Beitragvon Roman Pelek » 26. April 2006, 02:13
Hi Dietmar,
DiSta schrieb:
> ...das ist für mich persönlich ein Widerspruch in sich - es
> gibt an sich keine schwierigen Spiele - schon gar nicht für
> die Kategorie "Vielspieler". Welches Mitglied dieser
> Gruppierung würde sich schon eingestehen, dass ihm ein Spiel
> zu schwierig sei.....
Ich :-) Aber nur, wenn ich das von Dir gesagte mit Deinem Einverständnis mutwillig in eine leicht andere Richtung lenken darf ;-) Doch dazu zitiere ich Dich erstmal weiter:
> M.E. gibt es daher auch keine schwieirgen Spiel - es gibt
> komplexere Spiele, welche es erst zu durchschauen gilt und
> die sich einem nicht schon nach 10 sek erschließen.
>
> Doch was soll ein schwieriges Spiel sein ???
Für mich persönlich ist ein "schwieriges" Spiel ein Spiel, das eher kompliziert als komplex ist. Während es sehr schöne einfache Spiele gibt, die dennoch reichlich Komplexität an Entscheidungsmöglichkeiten im Spiel entfalten, gibt es m. E. auch solche, die regeltechnisch reichlich kompliziert sind, aber von der Spieltiefe eher Kinderbeckenqualitäten an den Tag legen. Sicher sind das keine Spiele, durch die Vielspieler rein intellektuell nicht durchsteigen könnten, aber solche, von denen man sich am Ende eines Tages sagen würde: "Diesen Aufwand war's nu' wirklich nich' wert."
> Manche Spiele lassen sich vielleicht schwieriger als andere
> erklären, vor allem einem absoluten Spieleneuling würde ich
> nicht unbedingt ein hochkomplexes Spiel erklären müssen -
> doch kann man dann gleich von einem schwieirgen Spiel
> sprechen ??
Hm, für normale Mitspieler vielleicht schon? Ist aber eine reine Frage der Begriffsdefinition, genau wie die beliebten Fragen "Was ist denn genau ein Vielspieler? Oder Spielefreak? Ab wann ist man Spielesammler?" (ich präferiere ja die vereinnahmende Bezeichnung "Wir Brettspielbekloppte", aber die ist nicht bei jedem Adressatenkreis angebracht. Manch verschattetes Irrlicht deutet apparante Selbstironie schließlich öffentlich auch gerne mal in Unseriosität um :-) ).
> Auch solche Aussagen "...nee - lass uns was anderes spielen,
> das ist viel zu schwierig...." lassen nicht unbedingt auch
> den Schwierigkeitsgrad eines Spieles schließen, sondern eher
> auf die Nichtbereitschaft eines Menschens sich mal auf mal
> Neues einzulassen....
Sicher richtig. Wobei das natürlich auch von der Tagesform abhängt. Selbst spielbegeisterte Menschen, die ich als Neu(igkeiten/-heiten)-gierig einstufen würde (inkl. mir) haben manchmal so Tage, an denen nix mehr geht außer das altbekannte "Tichu" oder eine Runde "Looping Louie". Wobei bei "Looping Louie" keiner mehr aus meinen Spielekreisen hinter mir sitzen will, seitdem ich rausgefunden habe, wie man den direkten Nachfolgespieler mit einem sanften, wohldosierten Lupfer seiner Hühnerchips beraubt, ohne dass dieser eine Chance hat, zu intervenieren :-))
> - ist deswegen das Spiel schwierig - ich würde sagen nein....
>
> Schwierig finde ich - ist in diesem Zusammenhang das falsche
> Wort...
>
> So denke ich über deine Frage - also ein rein subjektives
> Empfinden auf meine Person bezogen - wobei es sicherlich
> hierüber auch ganz andere Denkweisen geben wird, kann und darf.
Wie denkst Du denn über den Gedankenausflug in Richtung "schwierig = komplizierter, als es die Spieltiefe rechtfertigt"? Das ist sicher auch meilenweit von Objektivität entfernt, aber ein Ansatz, den ich gerne zur erklärenden Begründung subjektiven Empfindens bemühe :-)
> (...der aber manchmal Sinn und Zweck eines Spieles nicht
> versteht, wenngleich er dieses deshalb nicht als schwierig
> abstempelt - meist hat dies ganz andere Gründe ;) ....)
Zum Thema "schwierig" hätte ich noch ein schönes Zitat aus einer interdisziplinären Arbeitsbesprechung. Es ging schlicht darum, wie man Zeilen und Spalten einer Entscheidungsmatrix in einem Handbuch zu einem Softwareprodukt vertauscht und was dabei rauskommt.
Eine Mathematikerkollegin meinte dann ganz trocken: "Wo ist das Problem? Man transponiert die Matrix, in Excel gibt es dafür eine eigene Funktion, und fertig ist der Lack, die ganze Diskussion hier können wir uns sparen." Der allgemeine Kommentar: "Ihr Mathematiker mit Euren Lösungen seid manchmal schon ein bisschen schräg, also anders als andere Menschen irgendwie." ;-) Intern kam dann ihre Nachfrage: "Roman, sind wir wirklich so schräg?" - "Willst Du meine Hoffnung oder meine Befürchtung hören? Ohne speziellen Wunsch verkaufe ich am liebsten meine Befürchtung, da der Schutzreflex gegen vermeintliche Heilsbringer in Deutschland zum Glück gewachsen ist."
Und irgendwie kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass uns Vielspieler eine 1:1 übertragbare Problematik plagt, nämlich die Diskrepanz zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Außenstehender.
Ciao,
Roman ("Happy endings, no, they never bore me, they still don't bore me / but they have a way to make you pay / and to make you toe the line", Babyshambles: "@!#$ forever")