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Spiele als Trittbrettfahrer

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Frank

Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Frank » 5. Juli 2007, 10:00

Hey,

aktuell gibt es bei Superfred eine Rezension zu "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod".
Dieses Spiel schneidet, vorsichtig formuliert, nicht gerade gut ab.
Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich die Kritiken von Superfred gerne lese und sie zumeist als hilfreich empfinde!

Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein Spiel als "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines Buches, einer Fernsehsendung oder eines Kinofilms anhängt, offensichtlich nur Schrott dabei herauskommt.

Wie seht Ihr das?
Ist es unmöglich, sowas gut als Spiel umzusetzen?
Liegt es an Schnellschüssen, die nur noch ein bißchen vom Erfolg des Originals abschöpfen wollen, aber nicht gut durchdacht sind?
Wer entwickelt eigentlich solche Spiele? Sind da erfahrene Spieleautoren für verantwortlich oder sind das Leute, die eigentlich mit Spielen gar nichts am Hut haben?

Fragen über Fragen, ich weiß.
Bin mal gespannt, wie dieser Thrad aufgenommen wird :-)
Frank

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Birgit
Brettspieler
Beiträge: 91

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Birgit » 5. Juli 2007, 10:30

Frank schrieb:
> Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein Spiel als
> "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines Buches, einer
> Fernsehsendung oder eines Kinofilms anhängt, offensichtlich
> nur Schrott dabei herauskommt.


Das Wort "immer" ist - wie immer - überzogen :-))
Die Säulen der Erde ist das erste und bei weitem nicht das einzige Beispiel dagegen, das mir spontan einfällt.

Aber viele der Spiele, die den gleichen Namen haben wie ein Buch oder eine Sendung sind von dieser Kritik zu Recht betroffen, vermutlich einige davon, die als "Auftragsarbeit" erfunden wurden oder von Nicht-Profis. "Der Titel wird es schon verkaufen" wird sich der Verlag dann wohl denken, und in vielen Fällen stimmt das sicher auch.
Das konkret angesprochene Spiel ist aber gar nicht soooo übel, für "Nichtspieler" auf jeden Fall eine nette Unterhaltung, und wir können es mit unseren 80-Jährigen Eltern und Tanten spielen, die da auch eine Chance haben zu gewinnen, weil die vom Thema viel Ahnung haben. ;-)

Wie sagt der Volksmund? "Watt dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall"
In diesem Sinne - verspielte Grüße
Birgit

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Frank

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Frank » 5. Juli 2007, 10:34

Sorry, "Die Säulen der Erde" zieht nicht als Gegenbeispiel.
Das ist in meinen Augen ein sehr gutes Spiel, hat aber mit dem Buch nur mäßig zu tun. Hätte auch sonst wie heißen können, sich dann aber vielleicht schlechter verkauft.

Ich meinte, und das hätte ich vielleicht klarer raustellen sollen, Spiele die versuchen das Konzept von Buch, Sendung oder Film 1:1 umzusetzen.

Gruß
Frank

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Thomas O.
Kennerspieler
Beiträge: 461

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Thomas O. » 5. Juli 2007, 11:12

Frank schrieb:
>
> Hey,
>
> aktuell gibt es bei Superfred eine Rezension zu "Der Dativ
> ist dem Genitiv sein Tod".
> Dieses Spiel schneidet, vorsichtig formuliert, nicht gerade
> gut ab.
> Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich die Kritiken
> von Superfred gerne lese und sie zumeist als hilfreich
> empfinde!
>
> Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein Spiel als
> "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines Buches, einer
> Fernsehsendung oder eines Kinofilms anhängt, offensichtlich
> nur Schrott dabei herauskommt.
>
> Wie seht Ihr das?

Eins ist bei diesem Spielen ganz klar: Sie wurde vom Titel her entwickelt, d.h. aus Sicht des Verlages dürfte der Marketing-Effekt stärker im Vordergrund stehen als der reine Spielreiz. Von daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Spiele im Durchschnitt einen geringeren Spielreiz besitzen als die herkömmlichen Autorenspiele, bei denen eine *Spiel*-Idee den Ursprung bildet.

