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provopoly

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Ina Lange

provopoly

Beitragvon Ina Lange » 14. August 2006, 14:28

Provopoly: mir wurde davon berichtet. Kennt jemand das Spiel? Ist es gut?

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peer

Re: provopoly

Beitragvon peer » 14. August 2006, 14:34

Hi,
Ina Lange schrieb:
>
> Provopoly: mir wurde davon berichtet. Kennt jemand das Spiel?
> Ist es gut?

Kommt drauf an, was du erwartest. Spielerisch ist es eher einfach gestrickt (Würfeln und bewegen). Aber die Athmosphäre kann sehr lustig sein, wenn sich die Spieler richtig reinhängen.
Beispiel: Darf man einen Sprengsatz zünden, wenn jemand im Haus steht? Technisch ja, aber ist das moralisch vertretbar?
ciao
peer

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Mike Merten

Re: provopoly

Beitragvon Mike Merten » 14. August 2006, 15:33

Ich habe es "damals" sehr gerne gespielt. Also als es herauskam. Heute würden mir dazu die passenden Leute fehlen. Das Spiel habe ich immerhin noch! :)

In der richtigen Runde kann es recht gut abgehen. Es spielen zwei Parteien gegeneinander, und jede Partei muß audiskutieren, was sie wie tun will.

Bei den Aufgaben, die die Parteien haben, darf man auch nicht vergessen, zu welcher Zeit das Spiel entstand (in den nach-68er-Jahren), und wer die Zielgruppe war (undogmatische Linke, links von der DKP. Also Spontis und so).

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VolkiDU

Re: provopoly

Beitragvon VolkiDU » 14. August 2006, 19:35

peer schrieb:
> Ina Lange schrieb:
> > Provopoly: mir wurde davon berichtet. Kennt jemand das Spiel?
> > Ist es gut?

> Kommt drauf an, was du erwartest. Spielerisch ist es eher
> einfach gestrickt (Würfeln und bewegen). Aber die Athmosphäre
> kann sehr lustig sein, wenn sich die Spieler richtig
> reinhängen.
> Beispiel: Darf man einen Sprengsatz zünden, wenn jemand im
> Haus steht? Technisch ja, aber ist das moralisch vertretbar?

Hallo Peer,

wenn noch weitere Fragen solches Typs dabei sind, könntest Du noch die eine oder andere Frage noch hier reinsetzen?

Das Spiel kenne ich nicht.

69er Grüße
Volker

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achim

Re: provopoly

Beitragvon achim » 14. August 2006, 19:51

Soweit mir bekannt ist, war Provopoly indiziert. Ich weiß jetzt nicht ob diese Indizierung in der Zwischenzeit wieder aufgehoben wurde. Beinhaltet 68er Gedankengut. Das war schon immer staatsfeidlich. :wink:

Gruß
achim

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peer

Re: provopoly

Beitragvon peer » 15. August 2006, 10:09

Hi,
OK, jetzt hab ich etwas mehr Zeit und kann das Spiel etwas klarer beschreiben.

Grundsätzlich gibt es zwei Lager: Staatsgewalt und Linke. Ob ein Lager komplett von einer Person gespielt wird oder von mehreren spielt keine Rolle, so dass es zu 2. ebenso spielbar ist wie mit mehreren (dann gibts feste Figurenzuordnungen innerhalb der Teams). Zu mehrt ist es aber lustiger. Der Spielplan zeigt eine Stadt und die Laufwege in derselben
Eine Seite bekommt nun einen geheimen (oder auch offenen, je nach Lust und Laune) Auftrag.
Die Polizisten können im Spiel Linke verhaften, Linke können sich gegenseitig befreien und Barrikaden aufbauen. Bei einigen Szenarien gibts dann auch Sprengsätze.

Ein bisschen Taktik ist also schon im Spiel, aber in erster Linie lebts von der Stimmung. Und die Regeln lassen viel zu und sind bewusst offen gehalten.
So gibt es ein Szenario, bei dem die Linken ein Haus sprengen sollen. Schaffen sie es den Sprengstoff zu platzieren, aber ein Polizist befindet sich im Haus - Sprengen sie es dann wirklich oder nicht? Das hängt von den Spielern ab. In einigen Runden mag es da gar keine Diskussion geben, aber für die ist das Spiel gar nicht.
OK, angenommen sie sprengen nicht - Wie bekommen sie den Polizisten da raus? Also müssen sie wieder rein, und den gemeinsam rausziehen. Dann haben die anderen Polizisten aber wieder Zeit, die Sprengung zu verhindern etc.

