Beitragvon Roman Pelek » 15. August 2001, 14:51
Hi Patrick,
>hab mir vor wenigen Wochen Medina gekauft, hab's aber leider erst zweimal gespielt. Und auch nur zu zweit nach dieser 2-Spieler-Regel aus'm Internet, bei der jeder Spieler mit zwei Dächer-Farben spielt. Trotz der vielen positiven Kritiken im Internet gefiel mir das Spiel nicht sooo toll.<
Ich denke, wie Wolfgang selbst schon sagt, dass die Zweispielerversion nicht unbedingt zum Kennenlernen oder Beurteilen des Spiels an sich geeignet ist - sondern eher als Schmankerl, das die "Einsatzmöglichkeiten" von Medina noch erweitert.
>Irgendwie hat man gar nicht so viel strategische Möglichkeiten, da fast alle Spielzüge immer die gleichen Punkte bringen (benachbarte Mauer, Marktgasse, Ziegenstall bringen alle einen Punkt).<
Die Hauptstrategien bei Medina sind auch eher: "Wie haushalte ich mit meinen Steinen" und "Wie lange warte ich mit meinen Palästen, bevor der Platz zu knapp wird". Abgesehen davon ist der Rest pure Taktik, die sich danach richtet, was einem die Mitspieler so vor die Nase setzen. Da heisst es dann spontan zugreifen oder oder das Risiko eingehen, später noch weniger zu bekommen.
>Klar, die Karten machen am Ende des Spiels noch ein paar Punkte aus. Aber bei uns gab's am Ende immer eine sehr geringe Punktedifferenz.<
Bei uns sind die Karten in Runden mit geübten Spielern häufig die spielentscheidenden Faktoren; aber auch diese erfordern ja eine gewisse Planung: hebt man sich die Ziegenställe für den größten Palast auf, oder benutzt man ihn lieber sicher für Anschluss an die Mauer. Und der "Anschluss an die Mauer" führt zu den "Turmpunkten". Die höheren Vertreter (3 und 4) sind häufig nur mit fiesen Winkelzügen und stringenter Planung von Mauerteilen und Dächern zu ergattern. Ein Mauerteil oder Dach zu früh oder zu wenig, ein fehlender Ziegenstall zur fehlenden Verbindung zur Mauer - und aus ist der Traum.
"Medina" bietet viele gemeine Möglichkeiten, an Punkte zu kommen bzw. diese anderen abzujagen - und gerade das macht m.E. den Spielspass aus. Diese Möglichkeiten entdeckt man aber nicht bei der ersten Partie. Im Gegenteil: unsere ersten beiden Partien (1x 3, 1x4) waren jeweils Desaster, weil keiner wusste, worauf es ankommt und wie der Platz einzuteilen bzw. mit Steinen zu haushalten ist.
>Da es sich bei Medina um ein Spiel ohne Glück handelt, also eigentlich ja ein Taktikspiel, kommt bei mir die Frage auf, ob man wirklich besser wird, wenn man es öfter spielt. Ist bei Euch denn richtiger Spielspass aufgekommen?<
Man wird besser. Jedoch ist der Spielausgang bei Medina auch stark von der Rundenzusammensetzung (und der Sitzreihenfolge) ab. Schenkt Spieler A zum eigenen Schaden Spieler B ständig Punkte, dann kann man als Spieler C noch so gut sein, man wird chancenlos bleiben. Das aber, wie die anderen Aspekte, ist auch etwas, das sich legt, sobald alle Mitspieler Medina gut kennen. Dann wird nämlich niemand mehr so dumm sein, seinem rechten Sitznachbarn dicke Brocken zum Frass vorzuwerfen ;-)
Kurzum: ein wenig Geduld und zwei, drei Partien zu dritt und zu viert. Dann solltet Ihr wissen, was Ihr von Medina haltet. M.E. ist es deutlich besser als Euer erster Eindruck, es kann nur in manchen Runden in ein Grübelspiel ausarten. Solche Runden sollte man meiden.
>Gruss, Patrick<
Ciao,
Roman