Beitragvon ausnahmsweise_mal_nicht-siehe_Text » 7. November 2006, 23:27
Keine Frage, das ist m.E. weder rechtens noch kundenfreundlich. Ein großes PFUI für diese Praxis!
Aber es geht hier ja "nur" um ein Spiel, zumindest für uns Kunden. Der Handel, dessen Interessen hier scheinheilig als Begründung herhalten, darf das sehr viel kritischer sehen. Derweil werden mit ähnlichen Methoden unsere Arbeitsplätze im Lande vernichtet. Das ist jetzt offtopic, aber es berührt uns sehr viel mehr und es funktioniert so ähnlich. Was ich hier schildern möchte, ist weit verbreitete Praxis und nicht jeder stellt sich dabei so blöd an wie ein gewisser Herr K. vom S.-Konzern.
Ausnahmsweise schreibe ich meinen Namen mal nicht aus, wer mich kennt, kann die fehlenden Variablen ergänzen und man trifft sich im Leben immer zweimal. Ich hänge wirtschaftlich von den unten geschilderten Saubermännern ab :-( Ich bitte das zu entschuldigen.
Die sogenannten Politiker und sonstige von Lobbyisten aller Couleur geschmierten Lakaien in unserer Bananenrepublik, die immer noch dem Strukturwandel zur "Dienstleistungsgesellschaft" das Wort reden, sind sowas von blind oder kriminell oder beides und kapieren nicht, dass es auch diese Arbeit schon morgen hier nicht mehr gibt. Hierzu ein anonymisiertes aber sehr reales Beispiel:
Fa. X meint, Dienstleistungen gehören nicht in die Firma, die werden "outgesourced". Klingt noch harmlos, wird aber bis in die Haarspitzen der Organisation durchgezogen, obwohl sämtliche Abläufe darunter leiden. Ach ja, die Firma von der ich rede, hat die Lizenz zum Gelddrucken, die Branche ist ein Oligopol, wo Wettbewerb nur vorgegaukelt wird. Das gilt mehr und mehr für alle großen Branchen, denn durch Aufkäufe wird der Wettbewerb gezielt unterbunden, das Kartellrecht ist ein zahloser Tiger. Das Elend nahm in unserem Fall seinen Lauf, als meine damals deutsche Firma per Federstrich einem großen internationalen Konzern der Branche verkauft wurde.
Nun könnte man meinen, okay, da ist ein Vertrag zur Erfüllung einer Dienstleistung zwischen X und dem Outsourcer Y geschlossen worden und blumige Worte von "Partnerschaft" (was für ein Witz) werden von der Fachpresse verkündet, aber damit hört das nicht auf. Nicht nur dass Y fürchten muss, dass die auf Zeit geschlossenen Verträge nicht verlängert werden. X schreibt Y auch noch vor, dass er zur Erfüllung der Dienste z.B. 30% Personalanteil aus Indien (billig!) einsetzen muss. Da werden also nicht nur Dienstleistung und Preise verhandelt, man mischt sich auch noch aktiv in die Struktur des Dienstleisters ein, der sich de facto nur als Sklaventreiber für X andingen darf.
Y kann dem nun folgen und hoffen, länger für X arbeiten zu "dürfen" oder dem Diktat folgend einem anderen Dienstleister (=Sklaventreiber) Platz machen. Wie die Arbeitsbedingungen in Indien oder sonstwo aussehen, lassen wir jetzt mal weg, das hat mit gängigen sozialen Standards jedenfalls wenig zu tun, Hauptsache billig. Was das für die bislang hier Beschäftigten (z.B. mich) bedeutet, kann man schnell ausrechnen. Ich darf praktisch jederzeit mit Kündigung und Arbeitslosigkeit rechnen. In der Zeitung taucht dann natürlich bestenfalls der Name Y auf, X hat doch damit nichts zu tun. Toll!
Globalisierung ist gleichbedeutend mit Ausbeutung und diese wird von den großen Konzernen aktiv und skrupellos betrieben, alles andere ist Schönfärberei. Und nun lasst uns wieder spielen, in wenigen Jahren haben wir alle andere Sorgen...