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Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Wolfgang Ditt

Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Wolfgang Ditt » 24. Februar 2001, 21:12

In letzter Zeit häufen sich Postings, bei dem Meinungen zu einem Spiel nach Regelstudium oder einem Spiel bekannt gemacht werden. In der Newsgroup Brett+Karten fand sich unter anderen folgender Inhalt (anonymisiert, Spielname entfernt; beides trägt hier nicht zur Sache bei): "Wer ernsthaft Spielebesprechungen schreibt braucht m.E. kein eigenes Exemplar von ... , um beurteilen zu können, dass die _spielerische_ Substanz dieses Titels gegen Null tendiert."
Ich möchte hier ausdrücklich nicht diese Art von Postings kritisieren, es steht jedem frei, seine Meinung kundzutun. Auch spielt in anderen Belangen diese Art der Meinungsbildung eine Rolle: dann nämlich wenn ein Rezensent beschließt, was er rezensieren möchte oder wenn ein Käufer ein Spiel kauft (zumindest wenn er sich nicht oder nur unzureichend vorher informiert).
Hier interessiert mich aber, ab wann ihr meint, dass man ein Spiel soweit beurteilen kann, dass man es eine fundierte Meinung nennen kann.
Wolfgang

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Stefan-spielbox

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Stefan-spielbox » 24. Februar 2001, 21:48

Also für den "Hausgebrauch" würde ich schon 2-3 maliges spielen, günstigstenfalls mit verschiedenen Mitspielern als ausreichend betrachten. Letztendlich ich eine Beurteilung aber immer subjektiver Natur und deshalb sollte man auch immer mindestens eine zweite Meinung hören. Ich habe mich nicht davon abhalten lassen, ein negativ besprochenes Spiel welches mich interessiert zumindest mal in die Hand zu nehmen, das Material unter die Lupe zu nehmen und Regeln zu studieren. Das ermöglicht mir zwar keine (oder nur eine unvollständige) Bewertung des Spieles, aber meine "spielerische Erfahrung" hat mich da nur selten im Stich gelassen, so daß ich mich für oder gegen ein Spiel entscheiden kann.
Von "professionellen" Spieletestern (solche die ihre Meinung in Zeitungen oder anderen Medien veröffentlichen) erwarte ich allerdings, daß sie das betreffende Spiel tatsächlich mehrmals gespielt haben, sich um etwaige Regelfragen gekümmert und diese geklärt haben, die Meinungen ihrer Mitspieler mit in Betrachtung ziehen und unvoreingenommen an die Sache herantreten.
Stefan

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Helmut
Kennerspieler
Beiträge: 1529

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Helmut » 24. Februar 2001, 22:19

Also, Wolfgang, dieses Posting habe ich auch mit Kopfschütteln gelesen. Ich jedenfalls sehe mich außerstande, ein Spiel in der Zeitung zu rezensieren, das ich wenigstens mal ausgeliehen und gespielt habe. Leider schaffe ich es weder zeitlich noch personell, ein Spiel mehr als zweimal mit wechselnden Personen auszuprobieren. So ziehe ich zur Urteilsbildung gerne Fachleute hinzu (Spieler-Presse), um mein subjektives Urteil zu bestätigen oder die gegenteilige Meinung wiederzufinden.
Gruß
Helmut

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Erhard Portner

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Erhard Portner » 25. Februar 2001, 09:46