Aber wie so oft, ist es auch hier eine Frage der Zielgruppe: Ein Spiel wie z.B. "Genial daneben" richtet sich eben mehr an die Fans der gleichnamigen TV-Sendung als an Spielefans, von denen die Rezensionen aber geschrieben werden. Dort schneidet ein solches Spiel dann natürlich schlecht ab. Ich kann mir aber vorstellen, dass TV-Gucker, die sonst mit Spielen nichts am Hut haben, mit dem Spiel einen Riesenspaß haben. Klar kann man das Spiel aus unserer Sicht als "Schrott" bezeichnen, aber dem Verlag, der seine geplante Menge davon absetzt, wird dieses Urteil ziemlich schnuppe sein.

> Ist es unmöglich, sowas gut als Spiel umzusetzen?

Unmöglich nicht, aber "gut" nach unserem Verständnis ist da vielleicht gar nicht erwünscht. Ein "Wer wird Millionär?" soll und darf gar nicht den Anspruch eines Puerto Rico haben. Da ist ein Quiz-Spiel gefragt, das die Blindkäufer im Kaufhaus zu Hause nicht enttäuscht. Ob das "gut" ist, ist ein andere Frage.

> Liegt es an Schnellschüssen, die nur noch ein bißchen vom
> Erfolg des Originals abschöpfen wollen, aber nicht gut
> durchdacht sind?
> Wer entwickelt eigentlich solche Spiele? Sind da erfahrene
> Spieleautoren für verantwortlich oder sind das Leute, die
> eigentlich mit Spielen gar nichts am Hut haben?

Verlage tun gut daran, mit solchen Auftragsarbeiten erfahrene Autoren zu beaufragen, schon allein, damit das Spiel einwandfrei funktioniert und die Zielgruppe unterhaltend bedient. Das kann ein erfahrener Autor, wie das Beispiel "Schillerstraße" zeigt: Schliemann als einer der Autoren ist als Profi in der Lage, problemlos zwischen beiden Extremen der "Brain-Skala" (Fire & Ice bzw. Schillerstraße) zu pendeln.

Grüße Thomas

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Andreas Keirat

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Andreas Keirat » 5. Juli 2007, 13:11

Moin!

Das entwickeln von Spielideen ist -meistens- ein Prozess, der sich über Jahre hinwegzieht, immer wieder mit Testphasen und Änderungen durchzogen.

Wie schon woanders erwähnt, sind Spiele zu Filmen und Büchern dagegen Auftragsarbeiten, die von Spieleautoren oder anderen Menschen gemacht werden. Der Zeitfaktor ist hier entscheidend, denn zwischen Lizenzvergabe und Veröffentlichung liegen meistens nur ein paar Monate, in denen das Spiel komplett gefertigt werden muß. Ansonsten ist der Hype vielleicht schon vorbei und man bleibt auf seinem Spieleposten sitzen.
Bei Filmen ist die Vorlaufzeit häufig etwas größer, da man schon im Vorfeld erfahren kann, welche Kinofilme wann erscheinen werden und mit einem guten Lizenzvermarkter gibt es genügend Infos, um ein thematisch passendes Spiel zu entwickeln.

Ciao,

Andreas Keirat
www.spielphase.de

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Peter Gustav Bartschat

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 5. Juli 2007, 14:37

Frank schrieb:
> Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein
> Spiel als "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines
> Buches, einer Fernsehsendung oder eines Kinofilms
> anhängt, offensichtlich nur Schrott dabei herauskommt.

Hallo, lieber Frank,

ich vermute mal - natürlich ohne in deine Seele blicken zu können - dass da auf dich dieselbe Art von Phänomen wirkt, die Buchliebhaber überwiegend der Überzeugung sein lässt, Verfilmungen von Büchern seien immer schlechter als die Bücher selbst.

