wird. Dem stimme ich voll zu. Ich
> möchte vor dem Erstellen eines Beitrags kein Jurastudium
> abschließen müssen, um meine Sätze so zu formulieren, dass
> sie evtl. ein Schwarzer in Amerika nicht missversteht
> (bewusst überspitzt formuliert). Hört einfach alle auf
> immer irgend etwas Unterschwelliges in den Beiträgen
> anderer zu sehen oder sie überzuinterpretieren bzw. immer
> haargenau wortwörtlich zu nehmen. Political Correctness is
> der größte Schwachsinn der Menschheit, geradezu geschaffen,
Äh, hier komme ich nicht mit. Weder sehe ich, wo man hier "juristsch präzise" schreiben muss (und wie präzise juristisch sich auswirkt sehen wir gerade an der lustigen Passarge-Spielepizza-Episode - ich verstehe da kein Wort :-) ), noch was das jetzt auf einmal mit PC zu tun haben soll.
Was allerdings immer beachtet werden sollte, ist dass schriftliche Kommunikation mit vielen unbekannten Leuten mit teilweise anderem "kulturellen" Hintergrund (und das können schon 4 Jahre Altersunterschied bewirken) zwangsläufig anders - und zwar vorsichtiger - sein muss, als mündlicher Text mit jahrelang Bekannten, denn dort gibt es zum Beispiel Mimik, Tonfall, etc. - und der Möglichkeit, Reaktionen zu erkennen und abzufedern, wenn man sich doch vertan hat.
> Haarspalter ist in meinen Augen schlicht arrogant. Er hält
> sich für was Besseres, weil er die Fähigkeit hat, seine
> Sätze so zu formulieren, dass sie von Jedermann auf dieser
> Welt exakt so verstanden werden, wie er es beabsichtigt,
> und er macht andere, die diese Fähigkeit nicht haben,
> runter, indem er bewusst ihre Sätze zehnmal auseinander
> nimmt und in allen 237 verschiedenen Interpretationsweisen
> auslegt, um klar zu stellen, wie sehr das Opfer doch im
> Unrecht ist, allein dadurch, dass seine Sätze nicht
> gesetzesbuchreif sind. Das ist lächerlich.
Wenn diese Missverständnisse bewusst gesucht werden, sicherlich. Aber manchmal passiert es, dass man einen Satz wirklich so versteht, wie man es vorgibt, und dann sauer ist, weil er eben - so verstanden - beleidigend war. Und dafür immer den Empfänger als Schuldigen zu sehen, das empfinde ich als lächerlich. In einem Forum schreibt man etwas, um anderen etwas mitzuteilen (wer nur schreibt, um sich selbst daran zu erfreuen, möge einfach zu Hause die Wand vollschreiben), und da ist es verdammt noch mal die Aufgabe, auf die potenziellen Leser einzugehen. Die haben nicht die Pflicht, Texte durchzukauen, bis sie verstanden (zu) haben (meinen), was der Autor hätte sagen wollen.
Und wo Du gerade allgemein wurdest: oftmals (und ich meine jetzt nicht diesen Thread, sondern Forenkultur allgemein) sehe ich es nicht als mangelnde Fähigkeit, sich klar auszudrücken, sondern bestenfalls als Sorglosigkeit, schlimmstenfalls als Arroganz - wenn das Wort so beliebt ist - dass meine Kommunikationsform wichtiger und besser ist, und wenn Du nicht verstehst, was ich meine, dann bist Du wohl dumm.
> Denn jeder einfache durchschnittliche, normale,
> Mensch wird meinen Beitrag und seine klare Intention
> richtig verstehen, ohne vorher Jura oder Germanistik
> studiert zu haben.
Vielleicht bin ich nicht einfach, durchschnittlich oder normal genug, trotz fehlendem Jura- oder Germanistikstudium, aber während ich weite Teile Deines Textes zu verstehen meine, sehe ich einfach den Zusammenhang nicht. Und was mich ankotzt, sind sinnlose Schimpf- und Wuttiraden.
Tschüß
Marten