Hallo Wolfgang,
wir sind uns doch sicherlich darin einig, dass man Deine Frage, ab wann man ein Spiel "beurteilen" kann, so generell gar nicht beantworten kann. Feste Regeln dafür gibt es nicht! Ich kann doch nicht sagen: "Ich muss ein Spiel grundsätzlich fünfmal gespielt haben, um mir eine fundierte Meinung über ein Spiel bilden zu können. Punktum!" Das hängt doch selbstverständlich vom jeweiligen Spiel ab. Es gibt Spiele, da mag in der Tat bereits die Regellektüre ausreichen, um sich hinreichend vorstellen zu können, wie das Spiel abläuft. Dies gilt insbesondere für Spiele mit einfachen Regeln, die vielleicht dann auch noch mit bekannten anderen Spielen sehr vergleichbar sind. Außerdem hängt es auch von der jeweiligen Spielerfahrung der Person ab, die das Spiel beurteilt. Leute, die über langjährige Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Spielsystemen verfügen, sind schon schneller in der Lage, die "Spreu vom Weizen" zu trennen und zu beurteilen, ob und welchen Spaß ein Spiel in welcher Spielrunde machen kann oder auch nicht machen kann.
Natürlich gibt es dann aber auch Spiele, da reicht ein Regelstudium wirklich nicht aus, um beurteilen zu können, ob das Spiel nun tatsächlich "gut funktioniert", wie die Spielmechanismen ineinander greifen, ob das Spiel "Spaß macht" usw. Hier muss man das Spiel einfach gespielt, möglichweise auch wiederholt gespielt haben. Wir kennen doch sicherlich alle die Situation, wo sich uns die Qualität eines Spieles erst nach mehreren Partien erschließt; womöglich auch erst dann, wenn wir es mit verschiedenen Leuten gespielt haben. Oder auch der andere Fall: Nach mehreren Partien stellt man fest, dass ein Spiel, das man zunächst gut fand, dann doch seinen anfänglichen Reiz verliert oder irgendwelche Schwächen des Spiels sich auftun.
Ich bin also wirklich der Meinung, dass es sehr unterschiedlich ist und vom jeweiligen Spiel abhängt. Gut ist, wenn man selbst erkennen kann, ob man sich wirklich bereits eine abschließende und fundierte Meinung über ein Spiel bilden kann. Aber auch das kann natürlich schwer sein. Vor Überraschungen wird man nie gefeit sein. Wenn ein Spiel wie eine Theateraufführung ist, hängt eine Beurteilung auch immer von der jeweiligen Aufführung ab. Auch ein Spiel, das man selbst vielleicht bereits als "grottenschlecht" beurteilt hat, kann durchaus plötzlich in der entsprechenden Runde aus irgendwelchen Gründen unheimlich viel Spaß machen. Und das finde ich auch gut so!
Mit verspielten Grüßen
Erhard

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peer

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon peer » 25. Februar 2001, 12:31

Hi,
ich denke auch, es hängt sehr stark davon ab, was man mit der Beurteilung erreichen will. Möchte ich wissen, ob ich mir ein Spiel kaufen soll, entscheide ich per Regelstudium.
Das ist natürlich nicht immer wirklich verlässlich - Laguna z.B. wollt ich mir nach der Regellektüre nicht kaufen, erst die positive Resonanz hat mich zum Kauf überredet und nun bin ich sehr zufrieden. Mr Moneymaker ist bei uns zum Synonym eines Spieles geworden, dessen Spielspass größer ist, als die Summe seiner Regeln.
Um eine Empfehlung auszusprechen sollte man ein Spiel also schon gespielt haben. Wenn man eine professionelle Rezension schreibt, muss man es entsprechend oft gespielt haben, möglichst mit verschiedenen Mitspielerzahlen und so. Und von einer Jury die ein Spiel küren will sollte man dementsprechend erwarten...
ciao,
Peer

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Mifu

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Mifu » 25. Februar 2001, 22:54

Wir spielen die Spiele in zwei verschiedenen Spielgruppen. Die Bewertung der einzelnen Spieler fließt in die Bewertung mit ein. Bei Spielen ab 10 Jahren werden noch meine Kinder bemüht, deren Beurteilung meistens kritscher als meine eigene ist.
Meine letzte Rezension war Offline vom franjos. Dieses Spiel finde ich und alle Spieler aus der Gruppe als sehr gut. So ist meine Rezension auch entsprechend poitiv ausgefallen. Aber wenn ein Spieler keine abstrakten Spiele mag oder Spiele,die mit ordentlicher Denkarbeit verbunden sind, so wird er meine Bewertung beim besten Willen nicht verstehen. Ein weiteres Beispiel : Halali ! vom Kosmos Verlag. Bei diesem Spiel ist theoretisch von Glücksspiel bis spassige Jagd mit überraschenden Wendungen alles denkbar. Wo liegen da die Grenzen für eine Rezension ? Ich denke, dass sich der Spieler letzlich nur an dem Autor der Rezension selbst orientieren kann. Wenn dieser auf der gleichen "Wellenlänge" wie der Spieler liegt, kann er die Bewertung auch sinnvoll verwenden und das wäre dann auch ein sinnvolles Ziel einer Rezension.

