Beitragvon ravn » 23. November 2007, 00:58
Hallo,
von der Austattung allgemein und der Vielfalt an Karten mit so vielen unterschiedlichen Möglichkeiten bin ich bei Agricola immer noch begeistert. Allerdings weiss ich nach zwei gespielten Solo-Partien nicht mehr so recht, ob die zufällige Kartenverteilung nicht zu mächtig ist...
Im Prinzip geht es ja um Siegpunkte (entweder maximiert im Solospiel oder mehr als die Mitspieler als Mehrpersonenspiel) und dazu sollte man im Idealfall in möglichst vielen Wertungskategorien das Maximum anstreben. Das geht aber eigentlich nur, wenn man möglichst viele Aktionen zur Verfügung hat. Dazu braucht man so schnell wie möglich neue Familienmitglieder, bis man die Maximalzahl von 5 Aktionen pro Spielrunde zur Verfügung hat und trotzdem alle noch ernähren kann. Bettelkarten sollte man absolut vermeiden, soviel ist auch klar. Das sind eigentlich die Grundbedingungen, die jeder anstreben sollte und die sich von Partie zu Partie auch nicht ändern.
Was sich aber von Partie zu Partie ändert, dass sind die 7+7 Handkarten, die man zur Verfügung hat...
In meiner ersten Solopartie gab es da eine Karte, die ich schnell ausspielen konnte, wobei ich zwei Holz liegen lassen durfte und dafür drei Nährwerte bekam. Ideale Nährwertquelle, womit ich über das ganze Spiel in Kombination mit dem Fischteich und/oder später die Verkochung von Pflanzen oder Tiere nie Probleme mit der Nahrungsbeschaffung hatte und stattdessen meine Aktionen voll auf Siegpunktmaximierung konzentrieren konnte. Dazu noch die Karte, um direkt von Holz zur Steinhütte zu renovieren und eine Karte, die Hausbauten preiswerter von den Rohstoffen gemacht hat.
Im Endeffekt waren das dann 53 Punkte, wobei ich sogar noch zu viel NW für Neugeborene bezahlt habe.
In der zweiten Solopartie hatte ich fast nur Handkarten, die erst in der zweiten Spielhälfte griffen, weil Rohstoffe oder Vorbedingungen erforderten, die ich schlicht zu Spielstart nicht hatte. Dazu noch Karten, die reine Siegpunktboni in der Endwertung einbrachten, aber nicht dabei halfen, effektiver ins Spiel zu kommen. Das war ein arg mühseliges Spiel, bei dem ich erst arg spät auf Famlienzuwachs setzen konnte, weil die sonst schlicht gebettelt hätten müssen.
Bin trotzdem noch auf 50 Punkte gekommen. Hätte ich aber in meiner zweiten Partie ebenfalls die "guten" Handkarten der ersten Partie gehabt und das in Kombination mit der gewonnenen Spielerfahrung, wäre sicherlich noch wesentlich mehr drin gewesen.
Fazit: Wenn ich jetzt überlege, dass das jeweils die Hardkarten in einer 2er-Partie gewesen wären, dann wäre schlicht ein Spieler benachteilgt gewesen, weil er sich zu viel auf NW-Beschaffung hätte konzentrieren müssen, während der andere Spieler schneller mehr Familienmitglieder hätte ernähren können und damit eher mehr Aktionen zur Verfügung, die dann schliesslich Spiel entscheidend gewesen wären.
Eine oder sogar zwei Aktionen mehr pro Spielzug kann bedeuten, dass man eben noch Rohstoffe nehmen kann und dann direkt Anschaffungen oder alternativ Zäune bauen und Tiere nehmen ... eben das, was dem anderen Spieler verwehrt bleibt, weil er seine Aktionen aufs absolute Überleben konzentrieren muss.
Ist so überhaupt ein Mehrpersonenspiel möglich, wo man die Siegpunkte untereinander vergleichen kann, um den einen Sieger zu ermitteln? Oder kann man eigentlich nur sagen, dass man mit den durch Handkarten gegebenen Möglichkeiten das Beste (oder auch eben nicht) herausgeholt hat und es andere Spieler eventuell einfacher hatten?
Bin auf Eure Meinung gespannt, die auf hoffentlich vielen und spielenswerten Mehrpersonenpartien beruht. :-)
Cu/Ralf