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Für Kritiker -Bewertungsschema

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Don Alonso

Für Kritiker -Bewertungsschema

Beitragvon Don Alonso » 2. April 2001, 08:08

Ich möchte bitte alle Kritiker hier bitten, ihr Bewertungsschema kundzutun und was bei einem Kritiker den meisten Kritikpunkt ausmacht !!
Herzlichen Dank !

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peer sylvester

re: Für Kritiker -Bewertungsschema

Beitragvon peer sylvester » 2. April 2001, 11:28

Hi
also ob ich schon als Kritiker gelte... :-)
Jedenfalls bewerten wir Spiele in unserem Spielekreis, einige Rezensionen liegen auch hier im Archiv (einige noch bei KMW auf der Festplatte ;-)
Wir haben zwei Bewertungsteile: Einmal gibt es vier Skalen bei denen das Spiel per Mehrheitsbeschluss in punkto Abstrakt-Thema, Glücksfaktor, Schwierigkeitsgrad, Aufwand innerhalb einer 5-er Skala einsortiert wird. So kann man auf den ersten Blick sehen, ob es sich um ein einfaches Zwischendurch-Spiel oder um einen komplexen Strategiehammer handelt. Anschliessend gibt jeder einzelnd seine Noten ab und zwar jeweils zwei: Einmal Aufmachung/Ausstattung und einmal Spielspass. Auch diese Noten liegen in einer 5er-Skala (von 1=Schlecht bis 5 = Hervorragend).
5 Noten haben m.E. den Vorteil, dass man sie schneller erfassen kann, als z.B. 10. So hat man das Problem nicht dass die Bewertungen relativ zueeinander nicht stimmen, "Ah, das Spiel ist besser als x, das hat 7 Punkte bekommen, aber schlechter als y, das auch 7 Punkte (oder 8 oder gar 6) bekommen hat. Es passt nicht!"
ciao,
Peer

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Michael-spielbox

Spiele sind keine Waschmaschinen

Beitragvon Michael-spielbox » 2. April 2001, 17:43

Ein bekannter Autor hat mir letztens geschrieben :Spiele sind keine Waschmaschinen, die man testen kann. Ein Notensystem erweckt immer den Anschein der Objektivität. Kulturkritik MUSS subejktiv sein - und sich auch so darstellen. Das Notensystem ist Unsinn. Auch wenn andere es ähnlich machen: Durch stete Wiederholung wird ein untaugliches System nicht besser.
Im Grund glaube ich, dass dies teilweise richtig ist. Diese Aussage bezog sich auf mein spezielles Bewertungssystem, wobei Spielreiz, Spielausstattung und Spielanleitung berücksichtigt werden. Dies mag in meinen Augen ein sinnvolles System zu sein, doch bleibt die Frage der Objektivität.
Ich habe es dadurch versucht zu fundamentieren, dass ich mein Spielerprofil mit angebe. Damit kann der Leser sich davon einen Eindruck machen, wo meine Vorlieben liegen und meine Bewertung vielleicht besser einschätzen. Wer in diesem Punkt auf "meiner Wellenlänge" liegt, kann die Bewertungen vielleicht als Maßstab nehmen.
Für mich ist die Benotung eines Spiels auch die einzige Möglichkeit, die Meinung meiner "Mittester" mit einfließen zu lassen. Mit einer Note oder Bewertung ist es einfacher, das Gefühl für ein Spiel auszudrücken.
Das gut bewertete Spiele in einer Rezension anderen Spielern nicht gefallen können, ist wohl jedem bekannt. Ein Satz in einer Rezension wie :
"das Spiel hat uns sehr gut gefallen" kommt doch einer
sehr guten Note, oder hohen Bewertung gleich. Nur mit Noten / Punkten kann sich der Leser schneller einen ersten Eindruck verschaffen.
Von daher denke ich, gibt es mehrere Wege nach Rom.
Deswegen muß nicht der eine Weg richtig und der andere falsch sein.