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Ulrich Roth

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Ulrich Roth » 26. Februar 2001, 02:10

> Hier interessiert mich aber, ab wann ihr meint, dass man ein Spiel soweit beurteilen kann, dass man es eine fundierte Meinung nennen kann. <
Hallo Wolfgang,
für Rezensionen o.ä. differenzierte Bewertungen ist natürlich Probespielen Pflicht (und nicht zu knapp!).
Geht es aber nur um die Frage "Daumen rauf" oder "Daumen runter", kann oftmals durchaus das bloße Regelstudium (und/oder Heranziehen anderer verfügbarer Informationen) genügen, um eine Entscheidung zu "fundieren".
Das gilt zunächst natürlich für das rein private "kaufen oder nicht kaufen", aber m.E. im Prinzip genauso für die Fragestellung etwa einer "Jury Spiel des Jahres", welche Spiele überhaupt als Kandidaten für die Auswahlliste in Frage kommen und demnach ausgiebig probegespielt werden müssen.
(Ich bin also nicht der Meinung, dass die Jury unbedingt jedes Jahr sämtliche Neuerscheinungen in Grund und Boden testen muss; dann würde sie nämlich am Ende den Wald vor Bäumen nicht mehr sehen...)
Ulrich

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Bernd

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Bernd » 26. Februar 2001, 09:02

Hallo Wolfgang,
die Frage, wie oft man ein Spiel gespielt haben muss um sich eine Meinung zu bilden, lässt sich nicht so pauschal beantworten. Grundsätzlich reicht es meiner Meinung nach aber überhaupt nicht, ein Spiel bereits nach dem Durchlesen der Regeln zu beurteilen. Nach dem Durchlesen der Regel von "Drachengold" z.B. konnte ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das Spiel funktionieren würde. Als wir es dann aber gespielt haben, funktionierte es sehr gut und hat auch wirklich Spaß gemacht. Das Gleiche gilt für Troia.
Gefällt ein Spiel absolut nicht, kann man dies meiner Meinung nach schon nach einem Spiel posten, wenn man auf eine Anfrage antwortet. "Ungefragt" würde ich dies nicht tun. Wichtig ist dabei aber, dass man Gründe für das Nichtgefallen angibt, und sich bewusst ist, dass es ja nur eine persönliche Meinung ist. Ich habe z.B. weiter unten einen negativen Bericht über "Big Deal" gepostet und habe klar gesagt, warum es mir nicht gefällt. Wer mit den von mir genannten Kritikpunkten leben kann, kann also durchaus glücklich werden mit dem Spiel.
Gefällt ein Spiel aber schon beim ersten Mal, sollte man sich aber etwas zurückhalten, denn ich glaube das viele Forumsteilnehmer Neuheiten aus Freude über etwas Neues überbewerten. So fand auch ich, wie viele Andere auch, Capitol nach dem ersten Spiel sehr gut, nach dem zweiten aber nur noch nett.
In diesem Zusammenhang sind mir hier im Forum zwei Dinge aufgefallen. Erstens werden viele Spiele einfach zu gut bewertet, was wohl damit zusammen hängt, dass gute neue Spiele geradezu herbei gesehnt werden.
Das zweite ist, dass hier vor kurzem noch über mangelnde Innovation geklagt wurde, neue Spielsysteme wie z.B. Herr der Ringe aber schnell niedergemacht werden. Dagegen reicht einigen Leuten bei einem Spiel mit geklauten Mechanismen das Lesen der Regel um es gut zu finden.
Ich persönlich lese zwar die ganzen Postings und Meinungen zu den einzelnen Spielen, bin aber in der glücklichen Situation, dass ich die neuen Spiele alle im Spieleladen meines Vertrauens selber antesten kann.
Bernd

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Stephan Z.

