Beitragvon Roman Pelek » 17. Oktober 2006, 01:14
Hi zusammen,
ich vermisse ganz klar meine persönlichen ersten Anlaufstellen auf der Messe:
Blank Box Boardgames:
Sorgten im letzten Jahr schon für viel Furore, indem sie überteuerte leere Schachteln mit Slogans wie "Noch mehr Luft, weniger störendes Spiel" und "Endlich ohne unpassendes Tiefziehteil" anpriesen. Dieses Jahr wollen sie den Bogen endgültig überspannen und legen noch eins drauf mit aktiver Publikumsbechimpfung a la "Ist's euch zu leer, kratzt's uns nicht sehr" und "Ist's euch zu teuer oder gar zu schlicht, schimpfen wir euch neue Unterschicht". Für gewöhnlich gut informierte Kreise wittern hierin den ersten Skandal der diesjährigen Messe.
Bravensburger:
Dieser bulgarische Kleinverlag hat sich auf's fröhliche Plagiieren bestehender Brettspiele spezialisiert. Oder wie sie es in ihrer Pressemitteilung formulieren: "Wir bringen bestehende Brettspiele braver". Erste Highlights sind "Bravasonne - das Buzzle" und "Buerto Rico - mit extra vielen bunten Braven". Noch hingegen gänzlich unbestätigt ist, dass sie ihre Kinderspiellinie mit "Brempo, brempo, kleine Brecke" eröffnen möchten.
Sams im Glück:
Stark krisengeschüttelt hat dieser Verlag seinen letzten Wunschpunkt dafür verwendet, das Spiel "Leningrad" in einem Akt der Verzweiflung auf den Markt zu werfen. Geschäftsführer Taschenbier soll nach unbestätigten Quellen zufolge in vertrautem Kreise geäußert haben: "Wenn das nicht geht, geht gar nix mehr."
Die finnische Band "Leningrad Cowboys" hat bereits angekündigt, notfalls ein "Live Leningrad"-Benefiz-Konzert zu geben. Aki Kaurismäki würde dann auch einen überraschenderweise eher lakonischen Film darüber drehen. Arbeitstitel: "Leningrad - ein mehrheitlich misanthropisches Meerbusenmärchen".
Noch Verlag:
Ein junger aufstrebender Verlag aus Westerland. Bezüglich des Verlagsnamens befragt, gibt sich Geschäftsführer S. Y. L. T. von Bernstein äußerst bescheiden: "'Noch' steht für 'Noch mehr verdienen', 'Noch mehr Marktanteil', 'Noch mehr Konsumentenvergackeierei' und 'Noch mehr Überheblichkeit'". Hier kann sich der Essener Messebesucher mal drauf gefasst machen, gehörig in den Senkel gestellt zu werden. Wem also grade die hauseigene Domina weggelaufen is': nix wie hin zum Noch-Verlag sag' ich da nur.
Kramigo:
Hat 'ne echte Marktnische entdeckt: Neuauflagen von Kramer-Spielen, die vormals bei Amigo im Programm waren. Geschäftsführer Konrad Rämerseele umschreibt das Konzept so: "Das ist einfach viel billiger, als was Neues zu machen. Und wir drucken auch nur die erste Seite der Regel ab und sparen uns alles, was über einen Stanzbogen hinausgeht. Das macht die Sache nochmal viel billiger." Na, wenn diese billige Tour mal nicht ins Auge geht, Herr Rämerseele...
Pistazianik:
Eigentlich kein Spieleverlag, sondern der beste Pistazienhändler vor Ort. Verkauft 100g Erste-Sahne-Pistazien für nur 5 Euro. Hat auch immer den frischesten Humor aus dem Iran auf Lager. Auf Pistazianik lass ich nix kommen, vor allem wegen seines Super-Duper-Werbespruchs: "Haste Du auf der 'Spiel' die Faxen dick, kommst Du zu Pistazianik." Der Mann hat das Bundesverdienstkreuz verdient, denn ohne ihn ließ es sich in den Messehallen schlicht nicht überleben. Tee gibt's übrigens umsonst.
Spielochs:
Ja, auch der südschlesische Bauernverband wollte sein eigenes Spielemagazin auf den Markt werfen. An sich nicht weiter erwähnenswert, gäbe es da nicht für jeden neuen Abonennten zwei gegrillte Ochsen obendrauf. Mein Tipp: Abonnieren, mitfressen und sofort wieder kündigen. Denn deren Rezis sind wirklich unter aller Sau, die möchte echt kein Schwein lesen.
Bärplay:
Und gerade, als ich dachte, es könne nicht schlimmer kommen: Bärplay hat sich darauf versteifft, alle spielbox-Forumspostings von Gustav dem Bären in Spiele umzuwandeln. Beim Telefoninterview rutsche mir die Frage 'raus: "Ja, was soll denn dieser Mist nu wieder?" Die Antwort lautete: "Er hat über die Jahre so oft mit uns gespielt, jetzt wollen wir endlich auch mal mit ihm spielen". "Gustav der Bär"-Teddys sind im Übrigen wohl auch schon in Produktion. Wurde jedenfalls mir gegenüber steiff und fest behauptet.
Days of Plunder:
Fahren schwere Geschütze auf. Erstens erklärt allen Frauen Johnny Depp die Spiele, zweitens haben sie für männliche Rezensenten Salma Hayek und Penélope Cruz als Private Dancer am Start. Außerdem gibt's kostenlos Rum vom Faß. Das einzige, was ich von der letzten Pressekonferenz noch weiß: Deren Spiele müssen total toll sein. Da kann ich mich Plunders' Oberpirat Marktwert nur anschließen - der Focus liegt hier ganz klar auf: Kaufen, kaufen, kaufen!
Ciao,
Roman