Beitragvon Steffen S. » 15. Juli 2006, 14:45
Hi Kudde,
dem Anspruchsvergleich Goa vs. Funkenschlag muss ich einfach widersprechen. Sicher ist es so, dass die Grundstruktur bei beiden Spielen ähnlich anspruchsvoll ist, sie ist ja sogar vergleichbar (Versteigerungsphase - Ausbauphase). Dennoch, und das mach ein Spiel eigentlich erst "kompliziert", besitzt Goa eine Menge von dem, was Heike mit "Sonderfällen" oder "Regeldetails" gemeint haben wird: Eine stolze Menge von einzelnen Plättchen mit Sonderfunktionen, dazu die wenig intuitiven Karten, die allesamt ebenfalls besondere Funktionen im Spiel und bei der Wertung tragen.
Und GENAU DIESE Elemente sind es, die man immer wieder vergisst, wenn man ein Spiel einige Wochen oder gar Monate nicht mehr gespielt hat. Wie das Spiel "im Prinzip" funktioniert, ist einem noch klar - aber wie war das nochmal mit Karte X oder Plättchen Y? WIe war das nochmal mit dem Handling der Plantagen, wofür gab es die Sonderzüge? Funkenschlag besitzt keines dieser Elemente - es ist "straight forward" struktiert. Du ersteigerst, du kaufst, du baust. Das läuft immer gleich, es gibt weder Sonderaktionen, noch Handkarten noch sonst irgendetwas, das als Querverstrebung zum gradlinig organisierten Spielmechanismus verläuft. Das ist bei Goa ganz anders.
Nicht falsch verstehen: Ich finde Goa großartig. Aber es ist erheblich "detailverliebter" als Funkenschlag, noch dazu thematisch konstruierter/"aufgesetzter", und damit weitaus weniger intuitiv und einprägsam. Dazu kommen deutliche Wartephasen, wenn die Mitspieler auf ihrem Tableau agieren. Und diese Wartephasen tragen einen sehr disjunkten Charakter: Während ich bei anderen Spielen (z.B. Union Pacific, wenn das oben schonmal genannt wurde) interessiert verfolge, was meine Mitspieler machen, weil jeder Zug direkten Einfluss auf mein eigenes Spielverhalten hat, kann mir bei Goa 90% der gegenerischen Tableauhandlung einigermaßen egal sein. Dieser Umstand lässt m.E. die "gefühlte Wartezeit" deutlich ansteigen. Noch dazu kommt, dass es passieren kann, das am Ende der Aktionsrunde mehrere Spieler eine oder mehrere ihrer roten Sonderaktionskarten einsetzen. Wenn diese dann noch in spielentscheidenden Phasen zu rechnen anfangen, sitzt man schonmal bis zu 10 Minuten untätig rum.
Und noch einmal: Ich liebe Goa. Aber die genannten Anforderungen laufen ihm zuwider, und den Anspruchsvergleich zum ebenfalls herausragenden Funkenschlag (das ich in seinem "Ruf" in Sachen Anspruchsniveau übrigens für überschätzt halte! Theorie meinerseits: Wäre die Regel einen Tick besser strukturiert, wär´s vielleicht nie als anspruchsvoll eingestuft worden) kann ich einfach nicht gelten lassen.
Grüße,
Steffen