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Stephan Z. » 26. Februar 2001, 12:12

Über den Daumen gepeilt: 3 mal (mindestens 2 mal)
Das Problem: wer spiel schon gerne ein Spiel, daß er
gar nicht mag mehr als 1 mal :)
Bei dem was ich schon in Zeitungen und sonst wo an
Spielbeschreibungen gelsen habe zieht es mir
allerdings manchmal die Nägel hoch.
Meinung hin oder her, aber bei manchen Leuten hat man
das gefühl, sie haben das Spiel nicht ein einziges mal
gespielt (oder es sind Sonst-Nie-Spieler und sie haben
eine halbe Runde gespielt und es dann nicht mehr
gemocht).
Stephan

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Sylvia Berger

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Sylvia Berger » 26. Februar 2001, 13:04

Eine pauschale Antwort darauf gibt es sicherlich nicht.
Es gibt Spiele, die mich persönlich nach einmaligem Spielen überzeugt haben (Carcassonne). Für eine Rezension würde ich aber trotzdem noch etliche Partien anschließen, um zB. auch einschätzen zu können, wie das Spiel mit unterschiedlicher Spielerzahl oder mit Gelegenheitsspielern funktioniert/Spass macht.
Dann gibt es die Spiele, bei denen man nach der ersten Partie eine vage Ahnung hat, dass sie ganz gut sein könnten, man aber weiss, dass man noch etliche Spiele braucht, um überhaupt die Tiefe und die notwendige Taktik zu durchschauen (E&T).
Dann gibt es noch die Kategorie Spiele, die man schon nach dem ersten Probespiel beiseite legt, weil einem zB. die Thematik oder die Grafik überhaupt nicht gefällt. (Idealerweise stellt man das dann schon im Spielwarenladen seines Vertrauens fest und kauft sich die dann gar nicht erst. Dazu finde ich diese website hier übrigens sehr hilfreich, um schon im Vorfeld zu wissen, Spiel X könnte was für mich sein und Spiel Y überhaupt nicht)
Und dann gibt es noch die Kategorie Spiele, die man mehrfach spielt und bei denen man sich die ganze Zeit überlegt, ob man irgendwas falsch macht, Regeln falsch verstanden hat etc, weil sich der Spielspass, den andere mit dem Spiel hatten, absolut nicht einstellen will (so geht es uns zB. leider mit Zoff im Zoo und El Cabohne) Allerdings würde ich mir dann auch nicht trauen, das Spiel zu bewerten (könnte ja jemand kommen, der uns dann für völlig bescheuert hält, weil wir das Spiel komplett falsch spielen ;-)).
Gruss
Sylvia

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Roman Pelek

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Roman Pelek » 27. Februar 2001, 01:39

Hi Wolfgang,
>Hier interessiert mich aber, ab wann ihr meint, dass man ein Spiel soweit
beurteilen kann, dass man es eine fundierte Meinung nennen kann.<
Sehr interessante Frage, die sich gerade bei der "Gier" vieler (auch meiner Wenigkeit) nach Neuheiten und Meinungen dazu stellt. Ich persönlich kann ein Spiel für mich persönlich erst richtig fundiert beurteilen, wenn ich allermindestens 5-6 Partien hinter mir habe. Und eigentlich auch dann erst richtig, wenn seit dem Erscheinen ein Jahr verstrichen ist, und der Reiz des Neuen verflogen ist, und sich somit zeigt, wie gern man dieses Spiel wieder aus dem Schrank holt.
Wobei der Zeitfaktor m.E. noch wesentlicher ist als die Tatsache, ob man nun 10 oder 20 Partien hinter sich hat.
Ciao,
Roman

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Gerd Deininger

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Gerd Deininger » 27. Februar 2001, 14:25

Hallo Wolfgang,
ich will einmal aus der Sicht eines Spiel-Autoren dazu Stellung beziehen:
Wie Du am Posting in der Newsgroup siehst kann 'man' auch ohne Spielen schnell verturteilen. Das bedeutet aber auch, ein Kritiker hat in diesem Moment das Spiel im wahrsten Sinne nicht 'begriffen'. Gerade bei der Spielentwicklung heißt es auch immer wieder: Grübeln, basteln, testen, verwerfen, liegenlassen, Monate später dieselbe Prozedur. Es entstehen dabei immer wieder neue Sichtweisen.
Jeder kennt wahrscheinlich auch die Situation, daß er beim ersten Spielen von einem Neuling begeistert ist und beim 2. oder 3. Versuch die Luft raus ist. Oder umgekehrt kommt ein Spiel erst nach wiederholtem 'Begreifen' richtig in die Gänge.
Fazit: Ich würde mir wünschen, daß erst dann kritisiert wird, wenn ein Spiel mehrfach und mit zeitlichem Abstand gespielt, bewertet wird. Ich weiß allerdings auch leider, daß die Praxis eher durch den schnellen Schuss aus der Hüfte regiert wird. Zudem liegt in unserem Land die Zunge oft auf der dunklen Seite und sieht das Schlechte zuerst.
Schade...und doch: Über die Jahre überleben die wahren Perlen dennoch trotz mancher Attacken.
Gruß Gerd

