Beitragvon Volker L. » 6. Juni 2006, 03:26
Da wir Sandra ja inzwischen überzeugen konnten, PR mal auszuprobieren
(http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=139439&t=139393 )
habe ich länger überlegt, ob ich hier überhaupt nochmal antworten
soll, mich aber letztendlich dafür entschieden.
Braz schrieb:
>
> Volker L. schrieb:
> > komisch - ähnliches denke ich bei Deinen Beiträgen in diesem
> > Thread ;-)
> >
>
> nun, jedem seine Meinung, Volker.... ;)
>
> aber ich denke nicht, daß der Verlag nicht weiß, für was er
> da Werbung macht, oder?!
doch, wissen tun sie es schon, aber der von Dir im früheren Posting
zitierte Satz ist eben eine Werbeaussage, d.h., es ist erstens
vereinfacht und zweitens ein wenig übertrieben.
Denn es sind eben [b]nicht[/b] [i]alle[/i] Grundmechanismen aus PR
auch in SJ enthalten.
> > Jein.
> > Alle Grundmechanismen von SJ stecken auch in PR, aber
> > umgekehrt enthält PR vieles, was in SJ rausgenommen wurde.
>
> :???: sagte ich was Gegensätzliches :???:
Ja.
OK, mein Fehler, ich habe mich etwas ungenau ausgedrückt.
Ich formuliere es mal anders:
Alle Grundmechanismen von SJ stecken auch in PR, aber
nicht alle Grundmechanismen aus PR stecken auch in SJ.
Und ja, Du hast in der Tat etwas Gegenteiliges gesagt.
> > Insbesondere das Kolonistenmanagement ist ein Aspekt, der
> > einen erheblichen Unterschied zwischen SJ und PR zur Folge
> hat.
>
>
> Volker, ich möchte dir ja nur ungern widersprechen, aber das
> sind Feinheiten, welche du da erwähnst. Natürlich sind das
> Unterschiede in beiden Spielen, aber es sind nicht
> Unterschiede das Grundprinzip betreffend UND das schrieb ich!
(...)
> > Und auch der Konflikt Verkaufen <---> Verschiffen bringt ein
> > erhebliches Weiteres taktisches Element ins Spiel, das bei SJ
> > fehlt.
>
>
> Volker, Spiele wie San Juan und Thurn und Taxis sind -selbst
> aufgrund der Charakterwahl- grundverschieden. Puerto Rico und
> Werwölfe von Düsterwald oder jedes andere Kartenspiel sind
> grundverschieden. Zu behaupten aber, daß San Juan und Puerto
> Rico ebenso grundverschieden sind bloß wegen dem z.B.
> "Konflikt Verkaufen <---> Verschiffen " -> Ne, sorry. Das
> sind nun echt Unterschiede, welche das Grundprinzip nicht
> tangieren, aber ansch. weißt du ja mehr als der Verlag,
> oder?! ;)
Und genau hier muss ich Dir energisch widersprechen :-)
[*] Kolonisten
Bei SJ baut man Gebäude (Karten), die immer automatisch
funktionieren. Bei PR braucht man dazu aber noch die
Kolonisten. Und die haben es in sich! In den meisten Fällen
wird man weniger Kolonisten zur Verfügung haben, als man
gerne hätte, was bedeutet, dass man eine Entscheidung
treffen muss, welche Gebäude bzw. Plantagen man besetzt,
dabei muss man auch vorausschauend setzen (wird eher
gebaut oder eher produziert --> besetze ich lieber die Maisplantage
oder den Steinbruch? Kommt gleich der Kapitän ---> dann doch
lieber Werft/Hafen/Lagerhaus besetzen).
Will ich demnächst möglichst viele Kolonisten auf dem Schiff
haben, um bei der nächsten Verteilung viele zu bekommen
und/oder das Spielende schneller herbeiführen? Dann
lege ich soviele wie möglich auf Plantagen und lasse Platz in
den Gebäuden, will ich das Spielende lieber später, besetze
ich viele Gebäudeplätze und lasse Plantagen frei.
Unter Umständen kann ich damit (als letzter Spieler) exakt
bestimmen, wieviele Kolonisten aufs Schiff kommen und ggf.
eine bestmögliche asymmetrische Verteilung erreichen (bei
[i]n[/i] Spielern und [i]n+1[/i] Kolonisten kriegt der Bürgermeister 3
und alle anderen nur 1).
Dies hat einen [i]immensen[/i] Einfluss auf das Spiel.
[*] Verschiffung
Die Siegpunkte durch Verschiffung gibt es in SJ gar nicht, in PR
machen sie grob die Hälfte der Punkte aus! Durch die Wahl des
Kapitäns im richtigen Moment und ebenso durch die überlegte
Wahl, welche Ware man in welches Schiff legt, kann man die
Gegner oft daran hindern, Punkte einzufahren (die seltenste
Ware ins größte Schiff ---> Platz bleibt frei, die häufigste Ware
ins kleinste Schiff ---> vieles bleibt liegen) und ggf. sogar für
ersatzlosen Verlust der Ware sorgen. Oder man zwingt den Gegner,
die teure Ware zu verschiffen, die er doch eigentlich verkaufen
wollte.
[i]Noch größerer Einfluss.[/i]
"Feinheiten", Details, wie Du oben schriebst, sind die Tatsache, dass
die Produktion bei PR zweistufig ist (Plantage und Gebäude), die
Tatsache, dass das Warenhaus 4 Plätze hat und nichts mehr annimmt,
wenn es voll ist oder der Umstand, dass man keine Ware verkaufen
kann, die schon drinliegt,
aber der Kolonistenaspekt und der Verschiffungsaspekt haben einen
so gewaltigen Einfluss auf das Spiel, dass sie definitiv zusätzliche
[i]Grundprinzipien[/i] in PR darstellen, die eben bei der "Abspeckung"
zu SJ rausgenommen wurden.
> Ebenso brachte ich meine Meinung ein, daß San Juan sehr wohl
> mE taktisch ist. Solltest du daher denken, daß das der größte
> Quatsch ist, nun gut....die Meinung sei dir
> überlassen.....ich denke mir dazu mein Teil.... ;)
Nein, dieser Teilaussage von Dir wollte ich gar nicht widersprechen :-)
nur der Schlussfolgerung, dass wer die Taktik in SJ nicht erkennt,
sie auch in PR nicht finden würde.
Wer die in 3 Metern Entfernung sitzende Maus nicht sieht, der mag
ja kurzsichtig sein, ich würde aber trotzdem nicht drauf wetten, dass
er den ebenfalls 3 Meter entfernten Bernhardiner auch nicht bemerkt ;-)
Gruß, Volker