Beitragvon Roman Pelek » 11. Mai 2006, 04:12
Hi Gustav,
Peter Gustav Bartschat schrieb:
>
> Raubkopien gibt es, weil Kriminelle sie herstellen,
> verbreiten und erwerben.
Nein und ja. Raubkopien überraschen vielleicht manchen so, weil im Standardmodell von Angebot und Nachfrage kein Platz für sie eingeräumt wird. Da in den gängigen Wirtschaftsüberlegungen sowie kein Platz für Moral mehr ist, können wir das aber eigentlich auch ganz außen vor lassen und das in der Richtung "Ursache und Wirkung" betrachten:
> > Und weil es so üblich ist, gibt es um Vielfache
> > mehr Raubkopien als Originale... Eine tolle Politik...
>
> ... ist nur ein Rechtfertigungsversuch kriminellen Verhaltens.
Nein, es ist ein statistisch nachweisbares Verhalten, das sich ganz unabhängig von eigenen Werten immer wieder zeigt ("je höher der Preis, desto mehr Raubkopien"). Egal, ob man es gut oder schlecht findet: es ist einfach da. Und jedes vernünftige Wirtschaftsunternehmen muss darauf reagieren, weil das auch ein (Schatten-)"Markt" ist. Juristerei wird da menschlichem Nachfrageverhalten eh nicht beikommen können.
> "Die Gesellschaft hat mich kaputt gemacht" ist auch ziemlich
> beliebt, oder "Ich habe das nur gemacht, weil ich das so im
> Fernsehen gesehen habe."
Je nu, das als Argument anzuführen, ist auch nicht sonderlich differenziert...
> Menschen sind für ihr Handeln selbst verantwortlich, und
> Schuld an der Existenz von Raubkopien tragen die Raubkopierer
> und ihre Hehler, nicht die Künstler, für die der Verkauf
> ihrer Werke ihre Art ist, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Was Du hier außen vor lässt, ist die Position derer, die als rechtsstaatlich getragene Vermittler der Kunst agieren. Sicher ist es nicht die Schuld der Künstler, dass ihre Kunst kopiert wird und sie mögen sich zurecht ärgern, dass der Lohn für ihre Arbeit an ihnen vorbei fließt. Aber auch jeder Künstler hat einen Verleger (als Protagonisten zum Antagonisten namens "Hehler"), und der sollte hoffentlich clever genug sein, diejenigen auszustechen, die weniger ehrenhaft agieren.
Ciao,
Roman