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Harald Schrapers

Wer wird Millionär - mein Newsgroupbeitrag

Beitragvon Harald Schrapers » 27. Februar 2001, 21:20

"Wer ernsthaft Spielebesprechungen schreibt braucht m.E. kein eigenes Exemplar von WwM, um beurteilen zu können, dass die _spielerische_ Substanz dieses Titels gegen Null tendiert." Dies habe ich in de.rec.games.brett+karten geschrieben. WwM steht dabei für das Jumbo-Spiel Wer wird Millionär? Thema des Thread war die Frage, ob Jumbo verpflichtet ist, jedem Rezensenten ein Exemplar dieses 100-Mark-Spiels kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Dazu einige Klarstellungen:
Selbstverständlich muss man auch WwM gespielt haben, um sich zu diesem Spiel äußern zu können.
Man muss es aber nicht in seinem Eigentum haben, um zu erkennen, dass dessen _spielerische_ (nach Usenet-Konventionen gilt dieses Wort als unterstrichen) Substanz gegen Null tendiert. Mit diesem provokativem will ich sagen, dass WwM gar kein Spiel ist - da bin ich mit der spielbox und Michael Knopf einer Meinung. Zur Frage, ob WwM gute Unterhaltung ist, habe ich mich noch nirgends geäußert, geschweige denn eine Besprechung von WwM verfasst.
Gruß Harald

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Harald Schrapers

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Harald Schrapers » 27. Februar 2001, 21:31

Auch nach nahezu zehn Jahren Schreibens von Spielebesprechungen: Die Lektüre einer Spielregel hilft mir bei der Bewertung eines Spiels um keinen Deut weiter. Sondern ein Spiel muss gespielt werden. Je nach Kompexität und Erfahrung mit Spielen unterschiedlich häufig.
Im Übrigen hilft mir persönlich auch die Lektüre einer Spielebesprechung nicht sonderlich weiter, wenn sie zum allergrößten Teil eine Nacherzählung der Regel ist.
Gruß aus Duisburg
Harald

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Stefan-spielbox

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Stefan-spielbox » 27. Februar 2001, 22:52

<< Die Lektüre einer Spielregel hilft mir bei der Bewertung eines Spiels um keinen Deut weiter.>>
Nun, zumindest sollte doch die Regel _als solches_ Bestandteil der Bewertung sein. Ein tolles Spiel sollte doch in gewissen Maße abgewertet werden, sollte die Regel schlecht verständlich formuliert, unvollständig oder gar fehlerhaft sein...
Stefan

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Wolfgang Ditt

re: Ab wann kann man ein Spiel beurteilen?

Beitragvon Wolfgang Ditt » 27. Februar 2001, 23:53

Hallo Harald,
heute hatten wir Spieleabend und es ist schon spät. Ich werde dir morgen ausführlich antworten. Eines möchte ich nur ganz schnell und ganz deutlich sagen. Nach all denn Differenzen, die wir ausdiskutiert haben, hat mich dein Satz : "Die Lektüre einer Spielregel hilft mir bei der Bewertung eines Spiels um keinen Deut weiter. Sondern ein Spiel muss gespielt werden." sehr erfreut. Ich denke genauso.
Gruß nach Duisburg. Ich hoffe du hast den Karneval genossen
Wolfgang <= Karnevalsmuffel!

