Beitragvon Grzegorz Kobiela » 10. Mai 2006, 02:29
Hallo Marten!
Sicher ist es dir erlaubt und sogar dein größtes Anliegen, den Preis nach deinen Wünschen zu richten. Und sicher ist es unser Konsumenten Recht, den Preis Wucher zu nennen oder nicht. Worum es mir u.a. hier geht, ist einfach nur aufzuzeigen, dass man u.U. mehr Zufriedenheit beim Kunden erreicht und selber dabei mehr Profit macht, wenn man von vornherein realistisch bleibt.
Ein riesengroßer Unterschied sind da die Software- und Musikindustrie und die Spieleindustrie. Spiele lassen sich nun mal nicht einfach so kopieren. Man kann höchstens die Regeln unter nen Drucker jagen und das Material selber basteln oder anderweitig zusammen stellen. So hab ich es damals mit Stratego gemacht, als ich keine 40 Mark zusammen kriegen konnte. Jahre lang spielte ich mein selbst gebasteltes Stratego. Aber natürlich mag man das Original, schon allein wegen der Ästhetik, lieber und nun hab ich es auch irgendwann gekauft. Im vergleichenden Sinne war ich also "Raubkopierer" für einige Zeit, wenn man das so bezeichnen darf (ich hab dadurch niemand was gestohlen). Und nur der Faulheit der Kunden wegen können Spieleverlage die Preise beliebig setzen, weil sich fast keiner sein Spiel selber basteln wird.
Daher ist das anders als mit der Softwarebranche. Dort ist es ein Kinderspiel (heutzutage wegen diverser Sicherheitsmechanismen nicht mehr ganz), eine CD/DVD zu kopieren. Daher sollten sich Softwarekonzerne große Gedanken drüber machen, wie sie den Preis orientieren, denn ein zu hoher Preis bedeutet kaum Absatz. Beispiel Windoof und Office, Macromedia Flash etc. oder gar Photoshop, 3D Studio Max. Ich wette 90% aller (nichtgewerblichen) Leute, die mit diesen Programmen arbeiten, besitzen keine legale Kopie. Denn wer hat schon mal 1000€ Euro locker, bzw. 5000€ oder mehr im Falle von 3D Studio Max? Klar steckt da enorm viel Entwicklungsarbeit drin und der Preis mag noch so gerechtfertigt sein - wenn das Geld nicht im Budget des potenziellen Kunden ist, macht man keinen Absatz damit. Ich finde sogar 1000€ für ein Programm wie Photoshop mehr als gerechtfertigt! Aber was soll's? Hier stimmt vielleicht das Preis-Leistungs-Verhältnis, dennoch ist das Programm für viele unbezahlbar. Das ist sogar der umgekehrte Fall unseres Materialkostenbeispiels. Da wurde Monate, gar Jahre dran entwickelt, von einer vielehundertköpfigen Crew. Der Preis stimmt somit, dennoch ist er für den Ottonormalverbraucher zu hoch.
Sicher kann man auf Angebot und Nachfrage setzen und mit einem überhöhten Preis beginnen. Doch dann läuft man Gefahr, den Kunden abzuschrecken. Die Zufriedenheit sinkt. Wenn ich laufend sehe, dass mein Lieblingsverlag Wucherpreise fordert, dann wird er bald mein Lieblingsverlag gewesen sein, auch wenn ich seine Spiele ein Jahr später vielleicht zum halben Preis bekomme. Denn ich sehe seine Absicht: Abzocke. Ich weiß, wie sehr viele von euch dieses Wort nicht mögen und ich gleich eine Belehrung von diversen Leuten bekomme, wieso ich denn sowas als Abzocke bezeichne, ich müsse doch nicht usw. usf. all den Blödsinn hab ich schon zig mal gehört. Dennoch: Wenn mich wer abzocken will, dann sinkt meine Zuneigung zu dem jemand, hier vllt. einem Verlag, Autor, etc. Der Verlag und der Autor haben sicher ein Recht auf Bezahlung. Doch wenn ich vergleiche und sehe: Woanders bekomm ich ähnliche Leistung (nicht nur Material, aber auch Spielspaßfaktor und Tiefe usw.) für deutlich weniger Geld, dann handelt es sich um Abzocke. Das Spiel könnte wie andre realistische Preise annehmen, tut es aber nicht, mit dem Zweck, möglichst vielen Fans das viele Geld schnellstmöglich abzuknöpfen, bevor das Spiel eh verramscht werden muss. Traurig. Ein Messerstich in den Rücken der eigenen Kundschaft.
Fazit: Man sollte zunehmend abwägen, wie viel man dem potenziellen Kunden zumuten kann. Angebot und Nachfrage können in die Hose gehen, wenn man seine Kundschaft mit Wucher abschreckt.
Gruß,
Grzegorz