Strenggenommen ist es ein taktisches Laufspiel (mit nicht gerade geringem Würfelfaktor). Aber durch die gewollte "Lebensnähe" ist es schon ziemlich einzigartig. Und gerade deswegen nicht jedermanns sache...

Tja, Schade, dass du nicht in Berlin wohnst :-) Ich würd meins gerne mal wieder rausholen...

ciao
peer

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peer

Re: provopoly

Beitragvon peer » 15. August 2006, 10:10

Hi,
achim schrieb:
>
> Soweit mir bekannt ist, war Provopoly indiziert. Ich weiß
> jetzt nicht ob diese Indizierung in der Zwischenzeit wieder
> aufgehoben wurde. Beinhaltet 68er Gedankengut. Das war schon
> immer staatsfeidlich. :wink:

Die Indizierung wurde meines Wissens wieder aufgehoben. Indiziert wurde es wegen der Sprengaufträge "Aufruf zum Terrorismus", wenn ich nicht irre..

ciao
peer

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Mike Merten

Re: provopoly

Beitragvon Mike Merten » 15. August 2006, 12:31

Aber wer innerhalb der Provopoly-Zielgruppe kümmerte sich schon um ein "ab 18"? :-))

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achim

Re: provopoly

Beitragvon achim » 15. August 2006, 12:56

Mike Merten schrieb:
>
> Aber wer innerhalb der Provopoly-Zielgruppe kümmerte sich
> schon um ein "ab 18"? :-))

Hallo Mike,
es ist schon ein Unterschied, ob ich als Händler etwas "ab 18" anbieten kann (Junta, Grass), oder bei einer gegebenen Indizierung nur versteckt (ohne Werbung und Ausstellung). Das merkst du dann spätestens wenn es an deiner Haustüre klingelt, nachdem du indizierte Waren über Ebay versteigert hast. Mit einer Zielgruppen-Diskussion kommst du dann da nicht weiter. Das "Dealer Mc Dope Dealing Game" ist ein ähnlicher Fall.

Gruß
achim

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Mike Merten

[OT] Indizierung

Beitragvon Mike Merten » 15. August 2006, 13:16

Junta ab 18??? Ich weiß durchaus, daß auf der deutschen Ausgabe ein entsprechender Aufdruck war - aber war das nicht nur ein Werbe-Gag? Daß das Spiel jemals auf dem Index jugendgefährdender Schriften stand, wäre mir neu. Und irgendwelche Werbe-Aufdrucke des Herstellers sind juristisch absolut irrelevant.

Hier in Deutschland kenne ich nur drei Varianten:
- ein Buch/Spiel ist frei verkäuflich,
- es steht auf dem Index, darf also nur von "unter der Ladentheke" verkauft werden oder der Händler verpflichtet sich, nur ab-18-jährige in den Laden zu lassen (Sex-Shops); dann darf ein Spiel/Buch auch nicht beworben werden,
- es ist total verboten.

Als Provopoli aktuell war, gab es weder das Internet noch Ebay. Wohl aber linke Buchhandlungen. Im Spielefachhandel wird man das Spiel wohl eh kaum bekommen haben. Zumindest in Uni-Städten war es also für die Zielgruppe kein Problem, an das Spiel zu kommen. Die meisten Studenten waren sowieso über 18, und man kannte das Spiel ja. Öffenlich bewerben brauchte man es nicht mehr.

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Volker L.

Re: provopoly

Beitragvon Volker L. » 15. August 2006, 17:25

peer schrieb:
>
> Hi,
> OK, jetzt hab ich etwas mehr Zeit und kann das Spiel etwas
> klarer beschreiben.
(...)
> Tja, Schade, dass du nicht in Berlin wohnst :-) Ich würd
> meins gerne mal wieder rausholen...