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Peer

re: Wer wird Millionär - mein Newsgroupbeitrag

Beitragvon Peer » 28. Februar 2001, 10:59

Hallo Harald,
WwM ist also deiner Meinung nach kein Spiel. Was dann? Und wie steht es mit Trivial Pursuit oder Spiel des Wissens?
Bei Quizspielen geht es nicht um Taktik, Strategie oder Geschicklichkeit (wie bei anderen Spielen). Liegt es daran?
Ich persönlich finde allerdings schon das man gerade bei WwM, anderes als bei anderen Quizspielen, ein wenig taktieren kann - wenn es ums aussteigen bzw. einsetzen von Jokern geht. Man weiss, wieviel die anderen gewonnen haben und wieviel Geld man noch braucht und kann so entscheiden, ob sich das Risiko überhaupt lohnt. Zugegeben: Die Taktik ist Minimal, aber sie ist vorhanden. (Die Taktik bei MÄDN ist auch nicht gerade hoch).
Also: Was bezeichnest du als "Spielerische Substanz" und als "Spiel"? Offensichtlich verstehen wir unterschiedliches unter diesen Begriffen.
ciao,
Peer (Interessiert)

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Harald Schrapers

re: Wer wird Millionär - mein Newsgroupbeitrag

Beitragvon Harald Schrapers » 28. Februar 2001, 12:30

Hallo,
du hast die Frage nach der "spielerischen Substanz" schon ganz gut selbst beantwortet.
Die - äußerst minimalen - taktischen Möglichkeiten bei Quizspielen seien "spielerische Verzierungen", meinte Michael Knopf einmal bei der Rezension eines Quizspiels. "Verzierungen, die nur notdürftig vom
wahren Kern ablenken". Und dieser Kern verlange, dass Fragen richtig zu beantworten seien und die SpielerIn gewänne, die "in der Schule sowie beim Kreuzworträtsel" gut aufgepasst habe. "Schön für Besserwisser, doch ein Spiel findet dabei bestenfalls am Rande statt", schrieb Knopf in der SZ "über Spiele, die keine sind, sondern bildungsbürgerliche Fortbildungskurse und Prüfungsaufgaben".
Gruß
Harald

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Michael Andersch

re: Wer wird Millionär - mein Newsgroupbeitrag

Beitragvon Michael Andersch » 28. Februar 2001, 12:38

Als was würdest Du dann beispielsweise Spiele wie Ligretto oder dgl. beschreiben? Auch da gibt es - wenn überhaupt - allenfalls minimale taktische Verzierungen. Sind das auch keine Spiele? Man muß ja nur schnell sein (im anderen Fall muß man "nur" was wissen).
Micha

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peer

Millionär - Ein Spiel? Oder was?

Beitragvon peer » 28. Februar 2001, 16:27

Hi,
Ja was ist WwM denn nun? Eine Prüfungsaufgabe? Dafür macht es zu viel Spaß (zumindest mir).
Und bedeutet spielerische Substanz Taktik? Das Ligretto-Beispiel ist toll, aber hier sind noch mehr:
Reine Würfelspiel (Snakes&Ladders) sind keine Spiele, weil sie keine taktische Variationen erlauben? Wie stehts mit Tabu? Auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres, aber nur eine Raterei ohne Taktik (und ich spiele (?) es immer wieder gern).
Ich tue mich schwer bei der Definition von "Spiel" (Vielleicht sollte man eine eigene Diskussion dazu anfangen), aber m.E. gehört WwM dazu. Immerhin ist es Gruppenunterhaltung mit festen Regeln und Gewinnern und Verlierern und so.
ciao,
Peer (Wann ist ein Spiel kein Spiel?!?)

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Harald Schrapers

Was ist ein Spiel?

