Beitragvon Martin Ebel » 5. Juli 2007, 16:40
lieber Frank
Mich macht Deine sehr pauschale Anklage (eine echte Frage scheint mir das nicht zu sein) betroffen.
> Mir ist aber aufgefallen, dass immer, wenn sich ein Spiel als "Trittbrettfahrer" an den Erfolg eines Buches, einer
> Fernsehsendung oder eines Kinofilms anhängt, offensichtlich nur Schrott dabei herauskommt.
>
> Wie seht Ihr das?
Zunächst solltest Du unterscheiden zwischen Commercials, die tatsächlich kurzfristig in Lizenz an Medienereignisse angehängt werden und mit abgedroschenen Spielmechanismen (Mensch ärgere Dich nicht, Quartett, Frage Anwort- Ratekarten)kurzfristig Umsatz machen sollen und zwischen Spielen, deren Entwicklung der Mechanismen ein Thema brauchten und das einer Buchvorlage anpassen konnten/durften.
Als nächste kommt noch die Kategorie "Spieleautor wurde angestossen durch Buch/ Geschichte" dazu.
Als viertes wäre noch die Kategorie "Geschichtliches im Spiel"
Kategorie 1:
neben Micky Maus Figuren als Schachfiguren gibt es auch Commercials, die einen gewissen Witz hatten. ich denke da an Dallas. Spion und Spion von Alex Randolph (vielleicht für seine Freund Feuerstein von Mad entwickelt?) könnte da auch genannt werden.
Kategorie 2:
Bei Säulen der Erde fand man zu einem Prototypen eine passende Anbindung an ein Buch. Hier musste der Autor des Buches, wohl ein überzeugter Nichtspieler, in langwierigen Verhandlungen bewegt werden, seine erlaubnis zu geben. Erst als der Bau der Kathedrale sichtbar im Mittelpunkt des Spiels stand, gab er seine Zustimmung (vom spieleverlag aus hätte man einen Rundenzähler auch preiswerter ins Spielbrett integrieren können). Ich finde nur, die Spieleautoren kommen beim Cover schlecht weg, aber wer nicht eitel ist und an den Verkaufserfolg denkt, wirds verschmerzen (ich könnte es jedenfalls).
Noch spannender finde ich die Umkehrung: Das Klaus Teuber die Buchautoren Rebecca Gable gewinnen konnte, ein Buch zum Spiel zu schreiben. Für mich bedeutet das ein Bemühen , dem Kulturgut Spiel eine Aufwertung zu verschaffen.
Kategorie 3:
Ich habe Ende der 50er als Jugendlicher begeistert SF Literatur gelesen. Eine Kurzgeschichte ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. 1997 habe ich daraus ein Planeten - Bauspiel gemacht, aber leider wurde es von einem Verlag zurück geschickt. Da Douglas Adams in seiner Romanserie diese Kurzgeschichte einbaute, habe ich inzwischen noch mehr Bezüge zu diesem Roman eingebaut.
Als autor entwickelt man ein Spiel entweder von einem Mechanismus her, den man entwickelt hat und sucht sich dann ein Thema oder man nimmt ein Thema aus seiner Lebenserfahrung und dazu gehören auch Bücher und Filme.
Kategorie 4:
Die Geschichte der Menschheit: da fällt mir gleich die Auftragsarbeit von Wolfgang Kramer ein, die natürlich zur Kategorie 1 gehört. aber der Begriff Geschichte kommt nun mal von Geschichten, die uns unsere geschichtliche Vergangwenheit überlieferte. Kannst Du Dir vorstellen, wie arm unsere Spielelandschaft wäre, wenn es keine Bezüge auf geschichtliches gäbe: Kein Robin Hood, kein el Grande, kein Ivenhoe, kein Löwenherz, keine Ritter, Indiander, Piraten, Eroberer, berühmte Feldherren, kein Notre Dame, kein dreißig jähriger Krieg, kein Shogun.
Und damit komme ich zu etwas Grundlegendem:
Ein Buch ist ein vom anfang zum Ende hin durchkomponiertes Werk das einen klaren Anfang und ein eindeutiges Ende hat. Nachdem du das Buch durchgelesen hast, kannst Du es nicht noch einmal neu erleben.
Im Gegenstz dazu muss das Spiel vom ungewissen Ausgang leben. Es darf kein fertiges Ende haben, höchstens eine Ende - Definition. Deshalb kann ein Spiel nie wie ein Buch sein.
leider gibt es trotz dieser eindeutigen Setzung Ausnahmen und Grauzonen. Sind Rollenspielbücher oder Deduktions Spielbücher wie Sherlock Holmes oder "Der Zauberer vom flammenden Berg spielerische Bücher oder Spiele im Buchgewand?
Auf jeden Fall hat ein Spiel wie "das kleine Gespenst" von
Kai Haferkamp Familien wieder auf das Lesen des Buchs von Otfried Preussler neugierig gemacht.
Es gibt meiner Meinung nach nur ein Spiel, daß die literarische Vorlage zu über 90% in Geist und Inhalt widerspiegelt und das ist "Flaschenteufel" (Bambusverlag?).
Dabei kommt die Geschichte dem Spiel aber auch weit entgegen. Es liest sich schon fast wie eine Spielregel.
Lieber Frank; ich bitte dich: Wenn du wieder eine Frage hast, verstecke darin nicht wieder eine vernichtende Kritik an Spieleautoren und solche die es werden wollen. Gerade in diesem Fall ist das Thema viel zu vielschichtig. aber natürlich ist ehrlich fragen ohne Vorurteil immer erlaubt.