Beitragvon Mirko » 23. Februar 2011, 02:27
Hallo Wolfgang!
Zu deiner Frage nach objetkiven Mängeln hänge ich zunächst mal einen Link an: http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=198740&t=198585&
Günters Ausführungen möchte ich zustimmen, handwerklich wäre bei dem Spiel mehr möglich gewesen, um den bei unaufmerksamen Mitspielern regelmäßig eintretenden Königsmachereffekt zu eliminieren.
Die Handlungsmöglichkeiten der Spieler sind oftmals stark limitiert. Befrage 100 erfahrene Spieler zu verschiedenen Zeitpunkten während einer Keltis-Partie nach der Anzahl der ihnen sinnvoll erscheinenden Züge. Lasse diese Spieler nun jeweils ein anderes willkürlich gewähltes Spiel des Jahres spielen und befrage diese nun eben so häufig zu verschiedenen Zeitpunkten nach ihren Entscheidungsmöglichkeiten. Die Daten werden eine eindeutige Sprache sprechen und aufgrund der Ähnlichkeit und voneinander unabhängigen Bestätigung der Aussagen empirisch eindeutig genug sein, um von einem (nach konventionellen wissenschaftlichen Standards der Empirie) objektiv aussagekräftigen Ergebnis sprechen zu können.
Es gibt bei dem Spiel keine variablen, gleichermaßen interessanten Strategien oder voneinander unterscheidbaren Spielweisen. Der Spieler agiert nach offensichtlichen Prioritäten, die auch jedem unbedarften Neueinsteiger nach spätestens drei Partien aufgegangen sind. Bei diesem Maß an spielerischer Trivialität, die auch noch gepaart ist mit einem gleichförmigen Spielverlauf, der auch in mehreren Partien keine große Varianz bietet, ist die Spieldauer mit 30-45 Minuten ganz schön ordentlich bemessen um nicht zu sagen ziemlich lang.
Der Spielreiz ist recht einfach zu beschreiben: Karte spielen - Hoffen - Karte ziehen - Hoffen - Karte spielen - Hoffen...
Das erinnert an Spiele wie z.B. "Tempo, kleine Schnecke!": Würfeln - Schnecke ziehen - Hoffen - Würfeln - Schnecke ziehen - Hoffen...
Das Spiel von Alex Randolph dauert nur 10 Minuten, ist dabei vergleichbar spannend und bedient die gleichen Emotionen und Spielanreize wie Keltis. Ich halte es für wesentlich besser - und zwar selbst als Spiel mit Erwachsenen. Haben die nämlich keine Wahl und machen immer den von ihrer Kartenhand vorgegebenen bestmöglichen Zug, kommt das dem Auswürfeln gleich, nur ist Auswürfeln spannender und packender - für alle Spieler, auch die unbeteiligten.
Darüberhinaus dürfte die Qualität der Spielillustration an dem Etat gut messbar sein. Die Arbeit an den Säulen der Erde hat eindeutig mehr Aufwand und damit Kosten verursacht als die von Keltis. Für einen Profi ist die Keltis-Grafik in wenigen Stunden fertig, eine große Zahl der Kosmos-Spiele ist und war grafisch und auch materiell weitaus gediegener und umfangreicher als Keltis. Ausstattung, redaktionelles Finetuning, Thematik u.ä. Aspekte des Spiels sind nicht viel mehr und nicht viel weniger als solides Mittelmaß, was sicher auch in der Kostenkalkulation des Spiels seinen Ausdruck fand.
Gemessen an der außerordentlichen Qualität des Original-Zweipersonenspiels ist Keltis schlicht und ergreifend enttäuschend. Der eklatante Mangel an thematisch faszinierender Spielwelt, der Keltis in erheblichem Maße vom Vorgänger und dem Lost Cities Boardgame unterscheidet ist sicherlich ebenso durch eine Befragung zufällig ausgewählter Besitzer beider Spiele empirisch nachweisbar.
Zuletzt möchte ich nochmal erwähnen, dass bei sehr ungünstiger Kartenverteilung und zugegebenermaßen unklugem Spielerverhalten die Möglichkeit einer nicht regulär endenden Partie gegeben ist, weil keiner der Spieler den Zielbereich erreichen kann. Ein heftiger, objektiv gegebener Mangel der sich durch redaktionelle Bearbeitung vor Veröffentlichung des Spiels hätte beheben lassen.
Nun ja, ich hoffe die Ausführungen genügen Dir und sind ausreichend stichhaltig, andernfalls bitte ich die Suchfunktion des Forums zu bemühen. Die o.g. Mängel bringe ich nicht als erster zutage und gewiss auch nicht als letzter.
Verspielte Grüße
Mirko