Aber dafür gibt es einen anderen Volker, der in Berlin wohnt ;-)

Nach Deiner Schilderung kann ich noch nicht beurteilen, ob es mir
gefallen würde, aber ich bin gerne bereit, es auf einen Versuch
ankommen zu lassen.

Gruß, Volker (kann sich eher nicht vorstellen, dass das Spiel etwas für Erhard wäre :-D )

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peer

Re: provopoly

Beitragvon peer » 15. August 2006, 19:56

Hi,
Volker L. schrieb:
>
> peer schrieb:
>>
> Nach Deiner Schilderung kann ich noch nicht beurteilen, ob es
> mir
> gefallen würde, aber ich bin gerne bereit, es auf einen Versuch
> ankommen zu lassen.

Tja, dann müssen wir es mal auf einen Versuch ankommen lassen...

> Gruß, Volker (kann sich eher nicht vorstellen, dass das Spiel
> etwas für Erhard wäre :-D )
Wieso nicht? ;-)

ciao
peer

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achim

Re: [OT] Indizierung

Beitragvon achim » 15. August 2006, 21:19

Mike Merten schrieb:
>
> Junta ab 18??? Ich weiß durchaus, daß auf der deutschen
> Ausgabe ein entsprechender Aufdruck war - aber war das nicht
> nur ein Werbe-Gag? Daß das Spiel jemals auf dem Index
> jugendgefährdender Schriften stand, wäre mir neu. Und
> irgendwelche Werbe-Aufdrucke des Herstellers sind juristisch
> absolut irrelevant.

Hallo Mike,
ich habe doch nicht behauptet, dass Junta auf den Index stand, ganz im Gegenteil, ich habe dieses Spiel als frei verkäuflich beschrieben. Ebenso steht auf Duell-Poker von Parker "ab 18". Das hat auf den Verkauf keine Auswirkung, sondern soll lediglich eine Empfehlung sein.

Gruß
achim

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Ina Lange

Re: provopoly

Beitragvon Ina Lange » 16. August 2006, 10:50

Danke für die gute Beschreibung. Ich bin dabei, mir einen Jobwechsel nach Berlin zu gönnen. Wenn es klappt, spielen wir mal ne Runde!

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peer

Re: provopoly

Beitragvon peer » 16. August 2006, 19:46

Hi,
OK - Mail mich einfach an!

ciao
peer

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Sönke Weidemann
Kennerspieler
Beiträge: 531

Re: provopoly

Beitragvon Sönke Weidemann » 17. August 2006, 22:41

Hi,

meines Wissens nach wurde das Spiel damals auf Betreiben der Bayerischen Landesregierung auf den Index gesetzt - das sagt doch schon alles... ;-) .

Gruß Sönke (der Mai 68 besser findet als Provopoly)

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Mike Merten

Re: provopoly

Beitragvon Mike Merten » 18. August 2006, 09:27

Stimmt offensichtlich. Siehe folgenden Link vom Deutschen Historischen Museum: http://www.dhm.de/sammlungen/alltag3/spielzeug/ak99_779.html

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Benaulim

Re: provopoly

Beitragvon Benaulim » 1. September 2006, 23:23

Interessanter Link. Meine Ausgabe ist völlig anders verpackt (grober gelber Faltkarton in 100 x 100 x 500 mm, Spielplan aufgerollt) und vermerkt sowohl "Copyright 1976 by Horatio-Verlag, Art.Nr.1000" als auch "in neuer Ausführung 1/3 billiger".

Verkauft wurde es in der Tat über linke Buchläden und Bürgerinitiativen, besessen hat es Ende der 70er so ziemlich jede(r) in meinem Umfeld (ein klassisches Verlegenheitsgeschenk!), wirklich gespielt haben wir es eigentlich nie. In meiner Erinnerung passte seine (selbst)ironische Attitüde nicht zum rauhen gesellschaftlichen Klima ("Deutscher Herbst", Berufsverbote, in regelrechte Schlachten ausartende Demonstrationen gegen AKWs oder Startbahn West, Grabenkämpfe unter K-Gruppen und Undogmatischen, Franz-Josef Strauss' Kanzlerkandidatur etc.). Die Tische in linken Kneipen und WGs wurden stattdessen dominiert von Schach, Mühle, Dame, Doppelkopf oder Skat ... seltener Stratego oder Risiko.


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