Beitragvon Arno » 30. Mai 2001, 10:27
Den Sarkasmus überlasse ich gern anderen, Berufeneren. Nein, ich glaube wirklich, dass man wirklich ausserordentlich fleißig sein muß, wenn amn neben seinem Beruf, der Familie und sonstigen Sozialkontakten (denn Speilen kann da nur eine Form sein) einen ganzen Spielejahrgang akribisch prüft. Ich kann mir das auch nur so vorstellen, dass nicht jedes Jurymitglied alle Spiele spielt (das wären mindestens 500 Stunden, wenn man jedes Spiel auch nur einmal spielt und 500 Std. sind fast 21 Tage) sondern dass sich jedes Mitglied einer bestimmten Anzahl annimmt und diese Spiel dann den anderen vorstellt. Mit einiger Spielerfahrung, die alle ja zur Genüge besitzen, und ihrer (subjektiven) Einschätzung gehen sie dann in die Gruppe und selektieren die Klone aus, die "nicht spielbaren", die nicht den "Nominierungskriterien entsprechenden". Und da kann es schon einmal vorkommen, dass das eine oder andere Spiel unter den Tisch fällt bzw. von den anderen Jurymitgliedern wieder zurückreklamiert wird.
Damit ward das Spreu vom Weitzen getrennt. Blieben, angenommen, noch ca. 40 Spiele über (= mindestens 100 Stunden spielen = 4 Tage und Nächte) wahrscheinlich auch wieder aufgeteilt (diesmal möglicherweise nach Interessensgebieten der Jurymitglieder - und: andere Spiele als in der Vorrunde) - und dann trifft man sich zur berühmten Klausur und siebt die "Liste" aus. Was fällt beim Sieben aus? Schwer zugängliche Spiele, kleinere Spiele, etc. Übrig bleiben "Fixstarter" (am besten von jedem Verlag eines) und kleine Edelsteine, die man aus dem gesiebten Gut wieder zurückholt. Ob da noch gespielt wird? Weiß ich nicht, kann ich auch nicht abschätzen: denn nun, so vermute ich, setzt schon die "Poltik" ein. Wünschenswert wäre hier noch ein Spieldurchgang mit ebenfalls ca. 100 Stunden, bei dem die Jurymitglieder erstmals miteinander spielen.
Soviel ich weiß gibts aber nur eine Klausur zur "Listenerstellung" und die dauert maximal 48 Stunden wovon noch mind. 12 Std. für Essen, Trinken, Schlafen abgezogen werden müssen ...
Die Nominierung ist dann, glaube ich, zu 80% Politik: wer braucht, wer hat schon, wen können wir nicht übergehen ... und der Hauptpreis ist der Größte gemeinsame Nenner der Jurymitglieder, eingebunden in die "Politik". Und diese "Poltik" hat natürlich verschiedene Lobbys, die Einfluß zu nehmen versuchen: eine Lobby sitzt hier im Forum und die heißt "Besessene", "Freaks". Eine andere Lobby heißt "Handel" - und der will mit dem SdJ keine Scherereien haben (sprich Reklamationen und Umtäusche, Regelfragen u.ä.).
Insofern ist diese Jurytätigkeit nicht leicht, nicht immer angenehm, dafür sollten wir uns im Namen jener Spielekonsumenten, die sich nur am SdJ orientieren können, bedanken. Insofern ist es aber auch möglich, dass ein Spiel schon in der Vorausscheidung scheitert, weil es einem Jurymitglied so absolut nicht gefällt oder - begründet(?) - zur Spreu fällt.
Wenn ich mir andererseits vom Handel manchmal anhören muß, dass Ludotheken geschäftsschädigend sind, weil sie Spiele verleihen, weil sie Spiele empfehlen, die im Handel nicht vorhanden sind (Kleinverlage), wenn Verlage nicht begreifen, dass Ludotheken ihre Spiele vorstellen und so einen "Nachfragesog" erzeugen, so ist diese Arbeit der "Jury: Spiel des Jahres" als kleinster gemeinsamer Nenner der gesamten "Spieleszene" nicht hoch genug einzuschätzen.
Arno