Beitragvon Roman Pelek » 13. September 2001, 22:54
Hi Brigitte,
der Zusammenhang zwischen Spiel und Realität ist ein "Evergreen" in den Diskussionen zumindest um Spiele mit klar erkennbarer Gewaltthematik.
Klare Antworten hierzu gibt es nicht.
Ich denke aus persönlichem Ermessen, dass viele Spiele bittere Realitäten simulieren oder thematisieren, aber nicht notwendigerweise bei geistig gesunden Menschen eine negative Einflussnahme bewirken. Auch ich persönlich stehe gelegentlich mit sehr mulmigen Gefühlen vor Spielen (Computer- oder Brettspiele), die alleinig und offenkundig kriegerischen Inhalt haben, ich denke aber, dass die Spieler sehr wohl unterscheiden können zwischen dem, was im Spiel erprobbar ist und was in der Realität stattfindet.
Denn, ehrlich gesagt, geht es im Grunde der meisten Spiele um Krieg, Konkurrenzkampf, Landnahme, Intrigen etc., seien sie auch noch so abstrakt oder thematisch schön verpackt. Spielen ist für mich insofern auch ein Ausleben dieser Gefühle und Ambitionen, ein Austesten von Möglichkeiten, die man sich aus gutem Grunde im realen Leben verkneift.
Wenn man von dem "Kern" ausgeht, sind auch viele vordergründig friedliche Spiele "gewalttätig". Ob man sich beim Schach bekämpft, bei Go Landnahme betreibt, bei den Siedlern Ressourcen verteilt, bei Acquire den wirtschaftlichen Ruin der Mitspieler herbeiführt oder bei Mensch Ärgere Dich Nicht Spielfiguren "schlägt" (Schlagen in Spielen ist generell - für mich - eine Umsetzung des "Tötens") ist im Grunde egal - Konkurrenz, Krieg nur schöner verpackt. Auch Taktik und Strategie, bei Spielen meistens notwendig, sind schon von der sprachlichen Herkunft her Begriffe, die der Kriegsführung entstammen.
Wenn ich es persönlich in ein Fazit retten müsste: Spielen ist auch ein Spiegel unserer kriegerischen Welt, aber nicht notwendigerweise macht Spielen kriegerisch. Ich sehe es AUCH als Ausgleich, als eine Möglichkeit, auf intellektueller Ebene - ohne jemandem Schaden zuzufügen - Konkurrenzgelüste auszuleben, und das im Rahmen eines kommunikativen Zusammenseins. Ich persönlich wüsste kaum, wie man diese Aspekte besser lösen könnte als durch das Spiel.
Ciao,
Roman