Beitragvon Jan Mirko Lüder » 7. Juli 2006, 10:57
Hi Peer,
peer schrieb:
>
> Stimmt, schon Hegel beklagte die Verwahrlosung der deutschen
> Sprache, in Anbetracht dessen, hab ich nicht mehr viel zu
> verlieren ;-)
Jo, zu Zeiten der Aufklärung galt Populärliteratur ja auch als großes Übel, das die deutsche Sprache vermeintlich schwerwiegend gefährdete. Ich würde mal sagen, seitdem der Schriftverkehr die intellektuellen Eliten verlassen hat, gibt es einen kontinuierlichen Verfall der Qualität von Schreibstil und Ausdrucksvermögen der schreibenden Zünfte. [Ja, ich weiß, dass das böse ist.] ;-)
> Allerdings meinte Mirko eher die Verwahrlosung die mit SMS
> bzw. Chat einhergeht: Sehr viele Kürzel, keine
> Groß/Kleinschreibung etc. Du meinst was anderes - zumindest
> implizieren das deine Beispiele...
Jein, ich kann den Franz schon gut verstehen...
> Ich glaube aber auch, dass die meisten Menschen (ich z.B.)
> durchaus trennen kennen, zwischen dem Deutsch in einer SMS,
> in einem Posting, in einer Rezension, in einer
> wissenschaftlichen Arbeit. Ist immer dieselbe Sprache, aber
> doch unterschiedliche Ansprüche und entsprechende Anpassungen
> im Satzbau, Grammatik und Ausdrucksweise. Wer die
> "Verwahrlosung der Sprache" propagandiert sollte dies
> berücksichtigen.
[b]Das[/b] trifft vielleicht auf uns zu, wenn ich mir aber meine (wenigen) gleichaltrigen Freunde und Kontaktperson näher anschaue bzw. anhöre, kommt mir oft das Grausen. Da werden oft Kürzel und Smileys in die laufende Sprache eingebunden und Emotionen mit Bezeichnungen wie "schluchz", "bibber" oder "heul" bedacht. :mad: Das bereitet mir durchaus Sorge, denn mit diesen Menschen soll ich alt werden... :cry:
"Propagandiert" finde ich übrigens niedlich! Ist das jetzt neue Rechtschreibung? :-)) Ich dachte eigentlich, das heißt "propagiert"?
> Und "Sinn machen" wird -ob wir wollen oder nicht - in 20
> Jahren fester Bestandteil der Sprache sein, so wie es heute
> Büro (statt Bureau) oder "Humankapital" ist. Ist das
> Verwahrlosung oder Evolution? Ich weiß es nicht...
Als "evolutionär" würde ich eher die zunehmende Internationalisierung der Sprache betrachten, nicht unbedingt ihre Verflachung...
> Fest steht nur, dass man sich mit diesem Thema so herrlich
> produzieren kann und zeigen, was man doch für ein schlaues
> Kerlchen ist ;-) (Und das gilt für mich ebenso wie für dich...)
Da will ich mich natürlich nicht ausgrenzen. :-D
Zugegeben: Klugscheißerei macht Spaß! :-)
> Ich schließe mit einem Satz, den ich von einem Schüler auf
> der letzten Klassenreise gehört habe: "Mach mal Tasche!"
Oh ja, schauderhaft: Wenn ich den Kids so zuhöre, überlege ich gelegentlich, ob sie nicht besser ins "Schwizer Dütsch" wechseln sollten, so "lässig", wie sie mit ihrer (Aus)Sprache umgehen.
Spielerische Grüße
Mirko (der lieber sinnlos spielt, als sinnlos Linguistik betreibt)