Beitragvon Marten Holst » 18. März 2002, 19:12
Moinle Roman,
> > Die Spieler, die am Rand ihre Hauptniederlassungen haben,
> > sind am Anfang etwas benachteiligt - so erschien es uns
> > jedenfalls beim ersten Spiel.
>
> Nuja, hier haben wir ein Hauptproblem, bei dem es mir schon
> länger auf der Seele brennt, das mal zu diskutieren. Viele,
> ich wage sogar zu sagen, ca. 90-95% der zu Spielen getätigten
> Aussagen zur Balance erwachsen unzureichender Spielpraxis
> sowie mangelnder Beweisführung. Erste Eindrücke reichen nach
> meinem Dafürhalten nicht einmal annähernd aus, die
> Spielbalance zu beurteilen; ich denke, dass da zuviel, was
> die eigene Urteilsfähigkeit angeht, überschätzt wird.
Obwohl kein FDP-Mitglied möchte ich hier mit einem klaren "Ja, aber eventuell dann doch sowohl als auch, denn Ihr habt ja alle recht" antworten... natürlich gibt es einen ganzen Haufen entsprechender Postings hier, aber die sind inhaltlich oft nicht "völlig" unberechtigt, sondern nur falsch formuliert...
Falsch ist die Aussage "Bei Die 'Autobahnen von Nürnberg' gewinnt man immer, indem man am Anfang den Audi ersteigert und dann nach Osten zieht, das hat die ersten zwei Male locker geklappt.".
Interessant ist die Frage/Diskussion "Wenn der erste Spieler den Audi bekommt und nach Osten zieht - was kann man da noch machen? Irgendwie fällt uns da nichts ein." Erstens ist es eventuell interessant, einen "Tipp" zu bekommen, um ein Spiel zu retten, bei dem man selbst nichts sieht. Zweitens mag ja wirklich ein Fehler vorliegen...
Natürlich muss man das Spiel oft genug spielen - und auch ein paar kreative Amokstrategienentwickler in der Runde haben, die völlig irrational agieren - und plötzlich gewonnen haben, halt solche, die auch mal einfach "sehen wollen, was passiert". Wenn immer alle nur auf Gaukler gehen und der Rest mehr Zufall ist, dann ist FvF vielleicht mit einer gewissen Siegstrategie ausgestattet... Aber was für überraschende Neuideen auch nach vielen Partien möglich sind (und man neigt oft dazu, sich auf gewisse Taktiken einzuschießen), das habe ich gerade erst am Freitag bei Lost Cities erfahren dürfen... :-)
> Aber mal von vorne: erste Eindrücke als Spieler, Kritiker
> reichen nicht zur Beurteilung der Balance aus. Der erste
> Eindruck täuscht allzu oft. Zudem ist erst einmal im
> positiven Sinne davon auszugehen, dass sich Autor als auch
> Verlag - nach zahlreichen Testrunden - etwas dabei gedacht
> haben, ein Spiel so zu machen und nicht anders.
Jemand anderer würde hier "Einhundert Prozent Ah-Ceh-Kah" schreiben. Und das gilt nicht nur für die strategische Ausgewogenheit, sondern auch für die Variantentendenz, "neue" Elemente, die einem komisch vorkommen, nicht einmal ernsthaft anzutesten, sondern gleich ein "Aber die folgende Variante rettet das Spiel" hier posten - obwohl meist das Spiel mit den Originalregeln besser ist (Jüngste Beispiele: Urland, Ohne FuA).
> Bei den meisten Spielen sprengt das den Rahmen sowohl der
> mathematischen Berechenbarkeit als auch der in der Praxis zu
> ermittelnden Werte.
Nebenbei: Na hoffentlich. Ein praktisch "lösbares" Spiel hätte einen Spielreiz unterhalb der Außentemperatur Helsinkis im Dezember...
Spätabendliche Grüße
Marten (der bei Mexica auch schimpfte, allerdings leider missverständlich, sodass die wörtliche Kritik voll unter Romans Kritik fällt, aber anders gemeint war)