Beitragvon Bastl » 22. Januar 2001, 12:59
1. Spielziel erreichen, oder abbrechen
Es hat sich bei meinen wenigen Konfliktsimulationspartner und mir eingebürgert, daß wir eine Simulation beenden, sobald erkennbar ist, daß die Partie praktisch gelaufen ist.
Bei den sonst üblichen (Familien)Spielen, traf ich sehr häufig auf "Bloss nicht aufhören, weil ich will den Sieg bis zur Neige auskosten" Hirsche - ist das Norm, oder spiel ich nur mit Spinnern ;-)
>Cosims spielt man normalerweise zu zweit und über Etliche Stunden. Wenn Hannibal nicht über die Alpen Kommt oder schon der Überfall auf Polen zum Fiasko gerät, dann ist es sicher sinnvoll aufzugeben. Entscheidend ist da aber, dass es einen Verlierer und einen Sieger gibt, wie der ermittelt wird, ob durch Erreichen des Spielziels, -endes oder durch Aufgabe ist egal.
Bei Mehrpersonenspielen ist das was ganz anderes. Kann ich nicht mehr gewinnen, dann stecke ich meine Ziele neu. Dann will ich eben Zweiter oder Dritter werden. Und wenn gar nichts mehr geht, dann bin ich eben frustriert und warte aufs Spielende.
Der Fall, dass jede Position entschieden ist, tritt ja wohl nur sehr selten ein.
Und gerade bei Spielen, die 1-2 Stunden gehen, kann man doch durchaus bis zum Ende spielen. Schließlich geht es nicht nur ums Gewinnen.
(So Spinner, wie du sie anführst, kenne ich eigentlich nicht; liegt vielleicht daran, dass wir fast alles zu Ende spielen?)
2. Flittergirls
Geht es nur mir so, daß bei manchem Spielende ein fast öder Geschmack überbleibt?
Bei "Die Siedler von Catan" ging es mir zum Beispiel meist so.
Ich glaub - bloße Theorie - es mag daran liegen, daß es so ein 'Open-End' Spiel ist. So baut sich keine offensichtliche Spannung auf (noch 3 Züge... noch 2...). Praktisch mitten im Spiel ruft einer: "Sieger", und deckt zur Überraschung noch seine 2 Siegpunktkärtchen auf und Ende. Ist so ein plötzliches Ende nicht wie ein Coitus Interruptus? ;-) Also für mich schon... oder bin ich mit diesem 'Problem' so ganz allein?
>Kann ich so nicht nachvollziehen. Gerade bei Siedler ist doch eine absolute Spannungskurve da (2-5 SP: egal, 6-7 SP: obacht, ab 8 SP: lang geht das Spiel nicht mehr, Handelsboykott, schaffe ich es oder der andere - oder gar der dritte?). Überraschend ist das Ende da doch eigentlich nicht.
Und: Bei rundenbasierten Spielen stellt sich doch viel weniger Spannung ein, da geht's doch in der letzten Runde oft nur noch um Optimierung, ohne dass man noch wirklich etwas beeinflussen könnte. Öfters treten dabei Kingmaker-Situationen ein, in denen man nur entscheiden kann, wer gewinnt (setz ich ihn da ein, gewinnt Spieler 1, setz ich ihn da ein, gewinnt Spieler 2, ich werde immer zweiter) und noch viel blöder ist es, wenn ich in Runde 7 von neun Runden weiß (nicht glaube!), ich kann den ersten in diesen zwei Runden nicht mehr erreichen (z.B. weil ich zählen kann) und deswegen auf den Zweitplazierten einschlage, der vielleicht noch hätte gewinnen können, so aber nicht mehr.
Das Problem ist also vielleicht weniger das offene Ende als die momentan sehr populäre Art, den momentanen Stand sehr transparent zu machen. Spannend wird es so richtig nur, wenn man den Stand zwar abschätzen kann, ihn aber nicht kennt.
Dabei verbietet sich dann ein offenes Ende weitgehend von selbst.
Und vorzeitig abgebrochen wird normalerweise auch nicht.
Bastl