Beitragvon Harald Schrapers » 1. März 2001, 07:23

Ich danke, Michael Knopfs Aussage, WwM sei überhaupt kein Spiel, ist als provokative Überspitzung gemeint. Denn immerhin vergibt er in der Rubrik "Spielreiz" 6 von 10 möglichen Punkten.
Für mich basiert die qualitiativen Bewertung eines Spiels immer darauf, dass zweckfrei gespielt wird. Dies bedeutet z.B., dass ein Spiel nicht so gut ist (bzw. mir nicht so gut gefällt - subjektiv), wenn das Spielerische durch Anderes überdeckt wird: Wer weiß mehr? Wer rennt schneller?
Die Frage nach dem zweckfreien Spiel ist allerdings ganz erheblich davon abhängig, welche Personen spielen. Es gibt super-lustige (und weitgehend zweckfrei spielerische) Trivial Pursuit Runden. Es gibt auch genug Spielerunden, bei denen es nicht ums Spielen geht (denn zweckfreies Spielen ist etwas für Kinder - und selbst da wird manches Spiel pädagogisch überfrachtet). Voraussetzung für eine spielerisch gut funktionierende Quizspielrunde sit jedoch, dass ein ungefähr gleicher Stand des "bildungsbürgerlichen Halbwissens" vorhanden ist, welches hier unersetzbar ist. Deswegen finde ich, dass Quizspiele nach dem Motto "nichts wissen macht nichts" oder Kommunikationsspiele a la Tabu besser sind.
Beispiel Ligretto: Ich weiß, dass das ähnliche Spiel Speed sehr viel im heilpädagogischen Bereich verkauft wird. Es kommt hier auf Nutzung an: Speed kann therapeutisch genutzt werden oder eben spielerisch.
Schach ist ein Spiel, dass in weiten Kreisen alles Spielerische verloren hat und korrekterweise als Sport bezeichnet wird.
Mir ist es bei der Endrunde der Dt. Spielemeisterschaft schon einmal passiert, dass die SvC absolut unspielerisch, verbissen und mit Tabellen zur Wahrscheinlichkeitsverteilung (!) "gespielt" wurden. Allerdings begünstigen die SvC dieses Verhalten nicht sonderlich.
Gruß
Harald

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Roman Pelek

Was ist das Spielerische am Spiel?

Beitragvon Roman Pelek » 1. März 2001, 12:29

Hi Harald,
interessante Thematik, die da aufgeworfen wird. Eine meiner Gedanken hast Du mit Schach=Sport fast schon selbst beantwortet, nämlich die Frage, ob "harte" Strategiespiele nun Spiele sind oder nicht.
Meines Erachtens erfüllt aber fast alles, womit man sich kreativ, grüblerisch oder kommunikativ in einer Runde nach gewissen Regeln auseinandersetzt, die Voraussetzung, es Spiel zu nennen. Mein umfassender Spielbegriff wäre also "Gemeinsame Unterhaltung nach Regeln", und da fallen auch solche Sachen klar hinein. Dass mancher dabei das "Spielerische" vermisst, mag sein, es kommt drauf an, wie man spielerisch definiert. Ist es nun kreatives Mitgestalten an einem Spielverlauf? Oder eher Aufbegehren gegen glücksabhängige Ereignisse? Wann verliert sich das Spielerische?
Wenn Michael Knopf und Du davon reden, dass "WwM" stupides Abfragen von Bildungsbürgerhalbwissen ist, kann man das klar so sehen. Nur wenn man ob dessen dem Produkt das Prädikat Spiel verwehrt, frage ich mich, wie man dann mit Spielen umgeht, wo eine Person ob überlegener Denkfähigkeiten und/oder Übung gewinnt - wie es bei vielen taktischen Spielen der Fall ist. Sind das allesamt keine Spiele mehr (Schach ist da natürlich das Extrem)? Braucht ein Spiel z.B. Glück, um es spielerisch zu machen, auszugleichen, und weniger Begabten eine Chance zu geben? Muss jeder Siegchancen haben in einem Spiel, damit es Spass macht?
Oder ist das Spielerische einfach nur der Unterhaltungsfaktor beim Spielen (so sehe ich das zumeist)? Dann kann aber, je nach Neigung, ein Quiz für manche genauso unterhaltsam sein wie für andere ein stiller Abend über dem Schachbrett.
Nun ja, zurück zu WwM: ich finde an solcher Art von Quiz ob der gleichen Argumente keinen Gefallen, würde aber deswegen nicht gleich das Prädikat "Spiel" absprechen wollen - genausowenig umstrittenen "Spielen" wie Herr der Ringe. Zudem halte ich den Begriff "Sport" im eigentlichen Sinne für meistens interpretierbar als "Spiel als organisierter Wettkampf". Manche Spieleturniere sehe ich auch als "Sport" an, wenn ich höre, wie manche Leute dafür Spiele trainieren. Sport fängt für mich da an, wo man Spiele spielt, um besser zu werden, nicht allein um des Spielens willen. Und das ist, so gesehen, auch nicht ganz mein Ding, da mich nicht zwingen möchte etwas unabhängig von meiner Lust dazu zu trainieren, was ich ursprünglich als Freizeitgenuss nach eigenem Gusto auserkoren habe.
Ciao,
Roman


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