Beitragvon Lindemann Brigitta » 17. November 2001, 02:49
Arno C. Hofer schrieb:
>
> Liebe Brigitta,
>
> als Landes-Ludothekra der Steiermark sage ichs Dir ganz
> offen: ohne die Spiele zu kontrollieren - und zwar gleich bei
> der Rückgabe, bevor man sie wieder ins Regal stellt geht es
> nicht.
Geht doch! Immerhin haben wir jetzt seit 1993 Spiele im Bestand. Allerdings haben wir sehr brave LeserInnen. Diese Erfahrung mit den Siedlern von Catan ist eine absolute Einzelerfahrung. Allerdings bitten wir unsere LeserInnen darum, bei der Entleihe zu schauen, ob das Spiel vollständig ist. Und das aus dem einfachen Grund - wir arbeiten alle ehrenamtlich und das bei täglicher Öffnungszeit mit 3 Stunden (außer Samstag und Sonntag). Trotz dieser Kontrolle durch die LeserInnen versuchen wir einmal im Sommer (wenn die Spiele kaum ausgeliehen werden) eine Gesamtkontrolle durchzuführen.
>Nur Spiele ohne viel
> Material anzuschaffen bringt's gerade in Zeiten wie diesen,
> wo Spiele deutlich vom Material und ihrer Aufbereitung leben
> überhaupt nicht ...
Ich habe ja auch nicht gemeint "ohne viel Material", sondern suche da nach dem richtigen Mittelweg von sowohl als auch
> Spiele dürfen in der Bibliothek kein Nebenprodukt sein, nein
> sie müssen gleichwertig, wenn nicht spezieller behandelt
> werden als Bücher.
Da bin ich absolut deiner Meinung. Allerdings unterliegen wir da vom Finanziellen her einer gewissen Einschränkung. Da wir vom Staat (Bayern) bezuschusst werden und wir auf diesen Staatszuschuss auch nicht verzichten können, dürfen wir normalerweise nur rund 15% des Gesamtetats, der für Medienbeschaffung (rund 19000 DM in diesem Jahr) verwendet wird, für Nichtbuchmedien (Spiele, CDs und Kassetten, CD-ROM, Videos und Zeitschriften) verwenden. Mehr Geld für die Nichtbuchmedien kann ich nur dann ausgeben, wenn ich entsprechende Spenden bekomme (das Glück hatte ich in diesem Jahr)
Bücher liest man in der Regel alleine,
> wenn es einem nicht gefällt hört man auf und holt sich das
> nächste. Spiele müssen beraten werden:
Nicht jeder lässt sich beraten. Und durch die Freihandaufstellung kann ich auch nur bedingt eingreifen bei der Auswahl der Spiele durch die LeserInnen. Aber ich berate sie in diesem Bereich sehr gerne
>ich kann nicht einer
> total spiel-unerfahrenen Familie (?) ein El Grande aufs Aug''
> drücken, die wird sich nie mehr ein Spiel ausborgen kommen -
Was glaubst du wohl, warum ich versuche, die Spiele "solitär" anzuspielen? Aber wenn wir wie letzthin 34 Spiele auf einen Satz hin (die schon wieder fast alle ausgeliehen sind) einstellen, dann schaffe ich das nicht zumindest nicht sofort. Inzwischen habe ich mich aber ziemlich "durchgewurschtelt"
> Wir beraten viele Büchereien hinsichtlich Spielen.
>Mit nur "Spiele einstellen" ist es leider nicht getan und wir haben
> die negativsten Erfahrungen damit.
"Nur " haben wir es auch nicht gemacht. Spiele haben vom 1. Moment an bei uns sehr gut "eingeschlagen" und werden im Schnitt pro Stück rund 6mal im Jahr (im Jahr 2000, dieses Jahr eine Steigerung auf rund 7mal) umgeschlagen, bei Büchern liegt der Umsatz bei knapp 3mal). Damit liegen wir etwas höher als im bayernweiten Landestrend, obwohl wir nur eine kleine Bücherei sind. Trotzdem und weil ich selber immer gern gespielt habe - um ein Wort von Noelle-Neumann abzuwandeln: "Nur eine Gesellschaft, die spielt (sie schreibt "liest"), ist eine Gesellschaft, die denkt.", bin ich der Meinung, dass wir hier noch nicht an unserer Leistungsobergrenze angekommen sind.
> Wenn Du mir Deine Postanschrift mailst schicke ich Dir einige
> "Ludovico-Spielemagazine" der letzten Jahre, wo jeweils 100
> Spiele - in Kategorien geordnet - empfohlen werden ...
Genauso was habe ich gesucht. Denn so gut unsere bibliothekarische Fachberatung ist, so schlecht ist sie im Spielebereich!
Dafür einen besonderen Dank!
> Soviel vorerst, Arno (begeisterter Ludothekar)