Beitragvon Roman Pelek » 5. Juni 2001, 02:50
Hi Atti,
>Unter der vorrausetztung eines minimum an Eigeninitiative, sind alle Spiele auf der Liste ok.<
Meines Erachtens wäre es zumindest wünschenswert, wenn die Auswahlliste im öffentlichen Eindruck einen Anreiz zur Eigeninitiative geben würde. Eine beschränkte, überschaubare Auswahl, aus der Unerfahrene ihre "Neigung" herauspicken können. Ist zwar vermutlich immer noch zu 99% utopisch, aber ich denke, es würde lohnen, ein solches Ziel zu verfolgen. In meinen Augen auch gerne etwas "hartnäckiger".
>Ich habe jedoch mehr den Eindruck das viele Gelegenheitsspieler hingehen und einfach das SdJ oder Spiele mit dem Aufdruck "nominiert fuer SdJ" kaufen, denn wenn das nicht die Verkaufzahlen erhoeht, wieso drucken die das denn drauf ? ;-)<
Die meisten kaufen, leider oftmals wider bessere Alternativen für den persönlichen Geschmack, das SdJ, weil eben das der Gewinnertitel ist. Natürlich erhöht der Aufdruck der Auswahlliste auch die Verkaufszahlen, aber nicht in gebührenden Maße, wie ich meine.
>Da ich selber sehr gerne Spiele und ich finde das es einfach viel zu wenige gibt die das auch tun (nicht nur um die Zeit totzuschlagen).<
Hier bin ich der Meinung, dass jeder Spielbegeisterte selbst was zur Verbreitung des Brettspiels beitragen kann, alleine schon im eigenen Interesse. Man muss aber auch jeden Fall bedacht vorgehen und darf die Leute nicht überfordern, sonst laufen sie verständlicherweise weg. Man kann da nicht gleich die eigenen komplexen Lieblingstitel auffahren, sondern muss manchmal auch mal was "über sich ergehen" lassen. Dann klappt das auch gut - und schwuppdiwupp sind viele auch bereit, ein "Händler von Genua", "Medina", "Java" zu spielen. Es gibt halt zwei Haupthürden für's Spielen: zu hohe Komplexität am Anfang und Regelstudium. Sind die genommen, haben viele Leute Spass am Brettspiel, denke ich.
>Und da ich mir SEHR GUT vorstellen kann das so manches nominierte Spiel einem Gelegenheitsspieler unangenehm aufstossen kann (weil diese Spieler vieleicht nicht die Geduld/Zeit haben um sich damit zu beschaeftigen), finde ich die Liste halt nicht SOOO passend.<
Eine solche Liste ist eine Gratwanderung, zumindest in meinen Augen. Man muss einfache Einstiegskost für Seltenspieler bereithalten, möchte aber vielleicht auch gerne komplexere Sahnehäubchen würdigen. Nuja, und genauso sieht m.E. die Liste auch aus - ein Kompromiss, aber was will man besser machen? Man muss auch bedenken, dass die Verlage auch die Liste schielen. Und fehlen da komplexe Spiele a la "HvG", dann heisst's gleich wieder: sowas will ja keiner, das brauchen wir nicht mehr im Programm. Und ist dann auch, gelinde gesagt, nicht das Wahre :(
>> Manches davon ist/war schon etwas hart bzw. zu unsachlich, wie ich finde.<<
>So waren meine Postings nicht gemeint<
Weiss ich - Du hattest nur irgendwie das Ganze so formuliert, als ob in der ganzen SdJ-Diskussion nur Sachlichkeit vorherrschen würde ;-)
>ich frage mich halt nur wieso soviele Ravensburger und so wenig Hans im Glueck Spiele auf der Liste sind.<
Medina fehlt m.E. auch. Aber es kann halt auch in ein Grübelspiel ausarten, und anscheinend mochte das die Hälfte der Jury nicht, so dass es knapp rausgeflogen ist. "San Marco" braucht man m.E. auch nicht auf der Liste, da es von den drei Moon/Weissblum-Titeln derjenige ist, der am ehesten "zum Abschuss" freigegeben ist (Thematik, Mechanismus). Aber um Alea bin ich froh, alleine um eine anspruchsvolle Reihe zu würdigen. Alea ist eben _nicht_ ganz Ravensburger, auch wenn's dazugehört. Und letztes Jahr fehlten schon die "Fürsten" von Florenz, und "HvG" als anspruchsvolles Spiel gehört da m.E. drauf. "Royal Turf" - okay, es hätte auch "Wyatt Earp" sein können. Oder keins von beiden. Dennoch ein wirklich unterhaltsames Spiel, mit dem zumindest wir in unterschiedlichsten (gerade großen) Runden viel Spass hatten. 'Ne Überraschung, aber ich finde auch keine Argumente, ein solches Spiel nicht draufpacken zu können.
>Ich habe es umgekehrt erwartet.<
Ich auch. Ich hätte nicht auf "San Marco" getippt und dafür auf "Medina". Und bin rein subjektiv auch der Meinung, dass es eher sorum gehört, um ein besseres Bild des Spielejahrgangs zu liefern. Und das beste Spiel der Ravensburger dieses Jahr finde ich immer noch "Java", ungeachtet des ganzen (negativen) Trubels drum. Aber nach den letzten beiden Kramer-Gewinnen und angesichts des Anspruchs des Spiels war das Spiel wohl wirklich zuviel für die Auswahlliste... Insofern verständlich.
>Und nach dem Troubel um die Jury sind solche Frage ja auch nicht GANZ unberechtigt.<
Kritik an einer solch wichtigen Institution ist sowieso nicht unberechtigt und sicher auch sehr wichtig. Gerade angesichts der jünsten Verstrickungen. Aber sie sollte dennoch sachlich und fundiert sein - und in vielen Fällen war's das nicht. Ich habe auch mit viel Spass die Vorschläge anderer zur Auswahlliste gelesen und gerne mitdiskutiert - ich mochte aber nicht, wie manche daraus konstruiert haben, dass ihre Liste die einzig wahre wäre und die Jury sowieso nur inkompetenten willkürlichen Mist verzapfen würde. Das schiesst m.E. über's Ziel hinaus - und bringt auch gar nix.
>Klar, spielen ist Subjektiv, aberich bin mir trotzdem sicher dass das SdJ auch dieses Jahr den Titel verdient hat !<
Viel schiefgehen kann da eigentlich nicht - alle Titel auf der Auswahlliste sind objektiv zumindest keine Reinfälle. Tippe auf Carcassonne oder Capitol. Und drittes nominiertes momentan: Zapp Zerapp. Apropos: mich hat's arg verdutzt, dass man einen Kinderspielpreis einführt und dann noch Zapp Zerapp separat auf die Liste packt. Das fand ich auch etwas zuviel des Guten. Hätte auf ZZ als KSdJ getippt. Was denkst Du/Ihr drüber?
>Atti<
Ciao,
Roman