Beitragvon Christian Hildenbrand » 21. Mai 2007, 07:33
"Marcus" hat am 21.05.2007 geschrieben:
> Da die
> Bedienungsanleitung eines Photo-Handy auch nicht kürzer
> sein dürfte als die des durchschnittlichen
> Gesellschaftspiels, die Leute ihr Handy aber meistens
> bedienen können, kann es nicht nur an dem Umfang der
> Anleitung liegen.
Hallo Marcus,
da mag ich Dir mal ein klein wenig widersprechen. Bei einem Großteil der Nicht-Vielspieler ist das Regellesen wirklich nicht gerade das, was gern mehr als notwendig gemacht wird. Den Vergleich mit Elektrogeräten, v.a. Handys und Kameras und ähnliches, finde ich sehr hinkend, da ich bei mir selbst zum Beispiel weiß, dass ich seltenst in diese Bedienungsanleitungen schaue, weil ich sie nicht gern lese. Da ist mehr "learning by doing" angesagt. Bei Spielen geht das nicht... da ist es notwendig, die Spielregeln gelesen zu haben, um das Spiel in vollem Umfang spielen zu können.
> Auch stehen bei den Kindern sehr häufig
> Sammelkartenspiele hoch im Kurs, welche vom Regelumfang mit
> vielen Gesellschaftsspielen gleichzusetzen sind oder diese
> gar übertreffen. Außerdem bezweifele ich, dass diejenige
> welche nicht bereit sind eine umfangreiche Spielanleitung
> zu lesen, dazu bei einer kürzeren bereit sind. Ist es nicht
> viel mehr so, dass sich viele Menschen die Regeln von
> Freunden bekannten (Vielspieler) erklären lassen, und dann
> ist der Umfang der Regeln von geringerer Bedeutung. Wenn
> ich als Wenigspieler die Regeln eines einfachen Spiels
> erklärt bekommen und dann merke, die Regeln sind ja ganz
> einfach aber das Spiel ist auch etwas einfach, wird es mich
> kaum für das Hobby Brettspiel begeistern können. Auf der
> anderen Seite, wenn das Spiel ein halbes Jahr im Schrank
> liegt, bis es dann bei einem Familienfest von einem
> Vielspieler entdeckt und erklärt wird, und alle merken wenn
> man erst einmal die Regeln verstanden hat macht das Spiel
> richtig Spaß, sieht die Sache schon anders aus.
> Meiner Meinung nach wird jemand der Interesse an etwas hat
> auch die Regeln lesen und die anderen werden sich auch
> durch einfach Regeln nicht locken lassen. Allerdings fällt
> das erklärt bekommen und für ein Spiel begeistern bei
> vielen einfachen Spielen weg.
Auch hier stelle ich in den Raum, dass die meisten "Kinder" die Sammelkartenspiele entweder erklärt bekommen haben oder schlicht falsch spielen.
Letzteres muss nicht schlecht sein, mein Patenkind hat auch mit völlig falschen Regeln, die das Spiel ad absurdum führen, Spaß.
Die Zahl der Vielspieler wird oft maßlos überschätzt ... so viele sind das nicht. Vor allem sind es zu wenig, um alle Einkäufer des neuen Spiel des Jahres zu bedienen ... nicht mal ansatzweise wird das so sein. Die Jury weiß das.
> Ein Siedler von Catan mit
> Erweiterung wird in vielen Familien gespielt, aber ein
> Notre Dame ist zu anspruchsvoll?
> Ich würde einige Titel der Auswahl- und Empfehlungsliste
> miteinander tauschen.
Ich behaupte an dieser Stelle einfach mal - und gehe da von mir selbst aus, weil Siedler genau in die Zeit viel, als ich als junger Erwachsener das Spielen wiederentdeckte - dass Siedler bei vielen verstaubt wäre, wenn sie sich nur durch die Regeln hätten das ganze Spiel näher bringen müssen. Das ist zumindest ein Tenor, den ich nun schon sehr oft vernommen habe, dass der Reiz, der in dem Spiel "Siedler von Catan" steckt, durch die Regeln nicht vermittelt wird. Das Spiel hat sich (in meinen Augen) deswegen so extrem verbreitet, weil viele begeisterte Spieler das Spiel an ihre Freunde weitergegeben haben ... inkl. Erklären des besonderen Reizes des Spiels.
So, ich muss mal in Urlaub.
Sommerliche Grüße,
Christian (ohne Spiel im Gepäck!)