Beitragvon Roman Pelek » 13. Februar 2001, 01:32
Hallo unbekannt,
>Seien wir doch ehrlich!!! Außer uns (!) interessiert es doch wirklich niemand,
wer, wie und weshalb die Spiele ausgewählt werden...<
So, jetzt haben wir's ja wieder. Ein anonymes Posting und ein Inhalt dessen, der zumindest formell einem in Erinnerung ruft, warum der Absender anonym bleiben will. Mein Vorschlag zur Sache wäre: einfach 2 Minuten länger über das Posting nachdenken, 5 Ausrufezeichen aus Bescheidenheit mal weglassen - und dafür den Namen drunterschreiben. Schon ist ein wunderbarer, interessanter Beitrag zum Forum hier entstanden. Und jetzt mal zum Inhalt:
>Die meisten wissen
weder wer die Spiele auswählt, noch wie das ganze funktioniert - und sie
wollen es auch gar nicht wissen!!!<
Ein Ausrufezeichen langt. Ansonsten ist diese Aussage für sich richtig, aber von Belang sind eh nur die Konsequenzen, die darüber hinaus aus der Auswahl der SdJ's entstehen. Und dazu mehr:
>Was interessiert ist der Aufdruck auf der Packung, der als Kaufempfehlung
wahrgenommen wird - mehr auch nicht!!!<
Die meisten von uns sehen das genauso, da bedarf es nicht eines "Anschreiens" in Form dreier Satzzeichen ;-)
>Die Jury wird sich neu formieren, die die Geldpolitik wird etwas
durchsichtiger und in ein paar Wochen interessier es wirklich niemand mehr
und alles ist beim alten - der Normalverbraucher bekommt nix mit!<
Das steht leider zu befürchten, meine Anfrage bzgl. des DSP hier hat dieses Desinteresse leider bestätigt. Aber der Normalverbraucher muss auch nix mitbekommen, wenn es ihn nicht interessiert. Niemand wird auf eine Spieleschachtel drucken "Spiel des Jahres 2001, wenn auch mit drei Jurymitgliedern weniger"...
>Wer von den Jurymitgliedern denkt, er wäre der Nabel um den sich alles
dreht und wäre unersetzlich der irrt gewaltig<
Ich denke nicht, dass einer der Jurymitglieder diesem Gedankengang länger nachhängt. Was vielmehr zählen mag ist, dass einige Jurymitglieder quasi ein Lebenswerk geschaffen haben, dessen Bestehen unmittelbar mit ihrem Engagement verknüpft ist. Da diese Jurymitglieder aber auch die finanzielle Absicherung des Ganzen in einer Doppelmitgliedschaft regeln, geraten sie dadurch unweigerlich in Verruf, mag sein zu Recht, mag sein, dass dies nur "Formfehler" sind. Egal wie, sollten sich die betreffenden Personen aber darüber Gedanken machen, wie sie ihr Werk auf eigene finanzielle und organisatorische Beine stellen. Darum geht es. Da es so wie bisher bequemer ist, sehen diese Personen keinen großen Anlass zu radikalen Änderungen. Diese müssen aber erfolgen, will man öffentlich als unabhängig dastehen, egal, wie stark diese Belange wirklich Entscheidungen beeinflussen. Im Zweifelsfall immer zu stark.
>- ich hoffe die ganze Sache ist
für unsere Jurymitglieder heilsam und bringt sie auf den Boden der
Tatsachen zurück...<
Ich hoffe, einige Jurymitglieder erkennen, dass ihnen niemand ihre Verdienste oder Werke streitig machen will, sondern nur die Unabhängigkeit der Jury bar jedes Zweifels sicherstellen will. Und, nicht zuletzt, obliegt es der Jury nun, die Weichen für die nachfolgende Generation zu stellen. Doch genau diese hat ja jetzt die Jury verlassen - und das ist ein sehr ernstes Problem.
>Der Preis "Spiel des Jahres" hat sich in den Jahren zu einem sehr mächtigen
und "wertvollen" Preis für die Verlage entwickelt (Kosmos verdankt ihm seine
überleben)<
Ich persönlich bin dankbar für das Überleben von Kosmos, es ist aber auch objektiv gerechtfertigt. Siedler war und ist das Jahrhundertspiel für die Massen. Dass viele (auch ich) es nicht mehr sehen können, ist dabei völlig unerheblich, und würde es auch niemals der Jury zum Vorwurf machen. Und wenn ich meinen Spieleschrank anschaue, besitze ich 80% des Kosmos-Programms, was die Sache für mich nur noch mehr rechtfertigt.
>- aber es sollte darauf geachtet werden, dass die erwählten
Spiele in Zukunft den Preis auch verdient - die meisten Käufer vertrauen
darauf, dass es sich bei dem gekauften und prämierten Spiel um "Das Spiel
des Jahres" handelt - natürlich kann man nie einwandfrei klären, welches
Spiel das Spiel des Jahres ist, aber es sollte ein Spiel sein, dass für die
meisten (also den durchschnitt) der Spieler auf alle Fälle eine Bereicherung
ist<
Ja. Die Jury sollte schauen, dass sie auch bei gestiegener Komplexität der Spiele und höherer Bereitschaft der Massen, komplexere Spiele zu spielen nicht über's Ziel hinausschiesst. Torres z.B. ist für mich einen Tick zu abstrakt für die Massen - Meinungen von Leuten, die das als Fast-Nie-Spieler geschenkt bekamen, bestätigen das leider. Ungeachtet der Qualität des Spiels an sich.
>- die Jury hat jetzt die Chance einen neuen Weg einzuschlagen - ich hoffe
sie nutzen es - ansonsten plädiere ich dafür, dass wir einen Computer mit
allen Spieleneuheiten füttern und per Zufallsverfahren das Spiel des Jahres
auswählen lassen - dann hätte als der Hickhack endlich ein ende...<
Das ist Unfug, da die SdJ's immer der gehobenen Klasse von Spielen entsprangen. Mein größter Kritikpunkt ist da immer noch, dass die Jury manchmal im Niveau zu tief oder zu hoch greift für Otto-Normalspieler.
>die
meisten Käufer würdens sowieso nicht merken (schließlich spielen die
meisten Käaufer die Spiele ja auch nicht selbst, sondern verschenken sie -
und da liegen sie dann im Schrank)...<
Und, weiter? Wenn Du bei jemandem beobachtest, dass er zwei SdJ's im Schrank verstauben lässt oder schon an Weihnachten keinen Spass dran hat, dem schenkst Du nächstes Mal vielleicht die Kuschelrock Vol. 113, und schaust dann weiter, ob er das mag.
Insofern haben sowohl die Massentauglichkeit als auch die Qualität des Spiels entscheidenden Einfluss auf die Spieleszene. Beides ist wichtig für das SdJ. Für den DSP sind, m.E. nur Qualitätsbelange wichtig, aber das zu erörtern, füllt ganze Bildschirmseiten mit Diskussionen.
Ciao,
Roman