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Roman Pelek

re: Spiele sind keine Waschmaschinen

Beitragvon Roman Pelek » 2. April 2001, 21:09

Hi Michael,
ich sehe das ähnlich wie Du: wenn man eine einzelne Kritik schreibt, braucht man keine Noten, man kann im Text darlegen, was gefällt und was nicht. Hat man mehrere Tester, müsste ja jeder einen eigenen Artikel schreiben - das wird schwierig bzw. wer will die alle lesen und schreiben?
Noten sind eine Krücke für eine Kurzübersicht mehrerer Tester und dafür gut. Wenn man einen Artikel schreibt, braucht man sie eigentlich nicht, wenn man ein ordentliches Fazit noch druntersetzt. Und außerdem muss sich eh jeder anhand des geschriebenen noch seine eigene Meinung bilden (was manchmal bei manchen Rezensionen etwas untergeht - bei vielen kann ich mir nix vorstellen, wenn über das Spiel noch nix gehört habe).
Außerdem interpretiert jeder Noten anders: manche geben nur Jahrhundertspielen eine 1 bzw. 6 oder Spielbox-10 oder wollen bei einem Spielejahrgang möglichst jede Note unterbringen (nach dem Motto: die besten kriegen volle Punktzahl, die miesesten nix), für die einen ist eine Spielbox-10 oder 2-3 eine Standardnote für Spiele, deren Kauf man nicht bereut hat, für andere zeichnet sowas schon nur ein paar erlesene überdurchschnittlich gute Spiele aus.
Insofern schwierig die Sache... Aber egal: die Hauptsache ist der Artikel, aber eine durchweg "mies" bestückte Notentabelle kann evtl. davon abhalten, einen Artikel überhaupt erst zu lesen...
Ciao,
Roman

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Roman Pelek

Korrektur... Mathematiker und Zahlendreher...

Beitragvon Roman Pelek » 2. April 2001, 21:20

Hi,
>einen ist eine Spielbox-10 oder 2-3 eine Standardnote für Spiele, deren <
Meinte eine "Spielbox-7", wie sich jeder leicht ausrechnen kann.
Ciao,
Roman

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Roman Pelek

re: Für Kritiker -Bewertungsschema

Beitragvon Roman Pelek » 2. April 2001, 22:10

Hi Peer,
>5 Noten haben m.E. den Vorteil, dass man sie schneller erfassen kann, als z.B. 10.<
Richtig, aber warum 5? Tut's dann nicht das allgemein bekannte Schema der Schulnoten, egal ob richtigrum oder verkehrtherum mit Würfel? Das sorgt ja dann für noch mehr Verwirrung. Ich denke, 1-3 Sterne, Noten 1-6 und die Spielbox 1-10 sind doch eigentlich schon genug ;-)
>So hat man das Problem nicht dass die Bewertungen relativ zueeinander nicht stimmen, "Ah, das Spiel ist besser als x, das hat 7 Punkte bekommen, aber schlechter als y, das auch 7 Punkte (oder 8 oder gar 6) bekommen hat. Es passt nicht!"<
Nuja, Segen oder Fluch: mit 10 Notenwerten kann man differenzieren, aber geht mal was ein Eckchen daneben, so hat man halt nicht genug differenziert... Vor- und gleichzeitig Nachteil. Andererseits: was nutzt es, wenn man den meisten guten Spielen eine 5/6 oder 4/5 gibt - mit 10 hat man wenigstens die Möglichkeit zwischen 7 und 8 zu differenzieren.
Aber egal, das sind "Glaubensfragen". Was zählt, ist der Artikel zum Spiel, der Rest ist Kurzübersicht, und die Frage 7er oder 8er Spiel interessiert eh nur Vielspieler mit Hang zur Mathematik :)
Ciao,
Roman (mag 10er, um wenigstens ein bissl zu differenzieren, auch wenn's nicht immer hinhaut)

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Mario

re: Für Kritiker -Bewertungsschema

Beitragvon Mario » 3. April 2001, 00:31

Noten haben den Anspruch objektive Wertungen darzustellen, deshalb vergebe ich selbst keine. Ich teile Spiele ein in solche, die mir gut gefallen oder solche, die mir nicht gefallen. Eine Skala von 1 bis 10 halte ich nicht für ehrlich durchzuhalten.
Was ich abgeben kann sind meine subjektiven Eindrücke, ob mir ein Spiel Spass macht oder nicht. Ich versuche es natürlich so gut es geht zu begründen: was hat mir Spass gemacht, was hat mich genervt.
Was man ungefähr einschätzen kann, ist, wie komplex ein Spiel ist (eine Richtschnur für mich ist, wie lang eine vollständige Kurzregel ist). Auch ob der Taktikfakor oder der Glücksfaktor überwiegt ist halbwegs abschätzbar.
Aber Spass lässt sich letztlich nicht objektivieren und benoten. Was schmeckt besser - eine Karotte oder eine Pflaume?

