Beitragvon Hinrich » 18. Oktober 2001, 22:37
Hallo Roland,
ich selbst komme aus einer sehr strukturschwachen Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit. Ich wohne in Ostfriesland, direkt an der holländischen Grenze. Die nächstgrößte (deutsche) Stadt ist Oldenburg und ist immerhin fast 100 km entfernt. Die Spieleläden hier vor Ort haben noch die von dir angesprochenen Preise, d.h. hier zahlt man für ein Siedler-Kartenspiel locker seine 25-30 DM. Spiele von "unbekannteren" Verlagen wie Jeux Descartes usw. erhält man erst gar nicht. Trotzdem ist es immer noch günstiger, das Spiel (wenn es denn auf Lager ist) beim Händler vor Ort neu zu kaufen, als es zu fast demselben Preis gebraucht zu ersteigern. Rechnet man die Versandkosten noch hinzu, hat man sogar noch draufgelegt.
Weiterhin haben die großen Spielehersteller ein gut funktionierendes Vertriebsnetz, so dass man z.B. "Carcassonne" in(fast) jedem Supermarkt, auch auf dem flachen Land, kaufen kann. Der Verkaufspreis schwankt hier zwischen DM 19,- und DM 25,-, ich bin also garantiert nicht gezwungen, das Spiel für DM 30,- zzgl. Porto bei ebay zu ersteigern (was ja nun oft genug vorkommt). Auch für die historischen Szenarien II geben viele Leute bei ebay ohne weiteres bis zu DM 40,- aus. Den Ebayern, die also einfach mal den doppelten Ladenpreis hinblättern, kann ich nur ein merkwürdiges Kaufverhalten attestieren, ob sie deshalb bescheuert sind, sei mal dahingestellt.
Dieses Verhalten aber auf die strukturschwache Gegend zu schieben, halte ich für falsch. Hier ist meiner Meinung nach eher die Unwissenheit der Käufer ausschlaggebend, die zwar stundenlang im WorldWideWeb herumsurfen, aber wohl nicht auf die Idee kommen, mal nach einem ordentlichen Spieleversand zu suchen.
Das die Spielesammler viel Geld für evtl. nur mittelmäßige Spiele ausgeben, hat ganz andere Hintergründe. Ich selbst habe auch schon für einige Sachen gutes Geld hingelegt, kann mich im Gegenzug aber über entsprechende Einnahmen beim Spieleverkauf auch nicht beklagen. Hier herrscht eher die "Sammlerwut" und das knappe Angebot tut sein Übriges.
Hinrich (der am Samstag erstmal auf der Spielemesse in einen Kaufrausch verfällt)