Beitragvon Marten Holst » 4. November 2006, 14:51
Moin Sven :-)
> Ernsthafte Schachspieler sind jedenfalls Exoten, genauso
> wie wir alle hier.
Wo beginnt bei Dir der "ernsthafte" Schachspieler? Ich sehe mich nach mittlerweile etwa 25 Jahren Turnierschachspieles und seit ich "bei den Erwachsenen mitspiele" einem heiligen Donnerstag (Vereinsabend), an dem ich für nichts anderes zu haben bin, irgendwo schon als "ernsthaft". Ranglistentechnisch bin ich in Deutschland im Moment auf Platz 15567, was an sich unverschämt ist, sehe ich selber mich doch eher auf Platz 12431 richtig eingestuft, reicht das noch als "ernsthaft"? Immerhin ist das entspannt im oberen Drittel, wenn nicht Viertel.
> Und Erfahrungsgemäß ist die Leidenschaft
> für Schach eine recht exklusive und nur wenige begeisterte
> Schachspieler sind gleichermassen für andere Brettspiele zu
> begeistern. Das ist einfach so und ich habe damit kein
> Problem.
Du musst damit auch kein Problem haben, denke ich mal, denn das ist einfach nicht so. In meinem Verein sind fast exklusiv nur brettspielinteressierte zu finden, über einen "Wir spielen alles nur kein Schach"-Abend meines Vereins bin ich überhaupt damals erstmals an anspruchsvolle Spiele herangeführt worden. Es gibt im Prinzip jede Woche irgendwo einen Spieleabend mit Schachis, wir haben eine Mannschaft bei der DM. Apropos DM und sonstiges: sowohl bei Brettspielturnieren als auch zum Beispiel in der BSW trifft man jede Menge Schachspieler, auch aktuelle und ehemalige Bundesligaspieler, also da, wo man schon "Geld verdienen" kann. Ich denke eher, Schachspieler spielen eher Brettspiele, als es vergleichbare andere Menschen ähnlichen Alters und ähnlicher Sozialisierung täten. "Exklusive" Schachspieler sind vielleicht die Top-100 der Welt, wobei die an sich, um so gut zu werden, dringend Ausgleichsbeschäftigungen brauchen, und vielleicht auch die vier Senioren hinten links, die sonst eben exklusive Skatspieler wären, oder exklusive Männerchörler. Auch andere Interessen kommen bei Schachspielern vor: meine Fußballmannschaft ist eine Zusammensetzung aus etwa 30 Schachspielern aus etwa 10-15 Vereinen, die einfach Lust hatten, mal Fußball zusammen im regulären Ligabetrieb zu spielen. Beweis durch Beispiel ist zwar kein Beweis, aber ich denke, Du hockst hier auf einem Klischee :-)
> Aber wenn ich ein Spielertreffen organisiere auf dem ich
> nur Schach spielen will, werde ich das nicht als
> Spieleabend deklarieren, oder?
Tendenziell nicht. Aber ebensowenig tätest Du es bei Doppelkopf oder Tichu oder sonstigen Spielen, wo alle mehrere Partien des gleichen Spieles spielen, oder?
> Also sorry, falls ich Dir als Schachspieler oder einem
> anderen Schachspieler auf den Schlipps getreten bin. "Geek"
> ist für mich keine Herabsetzung...wir sind hier alle Geeks.
Habe ich auch nicht als Herabsetzung empfunden, obwohl ich das permanente "Hach, wir sind schon ein wenig crazy und geeky" nicht mehr hören kann - eben weil jeder in seinem Bereich geekt, und nix normaler ist, als ein ebensolcher Typus zu sein :-)
Tschüß
Marten