Beitragvon Roman Pelek » 14. Juni 2006, 02:55
Hi Robert,
Robert Vötter schrieb:
>
> Hallo an alle,
> ich selbst würde gerne ein paar Kritiken über verschiedene
> Sachen schreiben,nur fehlt mir leider dazu ein bischen das
> Talent.
>
> Gibt es eigentlich irgendwo Kurse,wo man so etwas lernen kann ?
> Oder soll man einfach einmal anfangen (Try and Error System ? )
Zu Kursen oder Lehrbüchern kann ich Dir nur wenig sagen, da mögen Dir die Tipps meiner Vorredner weiterhelfen. Zur Praxis etwas mehr:
- Angehenden Spieleautoren mag man "testen, testen, testen" mit auf den Weg geben, Rezensenten "schreiben, schreiben, schreiben". Wie fast überall ist Übung und das Einholen von Feedback enorm wichtig. Lasse Deine Texte stets redigieren, hole Dir kritische Meinungen vor der Veröffentlichung ein.
- Viel lesen (hier primär journalistische, weniger literarische Texte), und darauf achten: was gefällt, was nicht. Ggf. auch bei Formulierungen recherchieren, wo sie herkommen, in welchem Kontext sie passen. Damit findest Du irgendwann auch automatisch einen eigenen Stil, ein Sprachgefühl: das übernehmen, was Du liebst, das lassen, was Du hasst.
- Sich einen strukturellen Aufbau vorzugeben, hilft sicherlich. Z. B. "ein Teil Einleitung, zwei Spielbeschreibung, drei Fazit". Aber immer bedenken: das ist ein Hilfskonstrukt, das nur danach lechzt, situationsabhängig durchbrochen, ignoriert zu werden.
- Die Hölle "Spielbeschreibung": Du wirst sie bitterlich hassen lernen 8-) Orientiere Dich nie zu stark an der Spielanleitung, und wenn, dann maximal an der Struktur eines gut geschriebenen Exemplars. Schlechte Spielanleitungen sind gar keine Hilfe. Und ob drei Pöppel irgendwo stehen oder fünf, ist vollkommen wurscht, solange Du damit nicht ein zentrales Spielelement vor Augen führen kannst. Dass es in Kniffel fünf Würfel und maximal drei Versuche gibt ist sicher erwähnenswert. Ob ein Vierer-MäDn-Plan 40 oder 138,5 Lauffelder besitzt, auf denen geschlagen werden darf, interessiert hingegen kein Aas.
- Beachte die Zielgruppe, und orientiere Dich daran: Schreibst Du im Internet für Vielspieler, wollen die sich eher schnell über Details zu Spielmechanismen informieren. In einem Printmedium für Vielspieler hat ggf. der Unterhaltungswert, der Schreibstil mehr Gewicht. Und schreibst für Leute, die sich nur am Rande für Spiele interessieren, wiegt wohl in allen Medien der "Geschmack", den Du vermittelst, am schwersten.
- Zu guter Letzt: beherzige Marions Rat. Mammutsätze mögen etwas für manche Deutsch- oder Englischlehrer sein (meine Englischlehrerin liebte sie auch). Meinetwegen erklimmt man auch literarische Höhen, indem man einen Satz syntaktisch und semantisch über zwölf Zeilen durchhält. Für praxisorientierte Texte wie Rezensionen ist das aber tödlich. Wenn Du sehr eloquent bist, hat das vielleicht noch den Charme von besserem 70er-Jahre Prog-Rock, ansonsten den von zu Recht vergessenen 80er-Jahre-Hardrock-Gitarrensoli. Diese Form von "Schwanzvergleich" hinsichtlich der eigenen Formulierungskünste sollte man in Rezensionen stilistisch nicht unbedingt anstreben, außer man möchte mutwillig auf "unverstandener Künstler" machen :-))
Ciao,
Roman