Beitragvon Jan Mirko Lüder » 31. Mai 2006, 22:09
Hallo Tom und alle anderen,
den Vorwurf, "Thurn & Taxis" sei ein Abklatsch von "Zug um Zug", kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Das es gewisse Parallelen und Ähnlichkeiten in den Mechanismen und dem Spielgefühl gibt, möchte ich gar nicht leugnen.
Allerdings beinhaltet T&T auch eine ganze Reihe fein strukturierter Alleinstellungsmerkmale, die es mechanisch doch sehr stark von seinen "Vorgängern" unterscheidet:
T&T ist ein Tempospiel, bei dem der Zeitpunkt der Auslage der gesammelten Karten keinesfalls beliebig ist. Um das Spiel erfolgreich abschließen zu können, ist erheblich mehr Planung möglich und in erfahrener Runde auch nötig als etwa bei ZuZ. Zudem ist T&T mehrdimensional, es gibt viele Wege zum Sieg(punkte sammeln, von denen manche vielleicht etwas besser sind als andere). Insbesondere die Einsetzregelung für die Poststationen ist außerdem sehr wohl originell, innovativ und in meinen Augen eines der Schlüsselelemente des Spiels.
Die Zielgruppe des "Spiel des Jahres" dürfte es indes kaum interessieren, ob der aktuelle Preisträger zu einem anderen Preisträger irgendwelche Ähnlichkeiten hat wenn diese nicht [b]störend[/b] sind. Wer sich von solchen Parallelen gestört fühlt, beweist im Grunde bereits, das er offenbar nicht zu dieser wenig spielenden (zumeist kaum informierten) Zielgruppe gehört, die richtet sich doch sonst auch nicht nach Kriterien wie Originalität oder Innovationsgehalt! ;-)
Meine Erfahrung legt mir sogar nahe, dass viele Gelegenheitsspieler sogar eben solche Ähnlichkeiten wünschen: Ich werde oft zu Spielen gefragt, ob es zu diesen Erweiterungen gäbe und man diese also (ohne ein neues Spiel erlernen zu müssen) auch über einen längeren Zeitraum mit Abwechslung spielen könne. Die allgemein stark ausgeprägte Nachfrage für Erweiterungen für Spiele wie "Carcassonne", "Alhambra" oder die "Siedler von Catan" belegt dies eindrucksvoll.
Es verwundert mich übrigens, dass sich nun so viele Stimmen finden, die der begeisterten Aufnahme von T&T in breiten Spielerkreisen vehement widersprechen und damit wohl auch zum Ausdruck bringen wollen, die (für den kurzen Zeitraum wohl ungewöhnlich vielen) Käufer des Spiels hätten einen schwerwiegend fehlerhaften Spielegeschmack ob ihrer zum Himmel schreienden Anspruchslosigkeit. (sorry, ist vielleicht ein bisschen überzogen)
Das SdJ-Toto und die bisher erfolgten Spieleumfragen ergaben schließlich allgemein ein ganz anderes Bild. Wenigstens meine Mitspieler sind so begeistert von dem Spiel, wie ich selbst und diese Begeisterung hat sich in den vergangenen Wochen erst nach und nach entwickelt. Ich glaube schon, dass "Thurn & Taxis" der beste Kandidat für's "Spiel des Jahres" ist, denn trotz Caylus könnte ihm in diesem Jahr ggf. ein Strike gelingen: also der Gewinn beider Spielepreise, SdJ [b]und[/b] DSP. Daran ist der Jury durchaus sehr viel gelegen, untermauert sie doch durch solche Doppelsiege, dass sie eben den Geschmack [b]aller[/b] Spieler treffen kann und möchte. Mit "Zug um Zug" etwa war ihr das zuletzt recht schlecht gelungen, bei Niagara war das angesichts des Erfolges von Louis XIV hingegen bereits vorhersehbar.
Spielerische Grüße
Mirko (der enttäuscht wäre, wenn weder T&T noch BMC den Preis gewänne)