Beitragvon Roman Pelek » 9. Februar 2001, 15:02
Hi Henrik,
>Im Endeffekt bekommt ein großer Konzern wie Ravensburger und Kosmos
den Pöppel.<
Der Nachteil eines Preises liegt darin, dass die meisten Unkundigen sich nur für den Sieger interessieren. Wenn ich mir die Auswahllisten und Nominierungen der vergangenen Jahre anschaue, finden sich da in meinen Augen genug gute Kleinverlagstitel (z.B. Zoch, Holzinsel, Doris&Frank). Und mit Hans im Glück ist ein Kleinverlag dabei, der auch schon mit El Grande den Titel bekommen hat und auch letztes Jahr wieder nominiert war.
Ob es nun berechtigt ist, dass z.B. Ravensburger jetzt wieder zweimal den Titel bekommen hat, obwohl je nach subjektivem Empfinden bessere Spiele oder für Familien geeignetere Spiele auf der Auswahlliste standen, darüber kann man sich wirklich lange streiten - aber eine offenkundige "Fehlentscheidung" zugunsten der Großen kann auch aufgrund der Qualität der SdJ's Tikal und Torres nicht sehen, auch wenn ich in beiden Fällen andere Spiele als SdJ bevorzugt hätte.
Aber mal kurz theoretisch angedacht: mir hätten "Union Pacific" und "Tadsch Mahal" als SdJ persönlich am besten gefallen. Wären sie's nun geworden, dann wären Amigo und Alea, also Ravensburger, Preisträger, und somit genauso Großverlage. Und mit Amigo, die mit "Elfenland" Preisträger waren, ein Verlag gleich zweimal und sogar mit Spielen vom selben Autor - also sicherlich eine genauso kritisierbare Entscheidung, die Stimmen hervorgerufen hätte a la "Schon wieder der Autor, schon wieder der Verlag".
Was willst Du da machen? Was hättest Du Dir denn für Entscheidungen gewünscht, auf die Deine Kritik nicht zugetroffen hätte?
Ich persönlich würde mir wünschen, wenn man den Leuten irgendwie vermitteln könnte, dass sie nicht, wenn sie ein Spiel kaufen, das SdJ kaufen müssen; sondern sich vielleicht lieber aufgrund ihres persönlichen Geschmacks eins von der Auswahlliste aussuchen?
Es ist eine extrem heikle Entscheidung, was man als SdJ kürt, da bei den breiten Massen nur dieses Spiel wirkliche Beachtung findet. Und da Spiele immer AUCH subjektiv sind, gibt es selten Titel, die so herausragen, dass sie alleinig den Titel verdient hätten. Leider fallen die, die da auf der Strecke bleiben, untern Tisch.
Ich finde, man sollte da irgendwie ansetzen, den Leuten die Auswahlliste als Kaufentscheidung wirklich nahezubringen. Wenn ich von einigen Leuten gehört habe, die sich das SdJ Torres gekauft haben und damit überfordert waren bzw. ein Spiel genommen haben, das überhaupt nicht ihren Neigungen entspricht, finde ich so etwas bedauerlich.
Also, ums kurz zu machen: auch ich hätte oftmals ein anderes SdJ gerne gesehen, und meine Erfahrungen mit Gelegenheitsspielern bestätigen das auch. Tikal und Torres waren meiner Meinung nach nicht primär Familienspiele, andere Spiele funktionieren bei uns mit Gelegenheitsspielern viel besser. Aber um mehr Kleinverlage mit dem Titel zu bedenken, da müsste doch manchmal mehr an Qualität her.
Wenn ich nachdenke, kommen meine momentanen Lieblingstitel Java, Babel, Carcassonne und San Marco auch 2x von Ravensburger, 1x Kosmos und 1x Hans im Glück...
Apropos Großverlage: wenn man sich z.B. Hasbro anschaut, glänzen die in Ihrem Spieleprogramm, abgesehen von "ollen Avalon-Hill-Kamellen", nicht gerade durch Qualität. Ravensburger und Kosmos mit ihrem Spieleprogramm dagegen haben auch in meinen Augen ein exzellentes Spieleprogramm. Und als Kleinverlag ist Hans-im-Glück hervorragend bestückt (El Grande, Euphrat & Tigris, Carcassonne, OFUA).
Ciao,
Roman