Ursache dafür kann eine Erwartungshaltung sein, die einen unmöglich zu erfüllenden Anspruch stellt, nämlich dass sich Inhalte und Formen ohne jede Veränderung von einem Medium in ein anderes übertragen ließen.

Aber Filme unterscheiden sich erheblich von Büchern, Bücher von Spielen, Spiele von Bildern und Bilder von Konzerten - und letztlich lässt sich vielleicht gar nicht mehr aus einem Medium in ein anderes Übertragen als ein paar einzelne Elemente.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass man sich im Leben nur erreichbare Ziele stecken sollte: Ein Roman lässt sich nicht in ein Spiel verwandeln, ohne sich erheblich zu verändern, und gerade darum haben die Autoren des "Säulen der Erde"-Spiels gut daran getan, nur wenig der inhaltlichen Elemente der Romanhandlung in Form von Kärtchen in das Spiel einzubinden, und ihren Schwerpunkt auf die Stärke des Mediums Spiel zu setzen, nämlich spielbar zu sein.

Ich glaube gern, dass weder das Treffen solcher Grundsatzentscheidungen noch deren konkrete Umsetzung leicht ist.

Unmöglich ist es aber auch nicht, aus einem guten Buch ein gutes Spiel zu machen - genau so, wie es unmöglich ist, einen guten Film daraus zu machen. Für den Leser, Zuschauer und Spieler bedeutet das, dass er sich - wenn vielleicht auch nur widerwillig - der Erkenntnis stellen muss, dass auch das beste Spiel immer ein Spiel bleiben wird und nicht zum Buch werden kann.

Mit einem lieben Gruß
Gustav


P.S.:
Zwei Ziegen dringen in den Vorführraum eines Kinos ein. Eine findet eine Filmspule mit der Aufschrift "Vom Winde verweht" und frisst sie auf.

"Wie hat´s geschmeckt?" fragt die andere.

"Das Buch war besser."

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Frank

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Frank » 5. Juli 2007, 14:42

>>>>>>>>>>
P.S.:
Zwei Ziegen dringen in den Vorführraum eines Kinos ein. Eine findet eine Filmspule mit der Aufschrift "Vom Winde verweht" und frisst sie auf.

"Wie hat´s geschmeckt?" fragt die andere.

"Das Buch war besser."
<<<<<<<<<<



:-)
Frank
dessen Freundin beides scheußlich fand

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Olav Müller
Kennerspieler
Beiträge: 638

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Olav Müller » 5. Juli 2007, 14:51

Frank schrieb:
> >>>>>>>>>>
> P.S.:
> Zwei Ziegen dringen in den Vorführraum eines Kinos ein. Eine
> findet eine Filmspule mit der Aufschrift "Vom Winde verweht"
> und frisst sie auf.
>
> "Wie hat´s geschmeckt?" fragt die andere.
>
> "Das Buch war besser."
> <<<<<<<<<<
>
> :-)
> Frank
> dessen Freundin beides scheußlich fand

Du kennst tatsächlich jemanden, der beides schon gegessen hat? Wow! Irgendwelche Rezeptideen, die Du mit uns teilen könntest?

CU,
Olav

[[ http://brettspieler.blogspot.com/ - Brettspieler aus Leidenschaft ... ]]

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Martin Ebel
Brettspieler
Beiträge: 56

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Martin Ebel » 5. Juli 2007, 16:40

lieber Frank
Mich macht Deine sehr pauschale Anklage (eine echte Frage scheint mir das nicht zu sein) betroffen.

> Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein Spiel als "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines Buches, einer
> Fernsehsendung oder eines Kinofilms anhängt, offensichtlich nur Schrott dabei herauskommt.
>
> Wie seht Ihr das?

