Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 7. April 2007, 10:25
Ich stimme vorbehaltlos in deinen Jubelruf mit ein, lieber Ferdi.
Auch für mich gehört Through the Ages zum Besten, das mir seit langem begegnet ist, und bisher sieht es noch nicht so aus, als würde meine Begeisterung dafür so bald nachlassen.
Die einzig Leidtragenden sind dabei höchstens all die anderen Spiele, die an einigen der vergangenen Wochenenden unter meiner und meiner Freunde Nichtbeachtung gelitten haben - aber ich finde ja, jedes Spiel muss sich selbst darum kümmern, dass es gespielt wird.
Through the Ages funktioniert auf mindestens zwei Ebenen vorbildlich:
- Es ist in jeder der möglichen Spielerzahlen von zwei bis vier gleichermaßen gut spielbar und kommt dabei ohne "Krückenregeln" für Zwei-Spieler-Partien aus.
- Es überträgt die komplexen Verflechtungen von Wirtschaft, Wissenschaft, Innen- und Außenpolitik gekonnt mit erstaunlich wenig Spielmaterial (und sogar für ein Spiel in Civilization-Tradtiion erstaunlich wenigen Regeln) gekommt in ein abstraktes Spielsystem.
Hinzu kommt noch, dass man sich das Spiel je nach zur Verfügung stehender Zeit und Erfahrung/Anspruch der Mitspieler durch die unterschiedlichen Spielformen, die Möglichkeit, ein bis drei Zeitalter zu durchspielen, und mehrere ausdrücklich als optional gekennzeichneter Regel selbst praktisch "maßschneidern" kann. (Einige Spielerfahrung mindestens eines Spielers natürlich vorausgesetzt, damit man beurteilen kann, was man da genau auswählt.)
Dabei ist es mit durchschnittlichen Englisch-Kenntnissen nicht schwer zu erlernen, weil die Einführung in das Basis-Spiel die Spieler ja tatsächlich durch ihre ersten Züge führt - ein interessantes Konzept des Aufbaus einer Spielanleitung, bei dem vielleicht einige Ideen von Klaus Teubers "Professor Easy" in den Entwurf eines "normalen" Regelhefts eingeflossen sind.
Ich habe übrigens Matthias Hardels "Pimp my Through the Ages"-Tipp aus der vorletzten spielbox bezüglich des Austauschens des vorhandenen Materials gegen Holzmaterial und Poker-Chips in einer modifizierten Variante umgesetzt.
- Für die Plebejer (Worker) habe ich gelbe Holz-Männlein gekauft statt der empfohlenen gelben Pöppel
- Die blauen Glasperlen habe ich gegen blaue Quader und die weißen und roten Perlen gegen Scheiben ausgetauscht, wie empfohlen
- Für Wissenpunkte hatte ich mir zwar auch wie von Matthias empfohlen weiße Quader gekauft, habe die aber dann nach dem ersten Versuch nicht mehr eingesetzt, und auch die Chips zum Punkte-Zählen habe ich weggelassen: Hier verwende ich einfach das Standard-Material aus dem Spiel weiter.
Meine Überlegung dabei war, "materielle" Komponenten wie Menschen und Güter tatsächlich durch materielle Spielbestandteile darzustellen, und "immaterielle" Komponenten wie "Kultur", "Wissen" und "Stärke" eher abstrakt durch Zähler auf einer Skala. (Bei der Darstellung von "Aktionen" durch Scheiben ist dieses Prinzip dann natürlich nicht eingehalten ... aber was soll's: Hauptsache, es funktiniert.)
Die Spitzkegel werde ich wohl noch durch Pöppel ersetzen, die etwas leichter zu greifen sind.
Was ich bisher noch nicht gefunden habe, sind gelbe Holz-Weibchen (etwa in der Form wie in "New England") als Ergänzung zu den Männchen, die ich jetzt habe.
Zum einen finde ich, auch Frauen haben das Recht, in die Bergwerke geschickt zu werden oder auf dem Feld der Ehre ihr Leben zu opfern, und zum anderen scheinen mir dann die Voraussetzungen eher gegeben, dass durch die Verteilung von Nahrungsvorräten regelkonform neue Generationen geboren werden (increase your population): Wenn ich als weiser Lenker des Staates einem gelangweilten Jungbauern Nahrungsmittel zur Verfügung stellen, dann kann er damit eine Ritterin zum Essen einladen ... und *SCHWUPPS* erhöht sich die Anzahl meiner Bevölkerung.
Allen, die das Spiel noch nicht kennen, wünsche ich eine Neuauflage - alternativ, dass in ihrer Nähe jemand wohnt, der das Spiel schon hat und von angenehmen Umgangsformen ist.
Mit einem lieben Gruß
Gustav