Beitragvon Marten Holst » 26. Februar 2002, 14:05
Moinle,
nachdem die "erst alles erklären"-Fraktion hier bislang ordentlich auf die Omme bekommen hat, will ich mich mal wieder einer meiner von mir so hochgeschätzten Miniminderheitsmeinungen (MMM) hingeben. Gut, so MMM nicht, denn in den Spielerunden, in denen ich der Erklärer bin, ist das durchaus allgemein so gesehen. Es geht dabei allerdings [i]nicht[/i] darum, sich später über vergessene Regeln aufzuregen bzw. das zu vermeiden, sondern weil man sich dann einen besseren Überblick verschaffen kann, was alles möglich ist und hineinspielt. Außerdem führt das (auch wenn einzelne Details nicht von allen behalten werden) dazu, dass die "Neulinge" sich ihre Fragen oft gegenseitig beantworten können und dann das Gefühl auch subjektiv bekommen, dass sie das Spiel in weiten Zügen verstanden haben, als wenn immer nur ich die Fragen beantworte.
Außerdem finde ich es wichtig, dass man in den ersten Zügen vielleicht noch sehr deutlich "nach den Regeln" spielt, also alles einzeln ausführt, was man wann wie warum oder warum nicht macht:
"So, jetzt kann ich in Phase 1 einen Kredit aufnehmen, das macht noch keinen Sinn, ich habe ja eine Menge Geld. Dann kommt Phase 2, drei Regenwürmer einsetzen, ich nehme mir mal das zusammenhängende Gebiet hier, das muss aber nicht notwendig das beste sein (alternativ: das sollte man am Anfang lieber erst einmal so machen, je nachdem, wie es stimmt). Kampf ist nicht, weil Ihr wart noch nicht da. Jetzt entscheide ich mich noch für ein Jokertier, nehme den Marienkäfer, ich habe nun zwei Stollen für 4 Punkte, die werden eingetragen, und der nächste ist dran. Willst Du einen Kredit aufnehmen? Nein, gut, also setze mal Deine Würmer."
Schließlich möchte ich noch eine Sache, die oben steht, etwas umformulieren, so wie ich denke, dass sie gemeint ist: natürlich sollte man auch "erste Spiele" gewinnen wollen. Allerdings sollte man sich nicht ärgern, wenn es nicht klappt. Bei uns ist es relativ üblich, über "strittige taktische Entscheidungen" in den ersten Runden zu diskutieren ("Ich habe jetzt eine Vermehrungskarte, wenn ich die jetzt auf Rainer spiele, was dann?" "Ja dann kann er, aber andererseits, und deswegen ist das vielleicht nicht so gut."). Betonung auf diskutieren, ich will niemandem meine Meinung aufoktruieren (und offenkundiger Quatsch wird weitestgehend ignoriert).
Zum Leid des Vortragenden: am schlimmsten sind meines Erachtens die Vorgreifer. Man überlegt sich eine Reihenfolge, wie man was erklärt (bei Vinci z.B. erkläre ich immer zuerst, wie ein Volk ohne Eigenschaften mit einer erst einmal beliebigen Armeenzahl in Europa einfällt, und was es in der nächsten Runde macht und wie es Punkte bekommt), und dann kommen die Fragen, die "später" noch behandelt werden (bloß, dass diese Antwort dann auch nervt) oder komplexere Taktikfragen vor Ende der Erklärung... aber das kennt Ihr ja alle, wie Ihr schon geschreibselt habt.
Tschüß
Marten (liest gerne Anleitungen, notfalls auch vor, und hofft immer, dass seinem sonoren Bariton auch mit angemessener Ehrfurcht gelauscht wird)