Zunächst solltest Du unterscheiden zwischen Commercials, die tatsächlich kurzfristig in Lizenz an Medienereignisse angehängt werden und mit abgedroschenen Spielmechanismen (Mensch ärgere Dich nicht, Quartett, Frage Anwort- Ratekarten)kurzfristig Umsatz machen sollen und zwischen Spielen, deren Entwicklung der Mechanismen ein Thema brauchten und das einer Buchvorlage anpassen konnten/durften.
Als nächste kommt noch die Kategorie "Spieleautor wurde angestossen durch Buch/ Geschichte" dazu.
Als viertes wäre noch die Kategorie "Geschichtliches im Spiel"
Kategorie 1:
neben Micky Maus Figuren als Schachfiguren gibt es auch Commercials, die einen gewissen Witz hatten. ich denke da an Dallas. Spion und Spion von Alex Randolph (vielleicht für seine Freund Feuerstein von Mad entwickelt?) könnte da auch genannt werden.
Kategorie 2:
Bei Säulen der Erde fand man zu einem Prototypen eine passende Anbindung an ein Buch. Hier musste der Autor des Buches, wohl ein überzeugter Nichtspieler, in langwierigen Verhandlungen bewegt werden, seine erlaubnis zu geben. Erst als der Bau der Kathedrale sichtbar im Mittelpunkt des Spiels stand, gab er seine Zustimmung (vom spieleverlag aus hätte man einen Rundenzähler auch preiswerter ins Spielbrett integrieren können). Ich finde nur, die Spieleautoren kommen beim Cover schlecht weg, aber wer nicht eitel ist und an den Verkaufserfolg denkt, wirds verschmerzen (ich könnte es jedenfalls).
Noch spannender finde ich die Umkehrung: Das Klaus Teuber die Buchautoren Rebecca Gable gewinnen konnte, ein Buch zum Spiel zu schreiben. Für mich bedeutet das ein Bemühen , dem Kulturgut Spiel eine Aufwertung zu verschaffen.
Kategorie 3:
Ich habe Ende der 50er als Jugendlicher begeistert SF Literatur gelesen. Eine Kurzgeschichte ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. 1997 habe ich daraus ein Planeten - Bauspiel gemacht, aber leider wurde es von einem Verlag zurück geschickt. Da Douglas Adams in seiner Romanserie diese Kurzgeschichte einbaute, habe ich inzwischen noch mehr Bezüge zu diesem Roman eingebaut.
Als autor entwickelt man ein Spiel entweder von einem Mechanismus her, den man entwickelt hat und sucht sich dann ein Thema oder man nimmt ein Thema aus seiner Lebenserfahrung und dazu gehören auch Bücher und Filme.

Kategorie 4:
Die Geschichte der Menschheit: da fällt mir gleich die Auftragsarbeit von Wolfgang Kramer ein, die natürlich zur Kategorie 1 gehört. aber der Begriff Geschichte kommt nun mal von Geschichten, die uns unsere geschichtliche Vergangwenheit überlieferte. Kannst Du Dir vorstellen, wie arm unsere Spielelandschaft wäre, wenn es keine Bezüge auf geschichtliches gäbe: Kein Robin Hood, kein el Grande, kein Ivenhoe, kein Löwenherz, keine Ritter, Indiander, Piraten, Eroberer, berühmte Feldherren, kein Notre Dame, kein dreißig jähriger Krieg, kein Shogun.

Und damit komme ich zu etwas Grundlegendem:
Ein Buch ist ein vom anfang zum Ende hin durchkomponiertes Werk das einen klaren Anfang und ein eindeutiges Ende hat. Nachdem du das Buch durchgelesen hast, kannst Du es nicht noch einmal neu erleben.
Im Gegenstz dazu muss das Spiel vom ungewissen Ausgang leben. Es darf kein fertiges Ende haben, höchstens eine Ende - Definition. Deshalb kann ein Spiel nie wie ein Buch sein.
leider gibt es trotz dieser eindeutigen Setzung Ausnahmen und Grauzonen. Sind Rollenspielbücher oder Deduktions Spielbücher wie Sherlock Holmes oder "Der Zauberer vom flammenden Berg spielerische Bücher oder Spiele im Buchgewand?
Auf jeden Fall hat ein Spiel wie "das kleine Gespenst" von
Kai Haferkamp Familien wieder auf das Lesen des Buchs von Otfried Preussler neugierig gemacht.