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hannes ernst

re: Für Kritiker -Bewertungsschema

Beitragvon hannes ernst » 3. April 2001, 00:47

Hi Mario
***Aber Spass lässt sich letztlich nicht objektivieren und benoten. Was schmeckt besser - eine Karotte oder eine Pflaume?***
Also als Vorspeise schmeckt mir Hase und Igel besser. Schraumeln ist dafür die bessere Nachspeise ;-))
Ciao,
hannes

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KMW

re: Spiele sind keine Waschmaschinen

Beitragvon KMW » 3. April 2001, 08:33

Hi Roman,
aus der Sicht eines spielbox-Kritikers ("Kritiker"? Paßt das Wort überhaupt bei Spielen?):
Ich persönlich hasse Noten. Deshalb habe ich auch drei Kreuze gemacht, als der nostheide-Verlag vor vielen Jahren die Box übernommen und die neue Redaktion die Noten abgeschafft hatte. Doch es gab einen Aufschrei der Leserschaft und so haben wir die Noten wieder eingeführt.
Auch ist mir persönlich die 10er Skala viel zu breit gefächert. Mir würden drei Abstufungen reichen, wie es sie auch bei den Spielwiese-Kurzkritiken in der spielbox gibt. In PC-Zeitschriften habe ich mal gesehen, daß dort die Spiele sogar nach einer 100er Skala bewertet werden. Mich würde interessieren, wie man begründet, daß ein Spiel 63 statt 64 Punkte wert ist.
Im Text kann man viel besser ausdrücken, was man von einem Spiel hält. Bei der Notenvergabe habe ich immer ein ungutes Gefühl. Es ist eine Momentaufnahme nach den zuletzt gespielten Partien. Schon 3, 4 Spielrunden später oder wenn inzwischen andere neue Spiele auf den Tisch gekommen sind, könnte die Note um 1 Punkt nach oben oder - und das ist wahrscheinlicher - nach unten (also ins Negative) rutschen. Bei neuen Spielen packt mich immer ein wenig Euphorie.
Ciao,
KMW

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peer

re: Spiele sind keine Waschmaschinen

Beitragvon peer » 3. April 2001, 11:15

Hi,
Zustimmung: Ein ausführlicher Test braucht keine Noten.
Der Vorteil, von Noten ist aber (wenn mehrere bewerten), dass man abschätzen kann, ob der Autor mit seiner Einschätzung eher alleine dasteht oder eher die Meinung seiner Mittester vertritt. Bei der Spielbox z.B. habe ich schon beobachtet, dass der Rezensent das Spiel mehr der minder veriss, und alle anderen fanden es gar nicht so übel. Das ist auch eine wichtige Aussage, oder nicht?
ciao,
Peer

