Beitragvon Lindemann Brigitta » 5. Dezember 2001, 02:44
Benjamin schrieb:
„das bezog sich auch nicht auf diesen artikel. ich finde es ja auch gut, dass gute spiele der öffentlichkeit vorgestellt werden, wenn dadurch mehr gespielt wird, mehr spiele gekauft werden, die verlage im idealfall mehr verdienen und somit noch mehr gute spiele veröffentlichen können.“
Dann sind wir uns ja in diesem Punkt einig. Allerdings nicht im nächsten.
„allerdings darf man es eben auch nicht übertreiben, denn wenn ein kleiner marktsektor zu schnell zu große popularität erfährt, passiert das, was auch die computerspielebranche vernichtet hat: branchenfremde firmen wittern gewinn und beginnen, den markt mit ramschware zu überfluten. im bereich computerspiele ist z.b. "moorhuhn" ein gutes beispiel: spielerisch ein absolutes armutszeugnis - eines der erbärmlichsten spiele, die es jemals gab - und trotzdem ein finanzieller erfolg, wie er selten vorgekommen ist. die folge: moorhuhn 2, morrhuhn 3, sumpfhuhn, suppenhuhn, winter-mohrhuhn, weihnachts-moorhuhn, usw. usw. so wird innerhalb von einem jahr eine ganze branche zugrunde gerichtet, weil den neulingen vorgegaukelt wird, dass dieses abfallprodukt der werbeindustrie ein vollwertiges computerspiel darstellt. und man kann es keinem verübeln, denn die käufer wissen es nicht besser und den hersteller kann man um einen derartigen erfolg nur beneiden.“
Ich glaube, dass dies nur eine vorübergehende Situation ist und wage den Vergleich mit dem Buchmarkt. Seit Jahren fällt mir auf, dass das Trivialste an Literatur, das es jemals gegeben hat, die sogenannten „Groschenromane“ inzwischen ziemlich auf dem Rückmarsch ist. Andrerseits wurden durch diese Heftchenliteratur Gesellschaftsschichten zum Lesen „verführt“, die sonst nie das Kulturgut Lesen entdeckt hätten. Gab es die Groschenromane früher in jedem Supermarkt, so findet man sie dort kaum noch. Verlage wie Bastei-Lübbe (früher einer der Hauptverlage für dieses Genre) bringen heute immer mal wieder auch qualitätvollere Literatur auf den Markt (schon dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht nur Heftchen, sondern inzwischen auch Taschenbücher und auch Hardcover-Bücher). Diese Veränderung trat meines Erachtens ein mit der immer seichter werdenden Unterhaltung durch die ach so beliebte Glotze. Plötzlich brach ein Teil der Kundschaft weg. Auf der anderen Seite setzt sich auch im TV-Bereich inzwischen teilweise wieder Qualität durch (siehe Arte oder auch Bayerisches Fernsehen) – ähnlich wie sich im Rundfunkbereich absolut qualitätvolle Sender neu behaupten können (z.B. Bayern 2 Radio). Wenn ich dies jetzt mit dem Markt der Computerspiele vergleiche, dann trafen hier ebenso zwei Dinge zusammen: Eine neue Technik und der Drang des Menschen zu spielen. Also haben trivialste Spiele im Moment eine Chance. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sich in dem Moment, in dem die neue Technik PC bzw. Internet genauso selbstverständlich geworden ist wie heute Radio und Fernsehen, auch die qualitätvolleren PC-Spiele einen neuen Markt finden, bin aber auch der Meinung, dass es beides geben muss – das triviale und das qualitätvolle PC-Spiel, denn für beides gibt es die Kunden.
Gleiches gilt aber auch für den Bereich der Karten- und Brettspiele. Und ich sehe hier eigentlich in der indirekten Werbung, wie sie Zeitschriften wie Test für bestimmte Spiele machen, auch eine große Chance für die Spieleverlage. Können sie doch das Geld, das sie auf diese Weise mehr einnehmen, in neue Spielentwicklungen stecken und so gerade auch für den Vielspieler die entsprechende „Ware“ bereitstellen. Und so wie heute im Buchmarkt die Bestseller für viele Verlage die Chance sind, auch Bücher von sehr hoher Qualität zu verlegen, weil diese – dank der Buchpreisbindung – durch die Bestseller bezuschusst werden, so denke ich, werden auch verantwortungsbewusste Spieleverlage die Chance nutzen, Mehreinnahmen aus „Spielbestesellern“ entsprechend umzusetzen.
„soviel zur begründing meiner allgemeinen skepsis - ich will einfach nicht noch ein hobby verlieren...“
Kann ich verstehen, aber ich hoffe, die bist zu pessimistisch.
Brigitta (neigt nicht unbedingt zum Optimismus, hat aber gelernt, immer mehr das Positive in ihrer Umwelt zu sehen)