Es gibt meiner Meinung nach nur ein Spiel, daß die literarische Vorlage zu über 90% in Geist und Inhalt widerspiegelt und das ist "Flaschenteufel" (Bambusverlag?).
Dabei kommt die Geschichte dem Spiel aber auch weit entgegen. Es liest sich schon fast wie eine Spielregel.

Lieber Frank; ich bitte dich: Wenn du wieder eine Frage hast, verstecke darin nicht wieder eine vernichtende Kritik an Spieleautoren und solche die es werden wollen. Gerade in diesem Fall ist das Thema viel zu vielschichtig. aber natürlich ist ehrlich fragen ohne Vorurteil immer erlaubt.

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Heinrich Tegethoff

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 5. Juli 2007, 19:33

> Frank schrieb:
> > Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein Spiel als
> > "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines Buches, einer
> > Fernsehsendung oder eines Kinofilms anhängt, offensichtlich
> > nur Schrott dabei herauskommt.

Birgit schrieb:
> Das Wort "immer" ist - wie immer - überzogen :-))
> Die Säulen der Erde ist das erste und bei weitem nicht das
> einzige Beispiel dagegen, das mir spontan einfällt.

Dabei ist genau dies ein Beispiel für eben-nicht Trittbrettfahrer, da das Buch schon so seine 12+ Jahre auf dem Markt ist. Auch "Der Herr der Ringe" hatte ein paar Dekaden Zeit, bis er in Knizias Version gegossen wurde.

Reduziert man die Frage auf aktuelle Bücher, TV-Sendungen und Filme, so bleibt Franks Frage spannend, wenn auch erst einmal abwertend formuliert, wie Martin hervorhebt. Gibt es - im Sinne des Forumteilnehmers - "gute" Spiele, die als Schnellschüsse auf den Markt kamen?

Servus,
Heinz

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peer

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon peer » 5. Juli 2007, 19:53

Hi,
Heinrich Tegethoff schrieb:
>
>eben-nicht
> Trittbrettfahrer, da das Buch schon so seine 12+ Jahre auf
> dem Markt ist. Auch "Der Herr der Ringe" hatte ein paar
> Dekaden Zeit, bis er in Knizias Version gegossen wurde.

Wobei die Filme vielleicht einen kleinen Einfluss auf die HdR-Welle hatte... Da waren auch ein paar gute Spiele dabei.

> Reduziert man die Frage auf aktuelle Bücher, TV-Sendungen und
> Filme, so bleibt Franks Frage spannend, wenn auch erst einmal
> abwertend formuliert, wie Martin hervorhebt. Gibt es - im
> Sinne des Forumteilnehmers - "gute" Spiele, die als
> Schnellschüsse auf den Markt kamen?

"Wer wird Millionär?" halte ich für ein ausgezeichnetes Quizspiel. Eigentlich sogar das einzige "echte" Quiz, bei der die üblichen Quizspielprobleme (Glücksfaktor beim Würfeln und beim Ziehen der Fragen" nicht auftaucht.
"Weisst du eigentlich wie lieb ich dich hab" ist auch ein gutes Spiel für die Zielgruppe.
ciao
peer

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Marc

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Marc » 6. Juli 2007, 10:07

Es gibt solche und solche. Es gibt/gab von Avalon Hill das Spiel "Dune" (http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/cgi-bin/luding/GameData.py?f=00w^E4X&gameid=2484). Es kam infolge der Romane heraus und bekam, als der Dino de Laurentis-Film dazu kam, ein filmbezogeneres Cover. Aber das Spiel ist hervorragend (leider nur bei voller Besetzung mit sechs Spielern) und hat einen besonderen Kampfmechanismus, der es in Kombination mit den Sondereingenschaften der Protagonisten sehr spannend macht.