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Roman Pelek

Spielenoten: heute so, morgen lieber anders

Beitragvon Roman Pelek » 3. April 2001, 12:08

Hi Knut,
>Ich persönlich hasse Noten. Deshalb habe ich auch drei Kreuze gemacht, als der nostheide-Verlag vor vielen Jahren die Box übernommen und die neue Redaktion die Noten abgeschafft hatte. Doch es gab einen Aufschrei der Leserschaft und so haben wir die Noten wieder eingeführt.<
Tja, natürlich, man vermisst halt den gewohnten ersten Blick auf das Kästchen mit den Kritikerwertungen, der, wie Peer richtig sagt, halt auch einen groben Eindruck gibt, ob die anderen sich der Meinung des Rezensenten anschliessen oder nicht.
Aber auch ich geh nach dem Text, wenn ich nicht schon die Notentabelle mit Grausen seh und erstmal weiterblättere.
>Auch ist mir persönlich die 10er Skala viel zu breit gefächert. Mir würden drei Abstufungen reichen, wie es sie auch bei den Spielwiese-Kurzkritiken in der spielbox gibt.<
Genau wie wir's hatten: man kann zwar näher differenzieren (hm, das gefällt mir jetzt aber besser als XY, das kriegt einen Punkt mehr), aber wie Du weiter unten richtig sagst: ganz schnell würde man dann nach drei weiteren Partien gerne ein Pünktchen nach unten (oder, seltener: auch nach oben) korrigieren. Und dann steht man da: "Aber Du hast doch geschrieben/bewertet, wie toll Spiel XY... auch gerade im Vergleich zu..., und jetzt erzählst Du mir, dass..." ;-)
>In PC-Zeitschriften habe ich mal gesehen, daß dort die Spiele sogar nach einer 100er Skala bewertet werden. Mich würde interessieren, wie man begründet, daß ein Spiel 63 statt 64 Punkte wert ist.<
Die machen umfangreiche Quervergleiche in den einzelnen Genres. Bei den 387 Formel1-Simulationen mag das manchmal sogar angehen, dass man genauer bewerten kann. Aber eine 100er-Skala halte ich auch für einen Witz - vielleicht bewerten die in 10er Schritten und mitteln dann die Meinungen aus... Siehe Spielboxnotentabelle. Da hat man dann auch "Hunderter".
>Im Text kann man viel besser ausdrücken, was man von einem Spiel hält.<
Vollste Zustimmung.
>Bei der Notenvergabe habe ich immer ein ungutes Gefühl. Es ist eine Momentaufnahme nach den zuletzt gespielten Partien. Schon 3, 4 Spielrunden später oder wenn inzwischen andere neue Spiele auf den Tisch gekommen sind, könnte die Note um 1 Punkt nach oben oder - und das ist wahrscheinlicher - nach unten (also ins Negative) rutschen. Bei neuen Spielen packt mich immer ein wenig Euphorie.<
Das ist immer so, der Reiz des Neuen packt einen schon immer gerne, und manchmal ist man sich dann wirklich nicht sicher, ob man sich einfach nur über ein neues Spiel gefreut hat oder über das Spiel selbst. Wenn ich was zu einem Spiel schreibe, würde ich am liebsten Spiele nehmen, die ich seit zwei Jahren habe. Da ist dann die Qualität klar, weil jeglicher Reiz des neuen verflogen und auch der Langzeitspass da sicher bewertet werden kann. Aber, Du meine Güte, wenn interessieren Rezensionen zu zwei Jahre alten Spielen? Die sind ja manchmal gar nicht mehr auf dem Markt, ausserdem haben in der Zwischenzeit schon Dutzende anderer genug darüber geschrieben...
Insofern kann man fast froh bzw. auf der sicheren Seite sein, wenn man mal auf eine Frage eines Interessierten eine Meinung zu einem älteren Spiel abgeben darf...
Und bei der Spielbox habt Ihr bestimmt auch noch gewisse Termine für Kritiken bzw. müsst das mit anderen absprechen (korrigier mich, wenn ich irre) - da hat der eine es schon zum Hals raus und der andere packt's grade erst aus - eigentlich kann man's immer nur falsch machen ;-)
Ciao,
Roman

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KMW

re: Spielenoten: heute so, morgen lieber anders

Beitragvon KMW » 3. April 2001, 12:58

Hi Roman,
> Und bei der Spielbox habt Ihr bestimmt auch noch gewisse Termine
> für Kritiken bzw. müsst das mit anderen absprechen (korrigier
> mich, wenn ich irre
Falls Du damit Absprache bei den Wertungen meinst: Die gibt's nicht, da bewertet jeder für sich - und blättert hinterher gespannt im Heft, um zu sehen, wie die anderen gewertet haben.
Was die Termine betrifft: Die sind in der Tat manchmal ein Kreuz, besonders kurz nach Messen. Gerade in den letzten Wochen habe ich hier manchmal neidvoll gelesen, welche Neuheiten Ihr schon spielt, während ich sie noch immer nicht habe :-(
Ciao,
KMW


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