Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 16. Juni 2006, 06:17
Reiner Köstner schrieb:
> Wenn die Menschheit nicht den Ehrgeiz hätte immer alles
> schöner, besser und größer machen zu wollen, würden wir
> vielleicht immer noch in Höhlen wohnen (hoffentlich kommt
> jetzt keine Diskussion, ob das nicht besser gewesen wäre).
Ich neige eher zu einer Diskussion um die Frage, ob unsere Vorfahren überhaupt jemals in Höhlen gewohnt haben.
Das ist zwar ein beliebtes Klischee, das wahrscheinlich darauf basiert, dass Knochenfunde früherer Menschenrassen gelegentlich in Höhlen gemacht wurden, und in Höhlen auch einige steinzeitliche Malereien überdauert haben.
Da unsere Vofahren aber nach allem, was die Paläoanthropologie zur Zeit weiß, nomadisierende Bewohner von Wäldern und Steppen waren, erscheint mir das Bewohnen - zumindest das Gewohnheitsmäßige Bewohnen - von Höhlen eher unwahrscheinlich. Ich vermute, das Überdauern von Funden in Höhlen liegt eher daran, dass alle Relikte außerhalb von Höhlen vom Zahn der Zeit weggenagt wurden, nicht, dass unsere Vorfahren sich überwiegend in Höhlen aufgehalten hätten.
Vielleicht kann man sich das so ähnlich vorstellen, wie eine Situation in zukünftiger Zeit, in der nur noch die Relikte weniger großer, fester Gebäude überstanden haben, während der Rest vom Erdboden verschwunden ist: Spätere Forscher könnten zu dem Schluss kommen, ihre Vorfahren hätten überwiegend Räume bewohnt, die auf einer Seite vergittert waren, und daheim gestreifte Kleidung bevorzugt.
Eine andere Frage ist, ob Fortschritt wirklich auf Ehrgeiz beruht, oder vielleicht eher auf Faulheit und Langeweile.
Für die Faulheit spricht, dass die Mehrzahl aller Erfindungen körperlich anstrengende Arbeiten erleichtert oder verkürzt (Hebel, schiefe Ebenen, Räder ...), für die Langeweile spricht, dass Hochkulturen nur in fruchtbaren Gegenden und Zeiträumen entstanden sind, als die Menschen nicht den ganzen Tag mit der Suche nach Nahrung beschäftigt waren, sondern auch mal ein paar Stunden mit Nichtstun. Dabei kann man auf die seltsamsten Gedanken kommen wie z.B.: "Wenn ich doch nur eine Möglichkeit fände, diesen lästigen Tiger zu erlegen. Ein spitzer Stein wäre gut - aber ich möchte nicht so nah an den Tiger heran. Ein Stock wäre zwar lang genug, aber zu stumpf. Hmmm ... ob man einen spitzen Stein und einen Stock irgendwie zusammenbringen kann?"
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... und irgendwann hat dann vielleicht sogar jemand eine Rezension über dieses seltsame neue Dingsda namens ´Speer´ mündlich vorgetragen: "Radikal bricht Grumpfs neue Erfindung mit der Tradition ´Ein Werkzeug - ein Material´. Durch seine Kombination von organischen und anorganischen Baustoffen stößt er, wie vor allem die jüngeren Stammesmitglieder meinen, eine Tür in jenes unentdeckte Land namens ´Zukunft´ auf. Bei genauerer Betrachtung aber zeigt sich, dass der sogenannte Speer keineswegs eine reine Verbindung zweier Elemente ist: Die Verbindung gelang nicht durch einfache den Göttern gefällige Zusammenfügung, sondern nur unter Zuhilfenahme kleberiger Bauteile wie Tiersehnen und Baumharz. Darum erkennt der erfahrene Jäger schnell, dass Groo sich auf einem Irrweg befand, denn kleberige Materialien und die Jagd passen einfach nicht zusammen. Zukünftigen Erfindern kann euer Rezensent daher nur empfehlen, mehr auf das Material zu achten. Das Wetter."
Mit einem lieben Gruß
Gustav