Und dann gab es ein "Dune" von Parker (http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/cgi-bin/luding/GameData.py?f=00w^E4X&gameid=296), das infolge des Film kam, und das wohl wenig gelungen ist.

Bei Spielen letzterer Art bin ich mißtrauisch. Allerdings glaube ich mit Blick auf sowas wie "Säulen der Erde" , dass solche Merchandising-Spiele früher schlechter waren als heute, da es inzwischen einen ganzen Satz gute und bekannte Spieleautoren gibt. Und die können wenigstens funktionierende Mechanismen (oder gar fertige Spiele) übertragen. Ich denke da an Klaus Teubers "Anno 1503", "Tintenherz" oder "Asterix und die Römer".

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Marc

Arg! Punkt und Klammer wird als URL-Teil interpretiert

Beitragvon Marc » 6. Juli 2007, 10:10

Dune von Avalon Hill:
http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/cgi-bin/luding/GameData.py?f=00w^E4X&gameid=2484

Dune von Parker:
http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/cgi-bin/luding/GameData.py?f=00w^E4X&gameid=296

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Roman

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Roman » 7. Juli 2007, 05:28

Martin Ebel schrieb:

> Es gibt meiner Meinung nach nur ein Spiel, daß die
> literarische Vorlage zu über 90% in Geist und Inhalt
> widerspiegelt und das ist "Flaschenteufel" (Bambusverlag?).
> Dabei kommt die Geschichte dem Spiel aber auch weit entgegen.
> Es liest sich schon fast wie eine Spielregel.

"Flaschenteufel" ist in der Tat ein fantastisches Spiel. Nur ob das Thema dem Spiel oder das Spiel dem Thema entgegenkam, kann wohl nur Günter beantworten.

Wahrscheinlich hat er heimlich mit dem auf unlautere Weise in Kreuzberger Geheimlaboren wiederbelebten Autor des Buches geschlafen, ohne es auf YouTube zu veröffentlichen ;-) Sowas ist immer ein großer Fehler: denn großer Mist erfordert immer großes Marketing :-D

Ciao,
Roman (Dessen liebstes Feuerstein-Biographie-Statement immer noch ist: "In seiner Schulzeit galt er als Wunderkind: Alle wunderten sich, wie kindisch er war. Daran hat sich bis heute nichts geändert." Wär's ein Vertrag über eine Lebenseinstellung - ich würde ihn unterschreiben.)

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Attila
Kennerspieler
Beiträge: 4715

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Attila » 7. Juli 2007, 09:32

Hiho,

- War of the RIng - ist abslolut genial. Zumal die Thematische Umsatzung ihres gleichen sucht! Meistens sind solche Spiele ja einfach irgendein Spiel genommen mit einem entsprechenden Thema drübergestülpt.

- King Arthur (dieses Elektronische was nach dem Film kam), ist ganz ordentlich

Im grossen und ganzen sind die meisten "Spiele zum Film/Serie/Buch" ziemlicher Müll.

Atti

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Günter Cornett

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Günter Cornett » 7. Juli 2007, 09:44

Roman schrieb:
>
> Martin Ebel schrieb:
>
> > Es gibt meiner Meinung nach nur ein Spiel, daß die
> > literarische Vorlage zu über 90% in Geist und Inhalt
> > widerspiegelt und das ist "Flaschenteufel" (Bambusverlag?).
> > Dabei kommt die Geschichte dem Spiel aber auch weit entgegen.
> > Es liest sich schon fast wie eine Spielregel.

Jo, damit man den Mechanismus besser versteht, erzähl ich vorher meist das Wesentliche der Geschichte in drei Sätzen.

>
> "Flaschenteufel" ist in der Tat ein fantastisches Spiel. Nur
> ob das Thema dem Spiel oder das Spiel dem Thema entgegenkam,
> kann wohl nur Günter beantworten.

