Beitragvon Gustav der Bär » 1. Dezember 2001, 10:46
Du wendest dich zwar mit deinem ehrenhaften Ansinnen an die Spieleverlage, lieber Markus, aber als Mitarbeiter der von dir namentlich genannten Einzelhandelskette Weltbild (korrekt: "Weltbildplus") fällt mir doch auf, dass nicht alle deine Argumente wirklich stichhaltig sind - vor allem nicht da, wo du öffentliches Interesse wie das Kulturgut Spiel geschädigt siehst.
> Ich bin strikt dagegen, daß kleine Einzelhändler zugunsten von Großen
> ausgetrickst werden.
"Austricksen" setzt doch voraus, dass jemand - in diesem Fall wohl die von dir angesprochenen Verlage - mit unlauteren Mitteln versucht, den kleineren Einzelhändlern bewusst Schaden zuzufügen. Dafür kann ich sehe ich aber auf Seite der Verlage keine Indizien - und vor allem keine Motivation. Würden (im hypothetischen Extremfall) wirklich alle kleinen Händler vom Markt verdrängt und nur noch wenige große Ladenketten übrig bleiben, stünde ein Verlag doch beim Aushandeln von Konditionen auf wesentlich schlechterer Position: Würde nur ein Teil der Handelsketten seine Produkte nicht mehr führen, ginge sein Umsatz drastisch zurück.
Gerade für den Verlag ist es interessant, eine Vielzahl konkurrierender Händler zu beliefern, um nicht jeder Rabatt-Forderung zwangsweise nachkommen zu müssen.
Wir dürfen daher als sicher voraussetzen, dass von einem Verlags-seitigen "Austricksen" bestimmter Händler-Gruppen keine Rede sein kann.
> Wenigstens beim Spiel des Jahres sollte man einheitliche Konditionen machen. (...)
Es ist für mich nicht ersichtlich, weshalb ausgerechnet die Konditionen für ein bestimmtes Spiel nicht mehr der Vertragsfreiheit unterliegen sollten. Die Abnahme größerer Posten wird üblicher Weise mit besseren Konditionen honoriert - und die Tatsache, dass ein kleinerer Händler eben nur kleinere Posten kauft, liegt ja nicht in der Verantwortung der Verlage. Es steht schließlich auch kleineren Händlern frei, sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammenzuschließen, um die selben Vorteile auszunutzen. Da ist halt die Initiative der Betroffenen - der Händler also - gefragt, um ihre Lage zu verbessern.
> Der kleine Einzelhändler hat meistens einen besseren Service und kümmert
> sich mehr um den Kunden (...)
Lassen wir mal dahin gestellt, ob das wirklich stimmt (die Meinungen sind auch in diesem Forum ja durchaus geteilt). Gesetzt den Fall, es sei wirklich so: Ist es dann das, was die Kunden wirklich wollen? Es scheint doch so zu sein, dass zumindest ein relevanter Teil der Kunden dem günstigen Preis den Vorzug gegenüber dem "kümmern" gibt. Der kleine Einzelhändler bietet also anscheinend etwas an, das viele Käufer gar nicht wollen. Zu wessen Wohl sollte das dann geschützt werden?
Falls der Service der kleinen Händler den Kunden wichtig ist, dann findet der Schutz der Händler schon allein dadurch statt, dass sie genug Kunden finden. Hier reguliert der Markt, wer auf ihm weiter aktiv bleibt - und im Umkehrschluss muss der, der am Markt aktiv bleiben will, selbst dafür sorgen, dass er das kann.
> Freilich setzt der kleine Händler nicht die Massen um, aber er fördert das
> Kulturgut Spiel mehr (...)
Da habe ich jetzt meine ernsthaften Zweifel, nicht, was die geringeren Umsätze, sondern was die Förderung des Kulturgutes Spiel anbelangt.
Mein Eindruck ist eher der, dass das Kulturgut durch Spielekreise, Spieletreffen, Spiele-Webseiten gefördert wird, durch private Initiativen also, möglicherweise noch durch kommunale Zuschüsse, nicht aber durch Händler, wie groß oder klein sie auch sein mögen.
Natürlich kann der einzelne Händler gleichzeitig auch ein Förderer der Kultur sein, dann aber in dem Sinne, wie man auch gleichzeitig Katholik und Brillenträger sein kann, nämlich ohne dass das eine das andere notwendig bedingt.
> Fördert die kleinen Spieleläden!!!
Diesem Aufruf kann ich mich - rein privat - vorbehaltlos anschließen. Es macht immer wieder Spaß, in einem Laden, der von jemandem betrieben wird, der selbst gern spielt, einzukaufen und dabei zu fachsimpeln. Zum Glück besteht wohl keine ernsthafte Gefahr, dass die kleinen Spieleläden wirklich vom Markt verschwinden, denn persönliche Initiative und kundengerechte Spezialisierung ermöglichen es auch kleinen Anbietern immer, sich am Markt zu halten, egal, wie viel große Konkurrenz es gibt.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär