Beitragvon Roman Pelek » 11. Mai 2006, 02:43
Moin zusammen,
Marco schrieb:
> ja genau! Das trifft es auf den Punkt!
> Von den Spieleautoren fordern wir ja immer Neues,
> Innovatives...
...und manchmal auch komplett Verrücktes, Unverkäufliches... ;-) Aber mal im Ernst: durchaus interessante Idee, da sie in einem zeitnahen Textadventure von Infocom damals durchaus hervorragend funktioniert hat.
> Was kann es da inspirierenderes geben als ein solch
> verrücktes Buch.
Ein Problem, das ich sehe, ist, dass sich Douglas' Adams Humor nur sehr schwer mit typischen "Euro-/Gemanstyle"-Brettspielen, die stark auf logisch ineinandergreifender Mechanik/Balance und gradlinigem Design basieren, vereinbaren lässt.
Bei einem Textadventure kann man natürlich par excellence die verqueren Gedanken eines Douglas Adams' abfahren - und niemand nimmt es einem krumm, wenn man humorvoll jegliches logische Vorhaben abschmettert. Ich sage nur: "Inventory. You have: 1) a splitting headache 2) no tea.". Da muss schon was anderes her (Totschlagspielideen wie "Das 2006. Quiz zu Douglas Adams" lasse ich mal außen vor).
Aber es ist eine sehr interessante Frage, ob man gewisse Dinge überhaupt in Brettspielen greifen kann, ohne in die Quizschiene oder andere bekannt erfolgreiche Banalitäten mit aufgesetztem Thema zu verfallen ("Douglas Adams-Gedenk-MäDn" o.ä.). Wie will man bravourösen, anarchistischem Humor a la Adams, Monty Python, Loriot umsetzen? Oder Musik? Kurzum: Belange, die in ihrem Erfolg mehrheitlich nicht unbedingt auf einem greifbaren, stringenten Thema fußen, sondern von Momentaufnahmen und individuellen Emotionen, Assoziationen dazu leben?
> Und das du den Puzzleball nennst, ist für
> mich kein Zufall. Das ist schließlich das Innovativste, was
> auf dem Puzzlesektor seit langem passiert ist. Und ich kann
> nur sagen, auf dem Puzzleball wird NOCH NICHT gespielt...
Hm, man müsste eigentlich nur magnetische Aufhängung, die schon existiert, konsequent genug weitertreiben, dann könnte man sicher auch darauf spielen - Interessante Idee. Vor allem könnte man damit sogar den verqueren Gedanken realisieren, über den Rand einer vermeintlichen Scheibe hinaus zu fallen, obwohl man auf einer Kugel spielt, indem man in der unteren Hälfte einfach (vielleicht nur teilweise, vielleicht teilweise dynamisch) die Magneten weglässt... Aber da soll sich lieber mal ein Gunter Baars Gedanken machen :-))
> Und zum Alter der Bücher: Die Ägypter sind deutlich älter und
> es gibt wesentlich mehr Spiele zu diesem Thema.
Deren Kultur ist aber so alt, dass sie einerseits jeder als Kultur verinnerlicht hat und andererseits sich aus Erfahrung so ziemlich jeder sich jenseits von Däniken bewegende Mensch sicher sein kann, dass kein Pharao sich mehr ernsthaft aus seinem Grab erheben wird, um dem fälschlichen Schindluder, den man mit oder in seinem Namen treibt, Einhalt zu gebieten :-)) Oder anders gesagt: Tote Pharaonen tragen keine Lizenzansprüche mehr.
> Also nichts wie 'ran an das Thema.
Ach so, einen Einwand hätte ich noch: der Kinofilm zum "Hitchhiker" ist auch schon längst, aber wiederum grade grade passé. 'Ne verpasste Marketingchance, und die nächste wird vermutlich (leider) länger auf sich warten lassen.
Ciao,
Roman (Bei dieser Diskussion fällt mir Tori Amos ein, die in "Scarlet's Walk" - eigentlich angesichts des 9/11-Traumas - wunderschön über vermeintlich verrückte Ideen und deren nicht immer genau steuerbaren Besitzansprüche sinniert hat: "If you're a thought / you will want me to think you / and I did / invited a guest up / until you announced that you had moved in")