Das Thema natürlich. Allerdings ist es tatsächlich ein Spiel zum Film, da ich die Geschichte erst las, nachdem ich das Spiel schon gemacht hatte.

Ich konnte mich an den Film aber auch nur dunkel erinnern, weiß nicht einmal, ob es sich um die Verfilmung von Stevensons Story handelte oder um irgendein Märchen, das Vorläufer oder Nachfolger von Stevensons Story war.

Der erste Prototyp enthielt als Währung jedenfalls DM, Groschen und Pfennige. Die Kartenwerte gaben gleichzeitig Punktwert und Rangwert an. Am Ende der Partie musste man also zusammenzählen: 23 Groschen + 876 Pfennige + 12 DM + 73 Groschen + ...

Wenn es den Deutschen Lernspielpreis damals schon gegeben hätte, wäre mir wohl der erste Platz sicher gewesen. :)

> Wahrscheinlich hat er heimlich mit dem auf unlautere Weise in
> Kreuzberger Geheimlaboren wiederbelebten Autor des Buches
> geschlafen,

Wieso heimlich? Wieso unlauter? Das unerlaubte Übernehmen von Texten ist verboten, das Wiederbeleben von Autoren patentfähig.

> ohne es auf YouTube zu veröffentlichen ;-) Sowas

YouTube gab es damals noch nicht.

> ist immer ein großer Fehler: denn großer Mist erfordert immer
> großes Marketing :-D

Die Grafik der ersten Auflage ist doch wohl Marketing genug: http://www.bambusspiele.de/spiele/flaschenteufel/kritiken.htm#grafik

Gruß, Günter

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Roman

Re: Spiele als Trittbrettfahrer

Beitragvon Roman » 7. Juli 2007, 10:42

Hi Günter,

Günter Cornett schrieb:

[Flaschenteufel]
> Das Thema natürlich. Allerdings ist es tatsächlich ein Spiel
> zum Film, da ich die Geschichte erst las, nachdem ich das
> Spiel schon gemacht hatte.
>
> Ich konnte mich an den Film aber auch nur dunkel erinnern,
> weiß nicht einmal, ob es sich um die Verfilmung von
> Stevensons Story handelte oder um irgendein Märchen, das
> Vorläufer oder Nachfolger von Stevensons Story war.
>
> Der erste Prototyp enthielt als Währung jedenfalls DM,
> Groschen und Pfennige. Die Kartenwerte gaben gleichzeitig
> Punktwert und Rangwert an. Am Ende der Partie musste man also
> zusammenzählen: 23 Groschen + 876 Pfennige + 12 DM + 73
> Groschen + ...

Das erinnert mich an eine sonnige Partie "Pre-Weinhändler" mit Klaus Palesch und Claudia Hely. Wir saßen alle drei leicht demotiviert im Sauerland herum (außer dem hyperengagierten Klaus, bevor man mir hier einen Rufmord anhängt ;-) und wussten nichts mit uns anzufangen. Ich schlug einen Prototypen vor. Einhelliges Urteil: Nettes Spiel, aber wir haben keinen Bock zu rechnen. Am nächsten Tag war "Weinhändler" quasi fertig.

> Wenn es den Deutschen Lernspielpreis damals schon gegeben
> hätte, wäre mir wohl der erste Platz sicher gewesen. :)

Auf den hoffe ich auch noch, wenn ich so manches versemmel ;-)

> Wieso heimlich? Wieso unlauter? Das unerlaubte Übernehmen von
> Texten ist verboten, das Wiederbeleben von Autoren patentfähig.

Haste schon das Patent?

> Die Grafik der ersten Auflage ist doch wohl Marketing genug:
> http://www.bambusspiele.de/spiele/flaschenteufel/kritiken.htm#grafik
>
> Gruß, Günter

Ein echter Klassiker, Günter. Könnte von mir stammen.

Ciao,
Roman


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